15 Heidschnucken getötet

Schafhalter Friedhelm Stein vor dem Unterstand, in dem die verletzten Schafe untergebracht wurden. Zwei davon mussten noch eingeschläfert werden. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Spuren deuten auf einen Wolfsrisss hin/DNA-Analyse soll Klarheit schaffen

Von Bettina Garms-Polatschek

ENGENSEN/SCHILLERSLAGE. Schafhalter Friedhelm Stein bot sich am Donnerstagmittag ein schockierender Anblick, als er an seiner Waldwiese zwischen Engensen und Schillerslage eintraf. 13 seiner 50 Schafe lagen tot auf der Weide, einige von ihnen auf dem Rücken, die Beine in die Höhe gestreckt.
Gegen Mittag hatte ihn eine Jägerin informiert, dass sie an der Weide vorbei gekommen sei und die toten Schafe entdeckt habe. Stein unterrichtete den zuständigen Wolfsberater Thomas Behling vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) von dem Vorfall und seiner Vermutung, dass ein Wolf die Schafe in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag getötet habe.
Während den meisten getöteten Heidschnucken durch ihre dicke Wolle die Verletzungen nicht gleich anzusehen sind, weist ein getötetes Muttertier massive Rissspuren auf. Im Rückenbereich sind große Teile herausgebissen, auch am Bauch und Hals sind die Spuren deutlich zu sehen.
Raoul Reding, Wolfsberater der Landesjägerschaft Niedersachsen, kam im Auftrag von Thomas Behling zur Weide.
Nina Graupner, unterwegs als ehrenamtliche Wolfsberaterin im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), sicherte gemeinsam mit ihm die Spuren und entnahm DNA-Proben, mit der die Risse dokumentiert und zugeordnet werden sollen. „Angesichts des Wetters muss schnell gehandelt werden“, erklärt Graupner und blickt auf die dicken Regenwolken, die am Himmel aufgezogen sind. Die Nässe könne die Spuren rasch zerstören. Sie drückt Friedhelm Stein eine Tüte mit den DNA-Proben in die Hand, die er an den Tierarzt Heiner Schumann vom NLWKN-Wolfsbüro weitergeben solle. Dieser habe nicht so kurzfristig kommen können, sei aber schon in Richtung Engensen unterwegs, sagt sie und verabschiedet sich.
Friedhelm Stein ist seit vielen Jahren Schafhalter, die ehemals 150 Tiere umfassende Herde hatte er nach der Schließung seiner Gastwirtschaft „Alter Posthof“ auf 50 Schafe reduziert. Entmutigt schaut er auf die Weide mit den toten Tieren. Die übrigen Schafe hat er mit Hilfe seiner Familie und Thorsten Brunkhorst vom Schafzuchtverband eingefangen und in seinem überdachten Gatter untergebracht.
Vier tragende Muttertiere sind verletzt, eines davon röchelt hörbar. „Dieses Tier wurde wahrscheinlich in die Kehle gebissen“, vermutet Stein. Es sei fraglich, was mit den verletzten Tieren geschehen werde. Ob er eine Entschädigung erhalte, wisse er nicht, aber darauf komme es ihm auch nicht an. „Man ist hilflos, es gibt kein Rezept. Sie können sich nicht so schützen“, erklärt er sichtlich bewegt.
Als Wolfsberater Heiner Schumann am späten Nachmittag eintraf und mit einer Kollegin die Weide begutachtete, sei er auf Haarspuren am Zaun gestoßen. An der Stelle seien vermutlich ein oder mehrere Tiere eingedrungen, berichtete der Schafhalter am Freitagmorgen und zog Bilanz: „13 Schafe lagen tot auf der Weide, zwei 14 Tage alte Lämmer sind verschwunden und vermutlich gefressen, zwei schwer verletzte Tiere mussten noch eingeschläfert werden und vier Schafe haben trotz ihrer Verletzungen überlebt.“ Diese seien von der Tierärztin mit Schmerzmitteln und Antibiotika behandelt worden und hätten die Nacht zunächst gut überstanden. Die toten Tiere seien noch am gleichen Tag vom Abdecker an der Waldwiese abgeholt worden, so Stein.