TSV Hannover-Burgdorf schaffte vorzeitig den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga

Einsatz gegen harte Abwehrarbeit. Hannes Jon Jonsson entwickelte sich während der Saison zu einem echten Spielmacher und Vollstrecker. (Foto: Holger Staab)
 
Solche Jubelszenen, wie hier Andrius Stelmokas, Gustav Rydergard und Frank Habbe nach dem Auswärtssieg bei TSV Dormagen möchte die TSV Hannover-Burgdorf auch in der kommenden Serie erleben. (Foto: Holger Staab)

2. Teil des Saisonrückblicks der Handball-Bundesliga mit statistischen Extras

BURGDORF (hs). Der MARKTSPIEGEL durchleuchtete in der vergangenen Woche in Teil I die Hinrunde der Premierenspielzeit der TSV Hannover-Burgdorf in der TOYOTA-Handball-Bundesliga. Heute folgt nun der zweite Teil des Rückblicks mit einigen statistischen Extras. Die TSV setzte sich in der Rückrunde der stärksten Handballliga der Welt immer besser in Szene und schaffte letztlich mit den angestrebten 20 Punkten souverän und frühzeitig den Klassenerhalt.
Im ersten Teil war der überraschende Erfolg gegen TBV Lemgo der Höhepunkt der Hinserie, aber die Verletzungen von Jan-Fiete Buschmann und Marc Hohenberg brachten auch Personalprobleme mit sich. Nach der EM-Pause im Januar startete das Team um Trainer Frank Carstens erst Mitte Februar gegen Frisch Auf Göppingen wieder in die Saison. Und wieder schaffte die TSV einen Paukenschlag. Mit der einmaligen Unterstützung der Zuschauer und unbändigem Kampfgeist konnte der haushohe Favorit mit 30:29-Toren bezwungen werden. Ein echter Meilenstein in der Entwicklung der TSV zu einem Team, das im unteren Mittelfeld kämpft und nur noch bedingt den Abstieg im Nacken hatte.
Trainer Carstens und seine Spieler glaubten jetzt an sich und trotzten den Rückschlägen durch die schweren Verletzungen. Zudem bildete die tolle Zuschauerkulisse in der AWD-Hall einen Rückhalt, wie sich eine Mannschaft es nur wünschen kann. Am Ende der Saison sprach Kapitän Andrius Stelmokas es offen aus: „Unser Publikum ist das beste der Welt!“
Mit dem 27:25-Sieg gegen den SC Magdeburg legten die Burgdorfer dann auch noch einige Punkte zwischen sich und die Abstiegsplätzen. Sogar im Auswärtsspiel beim Spitzenteam Rhein-Neckar-Löwen waren Frank Habbe und Co nicht chancenlos, führten lange und musste erst in der letzten Sekunde den 26:27-Treffer hinnehmen.
Aber auch dieser Rückschlag war wie eine Initialzündung, denn die nächsten drei Spiele sollten den Klassenerhalt klarstellen. In den wichtigen Spielen gegen HSG Düsseldorf (28:26), beim TSV Dormagen (32:28) und gegen HSG Wetzlar (25:24) konnten 6:0-Punkte erreicht werden. Damit hatte die TSV das Punktepolster zum Relegationsplatz auf sieben Zähler aufgestockt – die Vorentscheidung zugunsten einer weiteren Bundesligasaison. Das dies bereits Ende April geschafft werden konnte, war eine Hoffnung, aber geglaubt hatten nur die größten Optimisten daran.
Nach einer weiteren unglücklichen 27:28-Niederlage beim VfL Gummersbach und einer nicht einkalkulierten 23:34-Pleite gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke wurde dann am 30. Spieltag beim 27:27-Unentschieden der entscheidende 20. Punkt erreicht. Alle Beteiligten konnten erleichtert aufatmen, denn mit dem Abstieg konnten die TSVer vier Spieltage vor Saisonschluss nichts mehr zu tun bekommen.
Jetzt sollte gegen die Topteams der Liga, THW Kiel, HSV Hamburg, TBV Lemgo und die SG Flensburg-Handewitt, der Spaß am Handball vorherrschen. Und das war auch so, denn Hannover-Burgdorf verkaufte sich auch in diesen Begegnungen gut und machte Werbung für die zweite Saison in der stärksten Handballliga der Welt. Vier Niederlagen folgten, aber das war kein Beinbruch, denn letztlich geriet der 14. Tabellenplatz nicht mehr in Gefahr. Mit 20:48-Punkten und 880:1011-Toren wurde eine äußerst erfolgreiche Saison abgeschlossen.
Die neue Saison kann also kommen. Dauerkarten können bereits jetzt in der Geschäftsstelle der TSV unter Telefon 05136/9706036 bestellt werden. Die TSV hofft nach 600 verkauften Karten in der vergangenen Serie auf 1000 Dauerkartenverkäufe.
Mit den geworfenen Toren und kassierten Treffern lagen die TSVer im unteren Drittel der Tabelle. Ganz anders mit dem Zuschauerzuspruch. Hier konnte ein ausgezeichneter und nicht erwarteter 11. Platz erreicht werden. Die TSV konnte durchschnittlich auf knapp 3500 Fans zählen, eine tolle Bilanz, denn nicht nur die Quantität stimmte, die Anhänger peitschten Piotr Przybecki und seine Mitspieler zu Höchstleistungen. Der HSV Hamburg wurde Zuschauerkrösus mit durchschnittlich 10.388 Besuchern.
Bei den Einzelstatistiken tauchten TSV-Spieler kaum unter den ersten zehn Spielern auf. Lars Lehnhoff konnte bei den besten Torschützen den 30. Platz mit 131 Treffern, davon 53 Siebenmeter-Tore erzielen. Hans Lindberg von HSV Hamburg als Torschützenkönig erzielte 258/135 Treffer. Bei den Siebenmeter-Schützen schaffte Lehnhoff den 13. Platz mit 53 Toren bei 74 Versuchen, das entspricht einer Quote von 72 Prozent. Torwart Jendrik Meyer konnte sich in die Liste bei den Torwartparaden eintragen. In 31 Spielen zeigte er 248 Paraden. Die meisten Paraden, 20 in einem Spiel, schaffte Nenad Puljezevic, der als höchsten Wert fünf Siebenmeter in einem Spiel entschärfen konnte.
Die kämpferisch orientierte TSV konnte bei den Zeitstrafen-Clubs einen zweifelhaften vorderen Platz erreichen. Hinter HBW Balingen-Weilstetten (362/10,65) und HSG Düsseldorf (330/9,71) wurde die TSV Dritter mit 324 Strafminuten, das sind durchschnittlich 9,53 Minuten pro Spiel bei fünf roten Karten. Jacek Bedzikowski mit 52 Strafminuten lag bei den Zeitstrafen-Spielern aber weit hinter Abwehrspezialist Oliver Roggisch (78).
In Heimspielen konnte die TSV 16:18-Punkte erzielen und wurde damit 14. der Heimtabelle. Auswärts müssen die Ziele aber noch höher gesteckt werden, denn mit 4:30-Punkten blieb nur der vorletzte Platz. In der Hinrunde wurden 9:25-Punkte erzielt und in der Rückrunde verbesserten sich die Carstens-Schützlinge dann auf 11:23-Punkte.
Den höchsten Sieg landete das TSV-Team im Auswärtsspiel bei TSV Dormagen (32:28), die höchste Niederlage kassierten sie auch auswärts beim 22:41 beim THW Kiel. Mit 4451 Zuschauern konnte die Rekordkulisse gegen HSV Hamburg erzielt werden, dagegen sorgten 1884 Zuschauer gegen VfL Gummersbach für die Minuskulisse. Nach Lars Lehnhoff erzielte Piotr Przybecki mit 107, Lars Friedrich mit 92 und Torge Johannsen, der erst kurz vor dem Jahreswechsel zur TSV kam, mit 76 Toren die meisten Treffer.
Statistiken hin, Statistiken her, die TSV Hannover-Burgdorf hat sich in der abgelaufenen Saison hervorragend präsentieren können. „Wir können stolz sein auf das, was wir in den zurückliegenden Monaten geschafft haben“, meint Trainer Frank Carstens. Auch Geschäftsführer Ulrich Karos greift das gute Abschneiden auf: „Durch den späten Aufstieg hatten wir das Handicap, dass wir erst spät planen konnten. Viele Experten haben in uns ja dann auch den Absteiger Nummer eins gesehen. Deshalb können wir so, wie es gelaufen ist, mehr als zufrieden sein.“
Ein ganz besonderer Dank, und das machten die Verantwortlichen beim letzten Punktspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt deutlich, galt natürlich Trainer Frank Carstens. Er war der Erfolgsgarant. Nach dem Aufstieg konnte er sich jetzt mit dem Klassenerhalt in Richtung SC Magdeburg verabschieden. Alle Fans und TSVer sind ihm zu großem Dank verpflichtet, denn er formte ein Team, das letztlich verdient und souverän den Klassenerhalt im Handballoberhaus erst ermöglichte. Damit gibt er ein schweres Erbe an seinen Nachfolger Aaron Kristjánnsson weiter.
Jetzt werden für die neue Saison neue Ziele definiert. Mit Kristjánnsson und einigen Neuzugängen soll auch die zweite Saison in der TOYOTA-Handball-Bundesliga zu einer erfolgreichen Serie werden. Wenn die Burgdorfer und Hannovers Zuschauer weiter mitgehen, ihre Mannschaft lautstark unterstützen und das Team schnell zu einer Einheit findet, dann ist der Weg für ein erfolgreiche Zukunft der TSV Hannover-Burgdorf nicht weit.