„100 Jahre erfordern sehr viel Engagement!“

Ortsbürgermeisterin Dr. Renate Vogelgesang gratuliert Ortsbrandmeisterin Sandra Berkelmann. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Geehrt (v. r.) wurden Reinhard Berkelmann (60 Jahre), Hartmut Kiesewetter (40 Jahre) und Rüdiger Block (40 Jahre). (Foto: Svenja Steinseifer)

Ortswehr Stelle blickt auf 100 Jahre Feuerwehrgeschichte zurück

KIRCHHORST-STELLE (svs). 99 Jahre und 364 Tage war sie am vergangenen Sonntag alt – denn der offizielle Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Stelle war der 4. Juni 1912. Am 7. September 1912 folgte die erste Versammlung. Zu spätes Erscheinen bei den Übungen kostete damals 20, unentschuldigtes Fehlen bei Versammlungen 50 Pfennige.
50 Pfennige, das konnte auf dem Land schon ein Stundenlohn sein. Damals wie heute verlangt Feuerwehr aber vor allem eins: jede Menge Engagement. Am 7. September 1912 erfolgte die Konstitution der Steller Wehr mit 30 Steller Männern. „Seitdem haben wir gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Ortsbrandmeisterin Sandra Berkelmann auf der Jubiläumsversammlung am Sonntag.
„Die Kameradschaft“, das ist es, was Erich Oehlmann spontan zu seiner 64-jährigen Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr einfällt. Er zählt damit zu den dienstältesten Mitglieder der Ortswehr Stelle. Gleich nach dem Krieg sei er eingetreten. „Ich bin immer gern in der Feuerwehr gewesen, man musste doch irgendetwas tun nach dem Kriege“, sagt Oehlmann. Dinge, an die sich auch Erich Oehlmann gut erinnern kann. „Wir haben im Dorf gesammelt, für eine Motorspritze“, erzählt er, „es war toll, wie sich alle bemüht haben – 600 DM haben wir zusammenbekommen.“ Am 18. Mai 1951 endete der „Dienst“ der Handdruckspritze – 40 Jahre war sie damit im Einsatz.
„100 Jahre erfordern viel Engagement“, weiß Gemeindebrandmeister Wolfgang Schneider, „denn unsere eigene aktive Dienstzeit geht nur von 16 bis 62, dann muss der Nächste bereitstehen!“ Seit dem 1. Oktober 2011 stehen Sandra Berkelmann als Ortsbrandmeisterin und Kathrin Schuldt als Stellvertreterin bereit.
„Wäre Alice Schwarzer heute hier, hätte sie, glaub' ich, Freudentränen in den Augen“, vermutet Wolfgang Schneider, „eine landesweite weibliche Doppelspitze – das ist wahrscheinlich ein Novum.“ Denn nach erfolgreich absolvierten Lehrgängen an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz Celle stehen Sandra Berkelmann und Kathrin Schuldt nicht länger „komissarisch“ als Ortsbrandmeisterin und Vertreterin im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Stelle.
Beeindruckt von zwei Dingen zeigte sich beim Lesen der Chronik Ortsbürgermeisterin Dr. Renate Vogelgesang: „Finanzielle Engpässe und das hohe Maß an Bedeutung für das gesellschaftliche Leben“. Bemerkenswert fände sie auch die langen Dienstzeiten von bis zu 22 Jahren aller ehemaligen neun Ortsbrandmeister, fuhr Dr. Renate Vogelgesang fort, „ebenso die Gründung der Jugendfeuerwehr, die wichtige Werte vermittelt.“ Am 27. November 1972 wurde die gemeinsame Jugendwehr für Kirchhorst und Stelle gegründet. Drei Jahre später folgte im August ein Großeinsatz: Bei Waldbränden im Bereich Engensen-Lahberg kämpfte die Steller Wehr 271 Stunden gegen die Flammen, erinnerte sie an die Geschichte der vergangenen Jahre. Große Waldbrände in der Lüneburger Heide kosteten fünf Feuerwehrkameraden das Leben. Höhen und Tiefen in 100 Jahren ehrenamtlichem Engagement.
Geehrt für ihr persönliches Engagement wurden: Für 40 Jahre Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr Detlef Sieroux und Willi Bohn. Ehrungen für 60 Jahre Mitgliedschaft erhielten Hans-Georg Bretzke, Ludwig Henke und Reinhard Berkelmann. Das Niedersächsische Ehrenzeichen erhielten Rüdiger Block und Hartmut Kiesewetter.
„Ich habe die Kasse geführt“, sagt Erich Oehlmann, „von 1948 bis 1984“. Er ist mit am längsten dabei. Und sowohl für ihn als auch für Sandra Berkelmann zählt vor allem eins – die Kameradschaft. „Wir machen unseren Dienst gern“, bringt es Gemeindebrandmeister Wolfgang Schneider auf den Punkt.
Die große Jubiläumsfeier findet am Samstag, 23. Juni, ab 11.00 Uhr rund um das Feuerwehrhaus in Stelle, Moorstraße 8a, statt.