200. Integrationskurs gestartet

Ein kleines „Jubiläum“ für Dozentin Olga Bespalov (mit Blumenstrauß): Sie leitet den 200. Integrationskurs der vhs Hannover Land (v. l.: Martina Behne, Silke Czinczoll und Meryem Semin mit den dreizehn Kursteilnehmenden, h. r. Ilona Schötz und Peter Lachmund). (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Migranten lernen bei der vhs Hannover Land grundlegende Alphabetisierung und Deutsch

Von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL. Schon von weitem sind die Stimmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu hören, die im St. Paulus Gemeindehaus mit Olga Bespalov Deutsch üben. Sie sprechen die Worte ihrer Dozentin nach, um ein Gefühl für den Klang der Sprache zu bekommen und Deutsch zu lernen. Manche von ihnen konnten bisher selbst in ihrer Heimatsprache noch nicht lesen und schreiben, doch hier haben sie die Möglichkeit, beides auf Deutsch zu lernen.
Das Ziel ist zunächst die Alphabetisierung, anschließend werden die Kenntnisse mit einem allgemeinen Deutschkurs vertieft. Der Kurs endet mit der Prüfung „Deutschtest für Zuwanderer“. Im darauf folgenden Orientierungskurs lernen die Teilnehmenden etwas über Politik, Gesellschaft und deutsche Geschichte. „Leben in Deutschland“ ist der Test überschrieben, den sie dann absolvieren. Nach den beiden Prüfungen haben sie das „Zertifikat Integration“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erreicht.
Für Peter Lachmund, der seit vielen Jahren Integrationskurse an der vhs betreut, ist der 200. Integrationskurs Anlass, einmal zurückzuschauen: „Den Kurs Nr. 1 hat Frau Dr. Ulrike Lade-Messerschmied gegeben“, erklärt er. Ilona Schötz von der Verwaltung ergänzt nicht ohne Stolz: „Das war am 20. April 2005“. In den dreizehn Jahren haben ca. 3000 Teilnehmende aus der ganzen Welt die Kurse zur grundlegenden Alphabetisierung absolviert.
Die Grundförderung erfolgt in sechshundert Unterrichtsstunden, der anschließende Orientierungskurs umfasst einhundert Stunden. „Für manche ist es eine große Herausforderung, von Null an zu lernen“, ist sich das vhs-Team einig. Nach dreihundert Stunden wird ein Test „als Zwischenprüfung“ absolviert, mit Hausaufgaben und Vokabeln lernen festigen die Teilnehmenden ihre Kenntnisse.
Um sich später für eine Ausbildungsstelle oder Umschulung bewerben zu können, benötigen die Lernenden den Abschluss B1 des Europäischen Referenzrahmens. Auf diesem Niveau können sie sich schon unterhalten und sich über einfache Sachverhalte austauschen. Alltagssituationen, Bewerbungen oder Verwaltungsangelegenheiten für sich zu regeln, ist somit bereits möglich.
Für eine höhere Qualifikation benötigen die Zugewanderten den B2-Abschluss, der schon Fachsprache beinhaltet, und für ein Studium mindestens C1 des europäischen Referenzrahmens. Der Anspruch auf Sprach- und Integrationsförderung misst sich am Aufenthaltsstatus der Zugewanderten. „Jeder, der einen Aufenthaltstitel hat, kann die Förderung in Anspruch nehmen“, erklärt Peter Lachmund. EU-Bürger könnten einen Antrag stellen.
Selbst für Zugewanderte, die langfristig keine Bleibeperspektive haben oder deren Status noch unklar ist, sei es möglich, über länderbezogene Mittel des BAMF Integrations- und Sprachförderung zu erhalten.
Silke Czinczoll hat viele Jahre als Dozentin gearbeitet, seit 2015 ist sie ausschließlich mit der Organisation und Verwaltung der Integrationskurse befasst. „Das ist eine sehr gute Sache, denn mit den Landeskursen können Wartezeiten überbrückt werden, bis die Integrationskurse beginnen“, berichtet sie aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Mit diesen haben die Mitarbeiter der vhs Hannover Land gut zu tun, denn das Interesse ist groß.
Derzeit laufen in den fünf Kommunen Burgwedel, Garbsen, Neustadt, Wedemark und Wunstorf dreißig Integrationskurse parallel. Natürlich könne man immer noch mehr gebrauchen, sagt Verbandsgeschäftsführerin Martina Behne, doch insgesamt seien alle zufrieden: „Das ist eine gute Quote, die Bedarfe sind gut abgedeckt“.
Wer sich für einen Integrationskurs anmelden möchte, wird in der vhs zunächst ausführlich beraten und macht einen Einstufungstest. „Der Einstufungstest ist eine große Hilfe, um die Kenntnisse herauszufinden“, betont Meryem Semin, die als Dolmetscherin für Arabisch, Kurdisch und Türkisch in den Beratungsstunden der Geschäftsstellen tätig ist.
Auskünfte und Termine zu Beratungen und Einstufungen erteilen die jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäftsstellen, die auf der Webseite der vhs Hannover Land (www.vhs-hannover-land.de) aufgeführt sind. In Burgwedel ist die Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 0 51 39/9 70 39-21 oder per E-Mail über das Kontaktformular auf der Webseite erreichbar.