20 Jahre Umweltschule in Europa

Freundlich aber bestimmt bitten die Kinder das Müllmonster, seinen verstreuten Abfall wieder einzusammeln.
 
Lotta (7) besucht die zweite Klasse der Grundschule Wettmar. Sie webte beim Schulfest kunstvoll mit Naturmaterialien.

Grundschule Wettmar feiert ein buntes Fest mit Gästen: Seit 1999 bekam sie den Titel ohne Unterbrechung alle zwei Jahre verliehen

WETTMAR (bgp). Volles Haus in Wettmar: Mit einem bunten Schulfest feierte die Grundschule ihre Auszeichnung als europäische Umweltschule, die sie bisher seit 1999 ununterbrochen alle 2 Jahre verliehen bekam. „Den Titel ‘Umweltschule in Europa‘ muss man sich verdienen, nicht jede Schule kann sich einfach so nennen“, hob Schulleiterin Sandra Müller-Herzberg in ihrer Begrüßung hervor.
Die Richtlinien sind in einer Ausschreibung der internationalen Stiftung für Umwelterziehung (F.E.E. Foundation for Environmental Education) festgelegt. Weltweit sind etwa 20.000 Schulen in mehr als 40 Staaten an dem Projekt beteiligt. Für Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) Projektträger, acht Bundesländer sind beteiligt.

1990 seien bereits interne Umweltprojekte entstanden, in denen sich Lehrkräfte und Schulkinder Gedanken über Verbesserungen gemacht hätten, so die Schulleiterin. Im Sommer 1997 seien alle großen Bäume auf dem Schulgelände einem Sturm zum Opfer gefallen, sodass „der Schulhof ziemlich kahl aussah“, berichtete sie aus den Anfängen. Daraufhin sei im damaligen Kollegium der Gedanke gereift, sich um den Titel „Umweltschule in Europa“ zu bewerben. Für die naturnahe Schulhofgestaltung seien Projekte entstanden wie der Teich, ein Weidentipi, eine Trockenmauer oder eine Kräuterspirale bis hin zu Papiersammelbehältern und Mülltrennung, die in Zusammenarbeit mit Schülern, Lehrkräften und Eltern umgesetzt wurden. Zur Belohnung gab es die Auszeichnung mit einer Urkunde und einer Flagge, erstmalig im Jahr 2000 für das laufende Jahr und für 1999. Danach hätte es immer die begehrte Urkunde gegeben, in diesem Jahr sei wieder eine Flagge dabei gewesen, um die zerschlissene alte Fahne zu ersetzen, so die Schulleiterin.

Auch heute noch sei der Einsatz mit Herz und Hand unter allen Beteiligten sehr groß, lobte Müller-Herzberg. Für die drei Projekte am Tag des Schulfestes hatten sich jeweils 20 Eltern gemeldet. Mit Arbeitsgeräten, Spaten und Schaufeln hatten sie sich auf den Weg zur Jubiläumsfeier gemacht, um das Spielehäuschen zu streichen, ein neues Weidentipi zu errichten und eine Hecke zu pflanzen.

Doch bevor es an die Arbeit ging, erfreuten die Schulklassen ihre Festgäste mit kleinen Aufführungen in der Aula. Freundlich aber bestimmt bändigten die Nachwuchsschauspieler der zweiten Klassen das „Müllmonster“ auf der Bühne. Frecherweise hatte es seinen Abfall auf dem Boden verteilt und musste diesen wieder aufsammeln. Im Lied des „Schrott-Orchesters“ untermalten die Erstklässler ihre Darbietung mit rhythmischem Rascheln und Klopfen, das sie mit „Müll-Instrumenten“ aus Papier- und Plastik erzeugten.
Ortsbürgermeister Erwin Fette lobte, dass es der Schule gelungen sei, sich in Umweltbelangen immer weiter zu steigern, um alle zwei Jahre die Auszeichnung zu bekommen: „Zehn mal, das muss man erst mal schaffen.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Fredermann betonte die Vorreiterrolle von Umweltschulen. In seinem Wahlkreis gebe es davon nur drei, und die seien mit den Grundschulen Wettmar und Fuhrberg sowie der IGS alle in Burgwedel.

Nach dem offiziellen Teil wurde auf dem Schulhof kräftig gefeiert. Der Förderverein hatte zuvor ein Spielgerät spendiert, dessen Betonsockel allerdings noch trocknen musste. Am Festtag sorgte der Verein für Getränke, die Freiwillige Feuerwehr hatte Grillwürstchen für die Gäste im Angebot. Die Kinder vergnügten sich beim Basteln mit Naturmaterialien oder bauten Modelle von Nistgängen für Bienen. Ein Schulhof-Quiz stand ebenso auf dem Programm wie mit Pflanzenfarben malen und einfach nur Spielen.
Für die Zukunft hat sich die Wettmarer „Umweltschule in Europa“ schon neue Projekte vorgenommen. Die großen und kleinen Umweltschützer wünschen sich ein Ende von Wegwerfartikeln wie Einweggeschirr oder Kunststoffverpackungen: „Wir möchten plastikfreie Schule werden!“