Ärzte am Regionskrankenhaus Großburgwedel streiken

Auch am Regionskrankenhaus Großburgwedel streiken etwa 30 Ärztinnen und Ärzte für maßvolle Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Ein Ende des Streiks ist nicht abzusehen, denn die Mediziner wollen durchhalten, bis ein Ergebnis erzielt ist. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Notfallversorgung der Patienten ist gesichert

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Mittwochmittag staunten die Besucher des Regionskrankenhauses Großburgwedel nicht schlecht, als sie den Haupteingang nutzen wollten: Auf den Parkflächen davor hatten sich Ärztinnen und Ärzte versammelt und verteilten Informationsmaterial zu den Gründen ihres gegenwärtigen Streiks an die Besucher. Sie nutzten ihre Mittagspause dazu, um zu erläutern, dass es ihnen dabei weniger um den finanziellen Aspekt geht als vielmehr um die Verbesserung der Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. Damit folgen sie einer Aufforderung des Marburger Bundes, das ist der Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands.
Dr. Jasper Koenig ist Urologe am Regionskrankenhaus in Großburgwedel und Sprecher der hier streikenden Ärzte. Das Grundübel, sagt er, seien die vielen unbesetzten Ärztestellen. Das zwinge auch ihn und seine Kolleginnen und Kollegen in Großburgwedel dazu, immer mehr ärztliche Arbeit rund um die Uhr zu verrichten. Die meisten von ihnen würden 70 bis 80 Stunden wöchentlich arbeiten „Da ist kein Familienleben mehr möglich“, sagt Dr. Koenig. „Die kommunalen Arbeitgeber lassen uns im Regen stehen. Die stetig steigende Arbeitsbelastung wird überhaupt nicht wahrgenommen. Wir fordern 5% mehr Gehalt und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) hat uns für einen Zeitraum von drei Jahren 2,9% geboten. Das ist eine jährliche Steigerung deutlich unter dem Anstieg der Inflationsrate“, schimpft er. Deswegen habe der Marburger Bund die Tarifgespräche abgebrochen.
Das große Problem sehe er allerdings nicht so sehr in der Steigerung des Grundgehalts, als vielmehr in der Verbesserung bei der Vergütung von Bereitschafts- und Nachtdiensten. „Wenn ein Arzt zehn Stunden in einem Bereitschaftsdienst gearbeitet hat, dann werden ihm nur sechs Stunden bezahlt. Der Nachtdienst dauert elf Stunden, wovon nur 7,8 Stunden bezahlt werden“, erklärt er. Als Zuschlag für den Nachtdienst gibt es dann pro Stunde 1,28 Euro, allerdings auch 0,2 Minusstunden, die die Ärzte dann mit Überstunden abarbeiten müssen, um auf ihren Tariflohn zu kommen.
„Ohne den wirtschaftlichen Druck geht es nicht“, sagt Dr. Jasper Koenig. Wegen des Streiks seien allein in der Chirurgie und der Urologie mehr als 80 Operationen ausgefallen. „Nur wenn die kommunalen Arbeitgeber merken, dass ihre mangelnde Kompromissbereitschaft jetzt zu Einnahmeeinbußen führt, wird wieder Bewegung in die Tarifverhandlungen kommen“, hofft Dr. Koenig. „Deswegen wird während des Streiks auch nur in zwei der vier Operationssäle hier im Krankenhaus operiert“.
Bei den ausgefallenen Operationen handele es sich nur um Eingriffe, die man gefahrlos für den Patienten verschieben könne. „Wir haben eine Notfallvereinbarung mit dem Krankenhausträger geschlossen, die die Versorgung von Notfallpatienten in jedem Fall wie gewohnt sicher stellt“, sagt Dr. Jasper Koenig. Und diese Notfallvereinbarung sei ziemlich weit gefasst, im Interesse der Patienten.