Aktionswoche „Falsche Polizeibeamte“

Oberkommissarin Ines Wollmann (v. l.) und Hauptkommissarin Antje Schneider sind echte Polizeibeamtinnen. Sie klären Seniorenbetreuerin Aneta Btyga im Rahmen der Aktionswoche „Falsche Polizeibeamte“ über die Tricks der Telefonbetrüger auf. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Helga Myschker (r.) hat ein offenes Ohr für die Tipps von Polizeihauptkommissarin Antje Schneider, die sie über den „Tatort Telefon“ informiert und reichhaltiges Informationsmaterial mitgibt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Echte Polizistinnen klären Bürger über Betrugsmaschen auf - „Tatort Telefon“ nimmt stetig zu

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die Polizeibeamtinnen Antje Schneider und Ines Wollmann haben ihren kleinen Informationsstand im Foyer der Sparkasse noch nicht ganz fertig aufgebaut, da stehen schon die ersten Interessenten vor ihnen.
Schneider ist Kontaktbeamtin des Großburgwedeler Polizeikommissariats und tourt mit ihrer Kollegin durch verschiedene Einrichtungen, überall dort, wo gehäuft Senioren anzutreffen sind. Die beiden sind in ihrem Bezirk zum Thema „Falsche Polizeibeamte“ unterwegs und klären über Anrufe von Betrügern auf, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. Diese sagen den Angerufenen, dass in ihrer Nachbarschaft ein Einbrecher festgenommen worden sei, der eine Liste mit ihrer Adresse dabei gehabt habe. Daher seien Wertsachen nicht mehr sicher und müssten der Polizei übergeben werden.
Laut einer Mitteilung der Polizei Hannover beschäftigt sich die Ermittlungsgruppe Trick des Zentralen Kriminaldienstes ausschließlich mit Verfahren, in denen die Täter trickreich vorgehen, darunter fallen z.B. Anrufe „Falscher Polizeibeamter“. Allein 2018 habe die Ermittlungsgruppe in der Landeshauptstadt sowie im Umland mehr als 1.300 Anrufe registriert, die in 31 Fällen für die Betrüger erfolgreich verliefen. Dabei erbeuteten die Täter Geld und Wertsachen im Gesamtwert von mehr als einer Million Euro.
2017 sei es zu etwa 450 Anrufen gekommen, aus denen 14 vollendete Taten mit einem Schaden von circa 250.000 Euro hervorgingen. Bereits in den ersten zwei Monaten 2019 seien der Polizei Hannover etwa 800 Anrufe gemeldet worden. Dabei habe es Tage mit bis zu 70 aktenkundigen Telefonaten gegeben. Vier Mal seien die Betrüger dabei erfolgreich gewesen und hätten Wertgegenstände in einem Wert von fast 350.000 Euro erbeutet, so die Auskunft der Polizei Hannover.
Um die Menschen zu sensibilisieren, informieren die beiden echten Polizeibeamtinnen vor Ort über ihre betrügerischen „Kollegen“ im Rahmen der Aktionswoche „Falsche Polizeibeamte“. „Wen man auch anspricht, es gibt kaum jemanden, der nicht schon einmal in der oder ähnlicher Form angerufen wurde“, erklärt Schneider.
Das mache sie sehr betroffen: „Ich will das nicht mehr, dass die Betrüger meine Leute abziehen.“ Ihre Kollegin informiert derweil eine ältere Dame über die Vorgehensweise der Täter und gibt ihr einen Tipp, wenn fragwürdige Anrufe erfolgen: „Legen Sie einfach auf, Sie müssen sich nicht rechtfertigen.“
Während ihrer Aufklärungskampagne erfahren die Polizistinnen auch, dass die Täter bei manchen zwar angerufen hatten, glücklicherweise aber nicht zum Ziel gekommen seien. „Wir freuen uns, wenn die Täter keinen Erfolg haben. Dennoch ist es wichtig, dass wir trotzdem von dem Anruf erfahren“, erklären sie und bitten darum, die „richtige Polizei“ zu informieren.
Antje Schneider hat dafür schon ein Faltschild aus Pappe parat, das neben dem Telefon aufgestellt werden kann. In großen Zahlen notiert sie die Nummer der Polizeiwache in Großburgwedel für die 84-jährige Helga Myschker. Die rüstige Rentnerin wurde zweimal hintereinander von Betrügern angerufen, hat jedoch deren zweifelhafte Absichten sofort erkannt.
Selbst wenn sich Betroffene nicht entscheiden könnten, die Polizei anzurufen, sei es wichtig mit jemandem darüber zu sprechen. „Sprechen Sie mit ihren Kindern oder Nachbarn und berichten Sie von solchen Anrufen“, appelliert Antje Schneider an die Rat suchenden Senioren. Eine ältere Dame ist begeistert von der Aufklärungsarbeit: „Bei mir hat zwar noch keiner angerufen, aber ich finde die Aktion gut. Denen muss man das Handwerk legen!“
Aneta Btyga stieß zufällig auf das Beratungsangebot, da sie in der Bank etwas zu erledigen hatte. Die junge Frau ist Seniorenbetreuerin und fragt gleich nach Informationsmaterial, das sie für ihre älteren Klienten mitnimmt. Sie bekommt auch einige von den Pappaufstellern, die sie in den Wohnungen der Senioren neben dem Telefon platzieren wird.
Caroline Hahn vom BeratungsCenter der Sparkasse in Großburgwedel hört interessiert zu. In der Bank komme es schon mal zu Geldabhebungen, bei denen die Mitarbeiter genauer nachfragten, erklärt sie. Insgesamt dreimal sei es schon gelungen, durch erhöhte Aufmerksamkeit sogenannte Enkeltrick-Betrugsfälle zu vereiteln. Dabei sei es um Summen von bis zu 30.000 Euro gegangen.
„Wir sind wachsam“, erklärt sie und betont die enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei, die in solchen Fällen umgehend verständigt wird. Leider habe es auch einen Fall gegeben, bei dem die Bankmitarbeiter einer Kundin abgeraten hätten, diese aber letzten Endes doch Geld abgehoben und jemandem ausgehändigt habe. Hinterher habe sich herausgestellt, dass die Kundin bedauerlicherweise von einem Betrüger um ihr Geld gebracht worden sei, so Hahn. Um dem etwas entgegen zu stellen, werden in der Sparkasse bei größeren Barauszahlungen Faltblätter in die Umschläge gelegt, Broschüren und Plakate im Foyer machen auf die Thematik aufmerksam.
Mit der Aufklärungsarbeit in der Aktionswoche „Falsche Polizeibeamte“ möchten Schneider und Wollmann auch die erwachsenen Kinder der Senioren erreichen, die mit ihren Eltern oder älteren Mitbürgern sprechen sollten. „Geben Sie ihr Wissen weiter, beim Nachbarschaftskaffee oder im Treppenhaus“, sagt Antje Schneider und ermuntert noch einmal dazu, die Polizei zu verständigen, wenn ein zweifelhaftes Telefonat eingeht: „Bitte rufen Sie uns an!“ Die örtliche Polizeiwache in Großburgwedel ist unter der Telefonnummer 05139/9910 erreichbar.