Ausflugsziele in der Region – behindertengerecht

Mit der Broschüre in der Hand v.l.: Petra Thiemann, Elke Maßmann, und der Autor Hans-Christoph Brehmer. (Foto: Renate Tiffe)

Neue Broschüre über Freizeitmöglichkeiten rund um Hannover

REGION (ti). Unter den rund 1,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der Region Hannover leben 106.000 Menschen mit Behinderungen, gesundheitlichen Einschränkungen von Geburt an oder bedingt durch Unfälle und Krankheiten. Um ihnen das Leben ein wenig zu erleichtern, um sie an den vielfältigen Freizeitangeboten rund um Hannover teilhaben zu lassen, hat die Region jetzt eine Broschüre über barrierefreie Ausflugsziele herausgegeben.
Sie haben Besuch und möchten gern eine von den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung zeigen, beispielsweise einen Ausflug zur Marienburg machen? Kein Problem! Es sei denn ein Familienmitglied oder einer der Gäste ist gehbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. Da wird die Sache kompliziert, weil viele Fragen vorher zu klären sind. Wie ist dort hinzukommen? Stehen Behindertenparkplätze zur Verfügung? Ist der Eingang behindertengerecht? Ist ein Behinderten-WC in der Nähe? Selbst bei größtem Entgegenkommen ist bei einem Bauwerk dieser Art nicht alles erreichbar, weiß Elke Maßmann aus Erfahrung. Und so kam es vor einiger Zeit, dass sie mit ihrem Rollstuhl im Restaurant einen Kaffee getrunken hat, während der Besuch zur Schlossführung aufbrach: „Ihr könnt mir ja nachher erzählen, wie es war“.
Damit dies immer weniger so sein muss, ist für sie die neue Broschüre von unschätzbarem Wert. „Wir sind eine Generation, die nicht mehr zu Hause bleiben will“, sagt die Behindertenbeauftragte aus Pattensen. Unterwegs zu sein erweitere den Horizont. Zu denken sei auch an die immer größer werdende Zahl älterer Menschen. Begeistert zeigte sich auch Petra Thiemann vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter. Wie schwer es ist, mit dem Rollstuhl umzugehen, sehe man erst, wenn man selbst betroffen ist, meint sie. Selbst zwei Stufen können zum unüberwindbaren Hindernis werden. Nicht alle wollen sich helfen lassen. Die Möglichkeit zu mehr Freizeitaktivitäten sensibilisiere auch die Öffentlichkeit mehr für die Behinderungen.
Zu verdanken ist die hilfreiche, 94-Seiten-starke Zusammenstellung einer mehr als zwei Jahre dauernden Vorarbeit des Behinderten-Beauftragten der Region, Hans-Christoph Brehmer. Seine Stelle war gleich nach Inkrafttreten des Niedersächsischen Gleichstellungsgesetzes geschaffen worden. Für ihn bedeute Gleichstellung uneingeschränkte Teilhabe und selbstbestimmte Lebensführung für alle, betonte er. Freizeitaktivitäten gehörten dazu. Und so habe er sich an die Arbeit gemacht, 1070 Fragebogen verschickt an Orte mit Sehenswürdigkeiten, mit Hotels und einem gastronomischen Angebot. Etwas enttäuschend muss die Resonanz gewesen sein. Nur etwa 108 Adressen seien zur Auswertung zurückgekommen. Gegliedert in die Bereiche Steinhuder Meer, Deisterregion, Burgdorfer Land, Städte und Gemeinden ist alles Wissenswerte unter den besonderen Aspekten aufgeführt, inklusive Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Was die Anzahl der Orte betrifft gibt es aber noch „Optimierungsbedarf“.
Ohnehin soll die vorliegende Broschüre keine abgeschlossene Sache sein. Mit der zweiten Auflage werde nächstes Jahr begonnen, so Brehmer. Die derzeitige Fassung gebe es unter www.hannover.de, Stichwort Barrierefreie Ausflugsziele auch als PDF-Version zum Herunterladen im Internet. Die Informationen sollen alle zwei bis drei Monate aktualisiert werden. Anregungen dazu nimmt der Regionsbeauftragte gern entgegen (Tel.: 0511/ 61 62 50). Alle Rückmeldungen werden dokumentiert.
Mit der Broschüre „Barrierefreie Ausflugsziele“ hat die Region das nachgeholt, was es in der Stadt Hannover schon gibt. Allerdings ist es „in der Fläche“ wesentlich mühseliger, die Informationen zusammen zu bekommen.