700 Jahr-Feier: Hubertusmesse im Haus der Kirche

Wann? 07.11.2010 10:00 Uhr

Wo? Haus der Kirche, Moorweg 8, 30938 Burgwedel DEauf Karte anzeigen
Das Parforcehornbläsercorps Hannover „Treffpunkt Fermate“ wird am Sonntag, 7. November, die Hubertusmesse im Haus der Kirche blasen. (Foto: Ursula Lukas)
Burgwedel: Haus der Kirche |

Am Sonntag, 7. November um 10.00 Uhr in Kleinburgwedel

KLEINBURGWEDEL (hhs). Der 3. November, der Gedenktag des Heiligen Hubertus, des Schutzpatrons von Jägern, Jagd und Wild fällt in diesem Jahr auf einen Mittwoch, am Sonntag darauf, den 7. November, wird die Kirchengemeinde St. Petri in Kleinburgwedel gemeinsam mit der Jagdgenossenschaft im Haus der Kirche deswegen im Rahmen des Gottesdienstes zu einer Hubertusmesse einladen. Die Bläserinnen und Bläser des Parforcehornbläsercorps Hannover „Treffpunkt Fermate“, in dessen Reihen sich viele Jagdhornbläser aus dem Burgdorfer Land befinden, wird diesen Gottesdienst musikalisch begleiten.
Die Legende des Hubertus, der einen Wandel vom wilden, maßlosen Jäger zum verantwortungsbewussten Umgang mit Gottes Schöpfung vollzog, nachdem er einen Rothirsch mit einem leuchtenden Kreuz zwischen den Geweihstangen gesehen hatte, ist bekannt und auch heute immer noch vorbildlich. In höfischen Zeiten war es Brauch, vor der Jagd eine Messe abzuhalten, nicht nur, um im Gebet um Jagdglück zu bitten, sondern auch, um die Jäger nachdenklich zu machen für die Belange des Wildes und der Natur. Man kann sagen, eine ganzheitliche Betrachtungsweise sollte erreicht werden: Sich, den Menschen, zwar als Krone der Schöpfung betrachten, aber Natur und Tiere auch als gleichwertigen Teil derselben.
Ursprünglich wurden die Hubertusmessen in Gottes freier Natur gefeiert. Die Jagdhörner, eigentlich nur Signalinstrumente zur Jagdausübung, übernahmen die Funktion der Orgel und folgten der Liturgie einer katholischen Messe. Selbst die Glocken wurden von den Blasinstrumenten übernommen, zu jedem Teil der Liturgie gab es ein besonderes Musikstück, das die Parforcehornbläser an diesem Sonntagmorgen vorstellen werden.
In Kleinburgwedel, die Ortschaft, die in diesem Jahr ihr 700-jähriges Bestehen feiert, ist die Tradition der Jagd lange verbürgt. Gleich „nebenan“ lagen die so genannten herrschaftlichen Reviere, in denen nur die Landesherrn die Jagd ausüben durften. Der Königsstein im Sprillgehege legt davon heute noch Zeugnis ab. Doch genau betrachtet hat dieser Stein an der Stelle, wo König Ernst August angeblich zwölf jagdbare Hirsche geschossen hat, eher politische Qualität. Er soll erst nach 1866 dort gesetzt worden sein, als das Königreich Hannover nach der Schlacht von Langensalza Provinz von Preußen wurde. Anhänger der Welfen sollen für den Stein gesorgt haben. Das hat es hier in der Gegend häufiger gegeben, zum Beispiel „ein paar Reviere weiter“ im Hirschgehege. Dort wurden am so genannten Stern weißblühende Robinien neben gelben Goldregen gepflanzt. Das waren die Farben der Welfen. Einige der Pflanzen stehen und blühen dort heute noch. Im Übrigen waren die Landesherrn, wo sie als Jäger auftraten, in der Bevölkerung kaum beliebt. Für diese waren Hilfsdienste bei der Jagd Pflicht, von der Beute sahen sie nichts, ebenso keinen Lohn.
Mit der landesherrlichen Jagd war 1849 Schluss. Als Folge der Revolution von 1848 und der Bodenreform anschließend wurde das Jagdrecht mit dem Besitz von Grund und Boden verbunden. das hieß im Klartext. Jeder durfte auf seinem Grund und Boden jagen, und jeder hat es getan, mit Freuden sogar, um das Wild fernzuhalten von den Früchten. Hirsch und Reh waren damals beinahe ausgerottet. Dass es damals so nicht weitergehen konnte, erkannten nur diejenigen, die die Jagd verantwortlich im Sinne des Schutzheiligen Hubertus ausübten.
Die Jagd wurde neu geregelt. Das Jagdrecht blieb weiterhin mit dem Besitz von Grund und Boden verbunden, aber es wurde getrennt vom Recht, die Jagd auszuüben. Wer jagen wollte, musste seine Befähigung nachweisen und konnte sich das Jagdrecht von den Grundeigentümern pachten. Diese schlossen sich zu einer Jagdgenossenschaft zusammen, die alle Flächen privater Grundeigentümer umfasste, mit dem alleinigen Zweck, das Jagdausübungsrecht an einen befähigten Dritten zu verpachten. Das ist bis heute so geblieben, auch und ganz besonders in Kleinburgwedel. Die genossenschaftliche Jagd, oder anders ausgedrückt: der gemeinschaftliche Jagdbezirk Kleinburgwedel wird seitdem beinahe unverändert in voller Größe verpachtet, an Jäger, die die Jagd nachhaltig ausüben und schonend mit der Natur umgehen. Jagd- und Dorfleben gehören in der langen Kleinburgwedeler Geschichte somit zusammen. Zum einen bereicherte das Wildangebot den sonst an sich kargen Speisezettel der früheren bäuerlichen Haushalte und zum anderen boten in der Gemarkung von Kleinburgwedel Wald und Flur hinreichend Gelegenheit für eine vielfältige Jagdstrecke mit Rot-, Reh-, Schwarz- und Niederwild. Deshalb wird im unmittelbaren Anschluss an die Hubertusmesse die Jägerschaft in forstlicher Atmosphäre über ihre Tradition und die heutigen Aufgaben informieren. Dass hierbei eine kräftige Suppe angeboten wird und das Jagdhornbläsercorps auch weiterhin einen Ohrenschmaus bietet, ist selbstverständlich.