TSV stellt sich in der Hansestadt vor

Ein Vorbild an Einsatz und Teamgeist: Kapitän Andrius Stelmokas lässt im Hinspiel gegen HSV Hamburg Krzysztof Lijewski einfach stehen. (Foto: Holger Staab)

Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf ist in Hamburg krasser Außenseiter

BURGDORF (hs). Was kann die TSV Hannover-Burgdorf in der Hansestadt Hamburg erreichen? Könnte das Team um Trainer Frank Carstens sogar die Deutsche Meisterschaft mit entscheiden? In jedem Fall freuen sich die Spieler der TSV am vorletzten Spieltag der TOYOTA-Handballbundesligasaison auf Freitag, den 28. Mai. Ab 20.15 Uhr werden sie in der O2-World Arena in Hamburg antreten und treffen dort auf den HSV Hamburg.
Frank Habbe, Aivis Jurdsz und Co treffen auf eine mit Weltklassespielern nur so strotzende Mannschaft, die in dieser Serie unbedingt den großen Wurf erreichen möchte und die Deutsche Meisterschaft sichern will. Dazu braucht der HSV unbedingt einen Sieg und wird gegen den Aufsteiger aus Hannover dementsprechend Vollgas geben. Damit sind die Rollen klar verteilt. Zwar können die TSVer dem Topfavoriten mit engagiertem Spiel entgegentreten und wollen lange mithalten, aber sie sind krasse Außenseiter.
Wenn sich die Handballfans den Kader des HSV Hamburg anschauen, dann können nur die Augen leuchten. Mit einem großen Etat hat der HSV ein absolutes Spitzenteam geformt und Trainer Martin Schwalb kann auf jeder Position auf mindestens zwei starke Akteure zurückgreifen. Feldspieler wie Pascal Hens, Marcin und Krzysztof Lijewski, Torsten Jansen, Bertrand und Guillaume Gille, Hans Lindberg, Blazenko Lackovic und Igor Vori könnten einem Team das Fürchten lehren. Es handelt sich durchweg um Nationalspieler aus den Ländern Frankreich, Polen, Dänemark, Kroatien oder Deutschland. Dazu kommen die beiden Weltklassekeeper Johannes Bitter und der schwedische Nationaltorwart Per Sandström.
Das Final-Four der Champions-League verpassten die Hamburger nur knapp, sicherten sich aber den DHB-Pokaltitel mit einem 34:33-Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen. Einen Titel haben sie also schon in der Tasche und vielleicht ist auch die Deutsche Meisterschaft realisierbar. Die TSV Hannover-Burgdorf könnte dem im Weg stehen, aber wie soll ein Team mit einem Mini-Etat gegen eine Weltklassemannschaft antreten.
Im Heimspiel gegen HSV Hamburg hat Hannover-Burgdorf dazu bereits eine Antwort parat gehabt. Mit engagiertem Spiel und ohne Angst vor großen Namen hielt das Carstens-Team die 25:31-Niederlage in Grenzen, auch wenn der HSV nach der klaren 27:19-Führung in der 52. Minute einen Gang runterschaltete. Dennoch ist am Freitag viel Einsatz gefragt und die TSV-Spieler wollen sich nicht überrollen lassen. Für sie geht es nicht mehr um den Klassenerhalt, der ist bereits gesichert, aber sie wollen in Hamburg und zum Saisonabschluss gegen die SG Flensburg-Handewitt noch Spaß haben und sich in der Bundesliga für die 2. Serie empfehlen.
Dementsprechend wird Carstens sein Team auch einstellen. Dabei muss er die Defensive auch vor dem schnellen Rechtsaußen Hans Lindberg warnen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit Torschützenkönig in dieser Saison werden wird. Aber auch aus der Fernwurfzone droht Gefahr, denn Krzysztof Lijewski oder Pascal Hens können den Ball aus zehn bis zwölf Metern im Tor versenken. Oder sie reißen Lücken in die Abwehr, die dann Kreisläufer Igor Vori zu Räumen verhelfen. Hat Vori erst den Ball durch die geschickten Anspiele von Hens oder Bertrand Gille erhalten, zappelt er auch schon im Netz. Können die Burgdorfer hier ihre Abwehrstärken ausspielen, sollten zumindest einige Angriffe der Hamburger in der Deckung oder bei Torwart Jendrik Meyer hängen bleiben.
In der Offensive dürfte die Taktik der TSV klar sein. Die Angriffe sollten lange ausgespielt und die Chancen gut vorbereitet werden. Fehlwürfe und Abspielfehler führen unweigerlich zu schnellen Gegenstößen der Gastgeber und somit oft zu leichten Gegentoren. Die TSV hat alle Zeit, um sich die Defensive der Hamburger zurechtzustellen und dann im geeigneten Moment die Torwürfe anzusetzen. Das ist zwar leichter gesagt, als getan, aber Piotr Przybecki und seine Mitspieler haben bei den Rhein-Neckar Löwen (26:27) oder beim VfL Gummersbach (27:28) bereits starke Auswärtsleistungen gegen Topfavoriten geboten, das kann auch gegen HSV Hamburg mit viel Disziplin und Geduld gelingen.
Alles andere als eine Niederlage in Hamburg wäre eine Überraschung, aber die TSV Hannover-Burgdorf will Freude am Handball haben, sich so teuer wie möglich verkaufen und kann ohne Druck in der 12810 Zuschauer fassenden O2-World Arena auflaufen.