Thönse entwickelt sich weiter zur Hochburg der Narretei

Strammen Schrittes marschiert Heinz-Theo Rockahr, am Montag Pastor, sonst Ortsbürgermeister, vorneweg gefolgt von einer bunten Schar toll verkleideter Schülerinnen und Schüler.
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  • Strammen Schrittes marschiert Heinz-Theo Rockahr, am Montag Pastor, sonst Ortsbürgermeister, vorneweg gefolgt von einer bunten Schar toll verkleideter Schülerinnen und Schüler.
  • Foto: Hans Hermann Schröder
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THÖNSE (hhs). Die Burgwedeler gelten allenthalben als gesetzt und etwas zurückhaltend, ruhig und bedacht im Wesen, um Kontinuität bemüht, vorsichtig im Umgang mit Neuerungen aber dennoch aufgeschlossen. Vorschnelle Entscheidungen sind nicht ihr Ding, sie sind humorvoll und fröhlich lebensbejahend. Aber Fasching oder Karneval? Das schien bisher nicht ihr Ding. Derartige Feiern wurden bisher meistens vereinsintern begangen, gewissermaßen in Form von „geschlossenen Gesellschaften“, allenfalls betrachtete man hier die närrische Hoch-Zeit aus der Distanz am Fernsehgerät. Ohne Verkleidung und Pappnase, versteht sich. Doch dieses Haltung zu südwestdeutschen Frohsinn verändert sich. Das Kollegium und die Schülerschaft der Sonnenblumenschule in Thönse will zunächst dafür sorgen, dass diese Ortschaft zur Hochburg der Burgwedeler Narren entwickelt.
Schon im vergangenen Jahr begannen diese Vorarbeiten zur Änderung der hier gängigen Grundeinstellung. Man erinnere sich: Damals lag am Rosenmontag noch Schnee, es war windig, kalt und leise rieselte der Schnee... . An diesem Montag war es war zwar auch kalt, aber die Sonne schien aus allen Fugen, kaum Wind gegen 9.30 Uhr, als der Rosenmontagsumzug beginnen sollte. Die Jungen und Mädchen bevölkerten schon ihren Schulhof, natürlich alle kostümiert, es war eine ausgesprochen bunte Gesellschaft, die sich dort zusammengefunden hatte, um für die weitere Verbreitung des Karnevalsgedanken zu sorgen. Schließlich fuhr ein Polizeifahrzeug vor, das die Kolonne der frohsinnigen Kinder und Erwachsenen vor dem fließenden Verkehr von hinten absichern sollte. Auch die Beamtin hatte etwas Farbe im Gesicht angelegt. Und nun war es soweit: Heinz-Theo Rockahr, der Ortsbürgermeister, begab sich an die Spitze und marschierte von der Grundschule zunächst zur Ortsmitte. Er hatte sich entsprechend dem Anlass auch kostümiert, als Pastor mit Bibel oder Gesangbuch unter dem Arm. Hinten am Ende der Kolonne waren noch ein paar Lehrerinnen damit beschäftigt, die Umzugswagen, alles liebevoll gestaltete Bollerwagen, in die kostümierte Rasselbande einzuordnen. Auch ein Pony, dass von einer ganz jungen Amazone geritten wurde, musste noch ein wenig beruhigt werden.
Dann ging es richtig los: Am Betrachter vorbei zogen Zauberer, Elfen, Feen, Indianer, Cowboys, alle möglichen Varianten an Kostümen, die die Harry-Potter-Verfilmungen bieten, Piraten, Rennfahrer, mehrmals das Phantom der Oper und Figuren aus dem Dauerbrenner Star Treck. Sehr viele phantasievoll gestaltete Masken waren zu bestaunen, die die kleinen Mädchen und Jungen in Gruselgestalten verwandelten oder sogar zu exotisch aztekisch wirkenden Göttern.
Vor der Schule hatte sich dem Anlass angemessen eine ganze Horde emsiger Fotografen eingefunden, die den Start des Umzuges mit einem Blitzlichtgewitter begrüßten. So knappe hundert Mütter, Väter, Opas und Omas mögen es wohl gewesen sein. Und auch am Straßenrand lobten viele Thönser die Phantasie, die der örtliche Nachwuchs mit seiner Kostümierung bewiesen hatte. Während des Marsches beschenkten die Kinder ihre Zuschauer mit schön verpackten Popcorn. Weiter hinten in der Umzugskolonne zogen die Schülerinnen und Schüler einen Bollerwagen mit Kamelle, die sie eifrig in die ihnen zu jubelnde Menge warfen. Der allgemeine Spaßfaktor hatte seinen Höhepunkt erreicht.
Vor dem Alten- und Pflegeheim „Am Kiefernpfad“ wurde ein Stopp eingelegt. Ein Gettoblaster eingeschaltet und dazu erklangen aus vielen Kinderkehlen die altersgerechten Karneval Songs. Nach ein paar Minuten ging es wieder zurück zur Sonnenblumenschule, mit der gleichen Fröhlichkeit und dem Übermut, mit dem die Kinder dort gestartet waren. Thönse ist auf dem besten Wege, zumindest aus Sicht der Kinder eine Karnevalshochburg zu werden.

Strammen Schrittes marschiert Heinz-Theo Rockahr, am Montag Pastor, sonst Ortsbürgermeister, vorneweg gefolgt von einer bunten Schar toll verkleideter Schülerinnen und Schüler.
Auch eine etwa neunjährige Oma mit Rollator fand sich unter den Kostümierten, die junge Dame war sichtlich gut aufgelegt.
Autor:

Birgit Schröder aus Burgwedel

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