Geschichte zum Anfassen

Dieter Brockmann (v. l.) und Volker Meyer vom Museumsverein Börry zeigen den Besucherinnen, wie man Malzkaffee herstellt.
 
Leckeres Stockbrot backten sich die Kinder über der Glut in einer Zinkwanne.

Wöhler-Dusche-Hof und Bockwindmühle sind Anziehungspunkte zum "Tag des offenen Denkmals"

ISERNHAGEN NB/WETTMAR (bgp). Viele Gäste nutzten den niedersächsischen „Tag des offenen Denkmals“ zum Besuch des Wöhler-Dusche-Hofes in Isernhagen NB oder machten einen Abstecher zur Bockwindmühle vor den Toren Wettmars.

Jung und Alt strömten auf den Wöhler-Dusche-Hof, der auch als offizielles Tourenziel im Programm des Regions-Entdeckertages am Sonntag stand. Vor dem Backhaus saßen Kinder mit ihren Eltern rund um eine Zinkwanne, in der Holzkohle glühte. Geduldig drehten sie ihren Stock mit Brötchenteig über der Glut, bis das leckere Gebäck fertig war und genüsslich verspeist werden konnte.
Aus der Backhaustür zogen herrliche Düfte über die grüne Wiese. Die Hofbäcker Klaus Ahrens und Dieter Brackmann schoben emsig Brote in den Backofen, der schon am Vortag das erste Mal angeheizt wurde. Seit vielen Jahren sind sie auf dem Wöhler-Dusche-Hof engagiert und freuen sich über Verstärkung durch „Azubi“ Sari Saleh. Der junge Geschichtslehrer ist Ende letzten Jahres aus Berlin in ein Haus gegenüber dem Museumshof eingezogen. „Ich hatte einfach Lust dazu und es interessiert mich sehr“, erklärt Saleh lachend. 150 Brote und 20 Bleche Kuchen backen die drei Männer am „Tag des offenen Denkmals“. Schon bald ist die Schlange vor dem Tresen bis nach draußen, da die leckeren Backwaren reißenden Absatz bei den Besuchern finden.

Auf der Wiese hinter dem großen Bauernhaus stehen Dieter Brockmann und Volker Meyer vom Museumsverein Börry. Der kleine Ort gehört zur Gemeinde Emmerthal im Landkreis Hameln-Pyrmont. Dort gibt es das vom Verein betreute Museum für Landtechnik und Landarbeit. Auf einer überregionalen Veranstaltung lernten die beiden Vorstandsmitglieder die Isernhagener Vertreter des Wöhler-Dusche-Hofes kennen. „Nun sind wir hier mit einem Stand dabei, demnächst bekommen wir dann Besuch aus Isernhagen“, erklärt Brockmann. Seit 40 Jahren gebe es den Museumsverein Börry, vor 30 Jahren sei dann das Museum gegründet worden.
Waldpädagogin Claudia Mithöfer hat einen Stand mit Materialien wie Nadelbaumzapfen, Bucheckern und vielen anderen Dingen, die in der Natur zu finden sind. Die fünfjährige Greta und Anouk (4) basteln ihre „Zapfenmonster“, die sie mit Salzteig zusammenkleben. „Das ist unbedenklich und wenn die Kinder mal etwas in den Mund stecken, passiert auch nichts“, erläutert Mithöfer den lebensmittelechten „Klebstoff“.

Auf dem Gelände der Bockwindmühle, die auf einer Anhöhe zwischen den Orten des Kirchspiels Engensen Thönse Wettmar steht, herrscht auch viel Betrieb. Die Besucher möchten vor allem einen Blick in das Innere der Mühle werfen. Begleitet werden sie von den ausgebildeten Müllern des Heimatvereins, die das gute alte Stück in- und auswendig kennen. 1585 wurde die Mühle erstmals urkundlich erwähnt, sie stand auf dem Nordberg in Wettmar und wurde bis 1940 gewerblich genutzt. Danach wurde sie als Jagdhütte und später als Wochenendhaus genutzt, 2010 wurde sie abgebaut und in ihrer ursprünglichen Form als mahlfähige Windmühle wieder aufgestellt.

Mahlmüller Dieter Rosin führt den Gästen anschaulich vor, welche Geräusche beim Betrieb der Mühle entstehen. Daher komme auch das Lied „Es klappert die Mühle“, erklärt Rosin. „Die Müller hatten das Recht, auch am Sonntag zu mahlen, nur zur Kirchzeit durften sie das nicht“, sagt er lächelnd. Die Geräusche hätten sonst den Gottesdienst gestört. Auf dem Rundgang erläutert er den Besuchern, wie der Weg vom Korn zum Mehl durch die Mühle läuft, zeigt wie und wo Seile, Räder und Wellen funktionieren.

Neben Fragen zu Technik und Mehlproduktion möchten die Eheleute Ursel und Henning Pauck auch etwas über den Nachwuchs wissen. „Darüber müssen wir uns keine Sorgen machen, wir haben insgesamt 200 Mitglieder im Heimatverein, das ist viel“, erklärt Rosin. Die Mühle sei natürlich ein besonderer Anziehungspunkt. Bei acht bis zehn interessierten Personen werde ein Müller-Kurs zusammengestellt,  drei bis vier Personen stünden danach normalerweise als Ehrenamtliche zur Verfügung.