700 Jahre Kleinburgwedel: Besucherandrang zur Hubertusmesse im Haus der Kirche

Das Parforcehornbläsercorps Hannover „Treffpunkt Fermate“ verhalf den Besucherinnen und Besuchern zu einem ganz besonderen Musikerlebnis. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Beeindruckender Gottesdienst mit Jagdhornbläsern unterstreicht die Bedeutung der Jagd im Ort

KLEINBURGWEDEL (hhs). Am vergangenen Sonntag hatte der Kleinburgwedeler Teil der St. Petri-Kirchengemeinde zu einer Hubertusmesse in das Haus der Kirche eingeladen. Der Gottesdienst war die vorletzte Veranstaltung im Programm der Feierlichkeiten zum 700. Geburtstag der Ortschaft in diesem Jahr. Und auch diese Hubertusmesse geriet wieder, wie alle anderen Veranstaltungen im Festprogramm, zu einem großen Erfolg. Das Haus der Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Gemeindeglieder hatten den großen Raum hübsch herbstlich geschmückt. Dass es thematisch an diesem Vormittag um die Jagd gehen würde, darauf wies ein starkes Hirschgeweih hin, dessen Träger Friedel Kausch, einer der Pächter der Genossenschaftsjagd in Kleinburgwedel erlegt hatte. Und letztlich die Bläserinnen und Bläser des Parforcehornbläsercorps Hannover „Treffpunkt Fermate“ in ihren ansehnlichen historischen Uniformen.
Hubertusmessen hatten ihre Hohe Zeit im Barock, als der Adel der hohen Jagd zu Pferde frönte. Diese so genannten Parforcejagden waren die althergebrachte Form der Bejagung von Rotwild, Damwild und Sauen, der Wildarten, die heute noch von den Jägern als „Hochwild“ bezeichnet werden. Eine Hundemeute wurde auf die Fährte des Wildes gesetzt, suchte dieses und begann, sobald das Wild gefunden war, mit der Hetze. Die Jäger folgten der Meute zu Pferd, das war die „wilde Jagd“, bis sie beim Wild ankamen und es zur Strecke brachten. Grausam mutet diese Jagdart heute aus der Nachschau an, keinesfalls mit dem modernen Tierschutzgedanken vereinbar, weswegen sie in Deutschland verboten ist. Hörner spielten damals dabei nur eine Rolle als Signalinstrument.
Insbesondere in den katholischen Staaten Belgien und Frankreich wurde es üblich, vor so wichtigen Ereignissen wie einer Jagd eine entsprechende Messe zu zelebrieren. Dort, wo die Jagd stattfand, war meistens keine Kirche in der Nähe. Also fand diese Messe unter freiem Himmel in den Revieren statt. mangels einer Orgel übernahmen die Hornbläser dabei den musikalischen Teil der Liturgie.
So auch am Sonntag im Kleinburgwedeler Haus der Kirche. Die neun Parforcehornbläser ließen diese Messe zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Schon nach wenigen Takten des ersten Stückes mit Namen „Introitus“, was man mit „Zum Einzug“ übersetzen kann, lief den Besuchern ein Schauer über den Rücken. Die Naturhörner in „es“ gestimmt verliehen dem Gottesdienst etwas Erhabenes, beinahe Fremdartiges. Jeder Ton der Bläserinnen und Bläser saß, und nur die versierten Bläserinnen und Bläser im Gestühl konnten nachvollziehen, wie schwierig die Akustik im voll besetzten Haus der Kirche zu meistern war. Am Ende des Gottesdienstes gab es für diese hervorragende Leistung auch rauschenden Beifall von der Gemeinde.
Pastor Andreas Böger hatte seiner Predigt eine der vielen Hubertuslegenden zu Grunde gelegt. Welche man auch immer davon aussuche, im Kern seien sie alle gleich: Der wilde, hartherzige Jäger Hubertus habe in dem weißen Hirsch, in dessen Geweih sich der tödliche Speer zu einem leuchtenden Kreuz verwandelt habe, den Anlass zu einer grundsätzlichen Wandlung gefunden und das Tier als Teil der Schöpfung erkannt, dem man mit Achtung und Fairness entgegen zu treten habe. Das sei damals das gewesen, was der moderne Jäger unter Waidgerechtigkeit verstehe. Hubertus habe den Weitblick, oder besser Scharfblick gehabt, dieses zu erkennen und für sich umzusetzen. Schnell sei er Schutzheiliger der Jäger geworden, dessen Tag alljährlich am 3. November gefeiert werde.
Im Anschluss an den Gottesdienst zeigten die Bläserinnen und Bläser des Parforcehornbläsercorps Hannover „Treffpunkt Fermate“ draußen vor dem Haus der Kirche, was in ihnen und ihren Hörnern steckt, wenn man den Tönen freien Lauf und damit die Weite lässt. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis, darin waren sich die meisten Besucher einig. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es zwischen einigen wärmenden Feuerkörben noch kalte Getränke und heiße Erbsensuppe, wie auf der Jagd üblich, und viele gute Gespräche mit den Jägerinnen und Jägern der Ortschaft Kleinburgwedel. Die letzte Veranstaltung zum Abschluss der 700-Jahr-Feiern findet am späten Silvesterabend um 23.30 Uhr als Abschluss des Festjahres auf dem Dorfplatz statt.