20 Lesementoren werden noch für Burgwedels Schulen gesucht

Pastor Andreas Seifert, Lesementorin Ximena Nickele und Sara, die in den vergangenen Monaten seit Schuljahresbeginn schon gewaltige Fortschritte beim Lesen gemacht hat. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Leselernhelfer benötigen dringend weitere freiwillige Helfer

BURGWEDEL (hhs). Sara ist neun Jahre alt und sie besucht die 3. Klasse der Maria-Sybilla-Merian-Grundschule in Fuhrberg. Sie ist ein nettes Mädchen, aufgeschlossen freundlich, aber sie hat ein Problem: Beim Lesen hinkt die Kleine hinter ihren Klassenkameraden her. Dabei kann sie lesen, nur nicht so gut und schnell wie viele andere in ihrer Altersgruppe. Das hat seinen Grund, denn Sara ist noch nicht lange in Deutschland. Ihre Eltern und sie sind aus Polen hierher gekommen. „Polnisch konnte ich damals sehr gut“, erinnerte sie sich im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. Aber mit dem Deutschlernen sei es schwierig gewesen. Weil sie es nicht konnte, hatte sie nur eine Freundin, die auch aus Polen stammt. Sie bringt damit sogleich die Ursache ihres Defizits auf den Punkt. Aber es ist mit dem Lesen schon sehr viel besser geworden. Seit Schuljahresbeginn wird Sara schließlich von Ximena Nickele, einer der vielen Lesementorinnen des Vereins „Mentor - die Leselernhelfer Hannover“ betreut.
Der Verein Mentor versteht sich als Initiative vieler Freiwilliger im Lande, inzwischen sind es schon mehr als 1.300, die sich der Förderung der Lese- und Sprachkompetenz von Kindern im Alter zwischen acht und 16 Jahren verschrieben haben. Die Lesementoren arbeiten mit aufgeschlossenen und förderbedürftigen Kindern aus allen Schultypen zusammen, der Schwerpunkt liege aber auf den Grund- und Hauptschulen, sagt Pastor Andreas Seifert, ehemals Vorstand der Pestalozzi-Stiftung in Großburgwedel und jetzt für den Bereich Burgwedel zuständiger Koordinator der Lesementoren. Am Mittwoch vergangener Woche hat er das Projekt am Beispiel der neunjährigen Sara vorgestellt. „Sprachliche Defizite haben absehbare ausgesprochen negativen Folgen für das gesamte spätere Leben eines Jugendlichen“, sagt er. „Berufliche Entwicklung, soziale Integration, keine Ausbildungsplätze und damit keine berufliche Qualifikation. Arbeitslosigkeit, allenfalls Gelegenheitsjobs sind die Folge und soziale Randexistenz und gesellschaftliche Ausgrenzung“, beschreibt Pastor Seifert die Folgen.
Die Arbeit der Lesementoren sei meistens von großen Erfolgen gekrönt, wie bei Sara, die eigentlich nur das Problem hat, dass sie beim Lesen mit ihren Augen weitaus schneller ist als mit der Aussprache: Wer ihr gegenüber sitzt und sie beim Lesen beobachtet, sieht es: Die Augen sind beinahe eine ganze Zeile im Voraus. „Das ist bei Sara weitgehend eine Frage der Praxis“, ist auch Mentorin Ximena Nickele überzeugt. Und: „Sara wird es schaffen“, fährt sie fort. „Sie will lesen und sie will es auch immer besser verstehen“.
Sara ist mit Sicherheit kein Einzelfall in der Stadt Burgwedel, sagt Pastor Seifert. Er möchte gern mehr tun für die leseschwachen Schülerinnen und Schüler an Burgwedels Schulen. „Wir brauchen bis Anfang Februar noch mindestens 20 Mentorinnen und Mentoren“, sagt er. Einige Schulen hätten sich nun wie die Grundschule in Fuhrberg, in der schon sechs Mentorinnen und Mentoren arbeiten, auch für die Unterstützung durch Mentoren entschlossen. „In Kleinburgwedel können weitere Lesementoren schon im Januar beginnen. Weitere können wir an der Grundschule Thönse, der Hauptschule Großburgwedel und an der Förderschule der Pestalozzi-Stiftung einsetzen“.
Der Zeitaufwand für Interessiert sei nicht groß: Das Lesetraining findet immer in Absprache mit und in der Schule statt, ein- oder zweimal wöchentlich. Gesucht werden Mitbürgerinnen und Mitbürger, die selbst gerne lesen und mit Kindern umgehen, die Spaß an sprachlicher Betätigung haben, gern erzählen und gut zuhören können. „Wer gern jungen Menschen helfen möchte, erfolgreich zu sein und weiterzukommen, und für diesen ein wenig Verantwortung zu übernehmen, ist bei uns genau richtig“, freut sich der Koordinator auf möglichst große Rückmeldung. Mehr zum Verein „Mentor-Die Leselernhelfer“ gibt es unter www.mentor@region-hannover.de oder aber bei Pastor Andreas Seifert unter anre.seifert@t-online.de. Telefonisch kann man sich auch unter 05139/896382 anmelden.