Schnelle Hilfe in Burgwedel

Sie arbeiten für den Verein "WEISSER RING" im Team der Außenstelle Hannover Land (v. l.): Manfred Henze, Marina Wilde und Edelgard Hoffmeister-Schilling.

„WEISSER RING“ kümmert sich um Opfer von Kriminalität – Ehrenamtliche in Burgwedel und Isernhagen

BURGWEDEL (bgp). Der Verein „WEISSER RING“ kümmert sich bundesweit um Menschen, die Opfer von Kriminalität wie Gewalt, Einbruch oder Betrug geworden sind. Wenn sich Betroffene an den gemeinnützigen Verein wenden, leisten ehrenamtliche Betreuer nach den oft traumatischen Erfahrungen menschlichen Beistand mit Gesprächen und der Koordination weiterer Hilfen. So begleiten sie die Personen auf Wunsch zu Terminen bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder vor Gericht. Mit einem Hilfecheck für eine juristische oder psychotraumatische Erstbehandlung sowie für eine rechtsmedizinische Untersuchung leisten sie Unterstützung, um den Opfern einen schnellen und kostenfreien Zugang zu entsprechenden Experten zu ermöglichen. Der Weisse Ring leistet zusätzlich Präventionsarbeit, damit Menschen erst gar nicht Opfer einer Straftat werden. In Vorträgen, Broschüren und auf der Webseite gibt es viele Tipps zum Erkennen und Vereiteln einer Straftat.

Nun hat das Betreuungsteam des Vereins im Bereich Hannover Land Verstärkung bekommen. Die Burgwedlerin Marina Wilde absolviert zurzeit die Ausbildung als ehrenamtliche Opferbetreuerin. Zum Lehrprogramm gehören neben den Qualifizierungsmaßnahmen auch drei Hospitationen, die mit erfahrenen Teammitgliedern absolviert werden. Wilde begleitet die Betreuerin Edelgard Hoffmeister-Schilling bei den Gesprächen mit den Opfern. Die pensionierte Lehrerin ist seit mehreren Jahren für den Weissen Ring tätig und betreut vornehmlich das Gebiet Isernhagen, im Notfall auch darüber hinaus.

„Manchmal möchten die Opfer nur von einer Frau betreut werden“, weiß Manfred Henze, Leiter der Außenstelle Hannover Land, zu berichten. Das sei gerade bei Gewalterfahrungen häufig der Fall, sagt er. „Dann springen die Betreuerinnen auch in Gebieten ein, die weiter von ihrem Wohnort entfernt sind und wo keine Frau vor Ort ist.“ Der ehemalige Polizeibeamte ist selbst Betreuer und koordiniert außerdem die Anfragen der Opfer in seinem Gebiet. Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der weitläufigen Region Hannover unterwegs, für die Stadt Hannover gibt es ein gesondertes Team. Sie arbeiten unentgeltlich für den Weissen Ring und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. „Im vergangenen Jahr haben wir in unserem Gebiet rund 500 Anrufe bekommen, aus denen 100 Betreuungsfälle wurden“, sagt Henze.

Edelgard Hoffmeister-Schilling berichtet aus ihrer Arbeit, wenn sie ein Notfall erreicht: „Am Anfang steht ein persönliches Gespräch.“ In der Regel werden die Opfer in ihrer Wohnung von der Betreuungsperson besucht. Ist das nicht möglich, kann der Termin nach Absprache auch an einem anderen Ort stattfinden. Die Betroffenen haben die Möglichkeit, über ihre Erlebnisse zu berichten. „Manche können wegen ihrer traumatischen Erfahrungen auch gar nicht darüber sprechen“, sagt die Betreuerin. Dabei sei eine behutsame Vorgehensweise nötig: „Wir sind keine Psychologen und können lediglich begleiten, um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.“ Für die meisten sei es jedoch ein großer Trost, wenn sie erzählen könnten, was ihnen widerfahren sei, sind sich die drei Betreuer einig.
Manfred Henze berichtete von einer hochbetagten Seniorin, die einen Tag nach ihrem Geburtstag feststellen musste, dass Einbrecher Schmuck und 4.500 Euro Bargeld entwendet hatten. Die Frau sei daraufhin traumatisiert gewesen und habe weder die Wohnung verlassen, noch mit jemandem gesprochen. Ein Arzt habe dem Sohn geraten, sich an den Weissen Ring zu wenden. „Eine Betreuungsperson ist zunächst mit einem Blumenstrauß zu ihr gegangen. So hat das Opfer mit dem Erzählen angefangen und das Erlebnis in der darauffolgenden Zeit schrittweise verarbeitet.“ Der Sohn habe sich später dafür bedankt, dass seine Mutter durch die Begleitung „wieder ins Leben zurückgefunden hat“, so Henze.

Kriminalitätsopfer können das Opfertelefon bundesweit, kostenfrei und anonym sieben Tage die Woche von 7 bis 22 Uhr unter der Nummer 116 006 erreichen. Die Außenstelle Hannover Land ist unter der Nummer 01 51/55 16 47 72 oder per E-Mail unter henze.weisser-ring@gmx.de erreichbar. Auf der Webseite www.weisser-ring.de gibt es weitere Informationen und die Möglichkeit der Onlineberatung.