Abschied von Pestalozzi

Pastor Ralf Rogge von der Pestalozzi-Stiftung geht am 1. September in den Ruhestand. (Foto: Andrea Hesse)

Pastor Ralf Rogge geht in den Ruhestand

Burgwedel (r/bs). „In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich noch einmal ganz besonders gespürt, wie sehr unser Beruf auf den Kontakt mit Menschen ausgerichtet ist“, sagt Ralf Rogge.
Seit 2012 ist er als Pastor in verschiedenen Arbeitsfeldern in der Pestalozzi-Stiftung in Burgwedel tätig; nun verabschiedet er sich zum 1. September in den Ruhestand. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Ps. 31,9) – dieses Bibelwort hatte er zu seiner Einführung im Advent 2012 gewählt und kann nun feststellen: Es hat gepasst. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als das Corona-Virus so vieles zum Stillstand brachte.
„Rein räumlich ist die Pestalozzi-Stiftung ja ein sehr eingegrenzter Bereich“, erzählt Rogge in seinem schlichten Arbeitszimmer in Burgwedel. „Aber durch die vielen Menschen mit besonderen Lebensläufen, denen man hier begegnet, weitet sich der Raum.“ Weite hat Rogge, der vor seiner Tätigkeit in der Pestalozzi-Stiftung als Dozent am Religionspädagogischen Institut in Loccum tätig war, auch in der Vielfalt seiner Aufgaben in Burgwedel erfahren: Da waren die Begleitung von Schülerinnen und Schülern im Religionsunterricht und die Schulgottesdienste, die regelmäßigen Andachten in den Werkstätten der Behindertenhilfe und im Pestalozzi-Seminar, die Kinderkirche in der Kita und das jährliche Krippenspiel, die Abstimmung mit dem begleitenden Dienst, das Trauercafé und der Gesprächskreis für psychisch genesende Menschen, Angebote in den Wohnheimen, Sonntagsgottesdienste in der Kapelle und immer wieder die enge Zusammenarbeit mit dem Team der Stiftung.
„Es ist eine schöne Herausforderung, Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass der Glaube stärken kann“, sagt Ralf Rogge. Die Suche nach Hoffnungsbildern, der Zugang zu Menschen in der Auseinandersetzung mit Leiden und Tod, die Stärkung von Resilienz – all das hat ihn in den Jahren in Burgwedel intensiv beschäftigt. „Am meisten werden mir die Diskussionen mit den Schülerinnen und Schülern fehlen“, vermutet er mit Blick auf den Ruhestand.
Interessant wurden diese Gespräche auch durch die große Altersspanne von Menschen, die in der Fachschule der Pestalozzi-Stiftung lernen: „Ich habe mit 16- und mit 50-Jährigen über Themen wie Organspende und Patientenverfügung gesprochen und dabei durchaus auch meine eigene Haltung eingebracht“, erzählt Rogge.
Besonders intensiv beschäftigten ihn immer wieder Fragen nach dem christlichen Glauben im Alltag von Kindern: als Redaktionsleiter der Zeitschrift „Elternbrief“ der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, in seiner täglichen Arbeit in den Einrichtungen der Pestalozzi-Stiftung und auch im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, zu dessen Konvent er gehört.
In Zusammenarbeit mit Christiane Höppner-Groth, zum damaligen Zeitpunkt pädagogische Leitung der Kitas in Trägerschaft des Kirchenkreises, und weiteren Referenten bot er ein Fortbildungsmodul zum christlichen Glauben im Alltag von Kindertagesstätten für alle Kitas des Kirchenkreises an.
„Das war eine großartige Fortbildung, in der unsere Kitas sehr von Ralf Rogges Kenntnissen und Haltung profitiert haben“, erinnert sich Superintendent Holger Grünjes.
Und dann war da noch das inklusive Geschichtsprojekt, das Ralf Rogge begleitete: In Zusammenarbeit von Besuchern der Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel und Menschen aus der Pestalozzi-Stiftung wurde die Geschichte von Friedrich Daps aus Isernhagen recherchiert und veröffentlicht. Der Junge war während des Nationalsozialismus auf Empfehlung eines Arztes in die Pestalozzi-Stiftung gebracht worden und starb nach einer Odyssee durch verschiedene Einrichtungen 1942 in Lüneburg.
Die Nachfolge für ihn in der Pestalozzi-Stiftung sei noch in der Schwebe, berichtet Ralf Rogge. Er selbst würde, wäre er ein paar Jahre jünger, die Stelle wohl noch einmal antreten: „Die Arbeit hier mit vielen jungen Erwachsenen und so vielen verschiedenen Menschen ist vielseitig und spannend“, sagt er. Dennoch freut er sich auf neue Wege im Ruhestand: Gemeinsam mit seiner Frau, die als Gemeindepastorin in Hannover zeitgleich in den Ruhestand geht, wird er im August nach Emden ziehen. Dort werden sie direkt an der Gracht leben – und Ralf Rogge kann einfach mit dem Kanu in die Stadt paddeln.