20 Jahre Kiran Kinderhaus

Zwanzig Jahre Bildung und Obhut für benachteiligte Mädchen in Nepal sind ein Grund zum Feiern (v. r.): Klaus Busch, Inge Busch, Alexander Laube und Dr. Hendrik Hoppenstedt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Pobitra hat ihre Kindheit im Kiran Kinderhaus verbracht und nach dem Studium eine Tätigkeit in einer Hilfsorganisation aufgenommen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Jubiläumsfeier mit Gästen aus Nepal und Bundestagsabgeordneten

Von Bettina Garms-Polatschek

ALTWARMBÜCHEN. Einen wahren „Feiermarathon“ über drei Tage mit Benefiz-Basar veranstaltete der „Verein Kiran Kinderhaus in Nepal“ zum 20-jährigen Bestehen. Seit 1998 setzt sich das Gründerehepaar Busch mit einem Team aus Isernhagen und Katmandu für die Ausbildung und Betreuung von Mädchen aus ärmsten Verhältnissen in dem Land ein.
Hunderte Besucher tummelten sich am vergangenen Wochenende in der Aula der Grundschule Altwarmbüchen, wo Kunsthandwerk, Handarbeiten und leckere Spezialitäten von Ehrenamtlichen angepriesen wurden. Zwei junge Frauen aus dem Kinderhaus in Katmandu erfreuten die Gäste mit nepalischen Tänzen in farbenfrohen Tanzkleidern.
Michael Butzmann und Torsten Schneider, Präsident des Lions Club Isernhagen-Burgwedel, hatten den Erlös ihres Benefiz-Golfturniers als „Geburtstagsgeschenk“ im Gepäck. Sie überreichten einen Scheck über 1.500 Euro an Alexander Laube, den Vorsitzenden des Vereins Kiran Kinderhaus. Im Rahmenprogramm, das am Freitagabend mit einem Jubiläumskonzert des Chores „Cantamus“ in der Kirchhorster Kirche begann, standen auch die Besuche der Bundestagsabgeordneten Caren Marks (SPD) und Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU) auf der Agenda.
Die parlamentarische Staatssekretärin Marks lobte die gezielte Arbeit des Vereins: „Benachteiligten Mädchen in Nepal helfen Sie ganz konkret“. Dadurch verändere sich das Leben der Mädchen zum Besseren und der Verein trage dazu bei, die Strukturen zu verändern, die zu dieser Benachteiligung führten.
Staatsminister Hoppenstedt besuchte am Sonntag die Veranstaltung und dankte in seinem Grußwort den „Menschen aus Isernhagen und in Nepal“ für ihr großes Engagement. „Das ist alles andere als selbstverständlich“ lobte er die ehrenamtliche Arbeit zugunsten der kastenlosen Mädchen, die dadurch seit zwanzig Jahren im Kinderhaus Bildung, gutes Essen und eine Zuflucht erführen. Ihnen würden dadurch Chancen eröffnet, die sie so nicht hätten.
Inge Busch, die den Verein mit ihrem Ehemann Klaus vor zwanzig Jahren gegründet hatte, gab den Vorsitz im Jahr 2016 an Alexander Laube ab. Das Ehepaar selbst unternimmt noch regelmäßig Reisen nach Nepal zum Kiran Kinderhaus, um „nach dem Rechten zu sehen“.
Zurzeit sind 35 Mädchen in der Obhut des Kinderhauses, das 2013 durch ein Haus für volljährige Mädchen, die sich in Ausbildung befinden, erweitert werden konnte. Ein heimisches Ehepaar sorgt als Heimeltern für die Schützlinge. Altersgemäß angemessen lernen die Mädchen, Verantwortung zu übernehmen und Arbeiten selbständig auszuführen.
Sie besuchen eine Schule und lernen neben der Landessprache Nepali auch Englisch. Später haben sie die Möglichkeit, nach dem Schulabschluss eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Der Kontakt zum Kinderhaus bleibt auch nach der Ausbildung noch erhalten. „Wir waren schon zu einer Hochzeit eingeladen“, berichtet Klaus Busch lächelnd.
Die älteren Mädchen kümmern sich um die jüngeren Kinder und fühlen sich für sie verantwortlich. Die meisten der Mädchen, die das Haus bereits verlassen haben, arbeiten selbst in sozialen Berufen wie Krankenschwester oder Lehrerin und geben etwas von der Philosophie des Kinderhauses weiter. Inge Busch ist immer wieder fasziniert von den Fähigkeiten, welche die Kinder im Laufe der Jahre entwickeln.
Sie stammen aus ärmsten Verhältnissen und mussten schon als kleine Kinder sehr hart arbeiten. Diese kastenlosen Mädchen seien unter den Ärmsten am meisten benachteiligt und hätten kaum eine Chance, ein würdiges Leben zu führen, so Busch. Durch Bildung und Zuwendung können sie dem Kreislauf der Armut entkommen.
Mahima ist eine von ihnen. Die mittlerweile verheiratete Mutter eines Sohnes arbeitet als Direktorin einer Sekundarschule. Ihr Vater war ein vagabundierender Alkoholiker und die Großeltern kümmerten sich nur widerwillig um das unerwünschte Mädchen. So kam sie schließlich in das Kiran Kinderhaus, wo sie sich prächtig entwickelte.
Im Jubiläumsheft des Vereins schrieb sie: „Im Kinderhaus hat sich für mich alles verändert. Ich bin die einzige in meiner Familie, die eine gute Schul- und Ausbildung hat. Jetzt kann ich viel von der Liebe, die ich selbst empfangen habe, weitergeben.“