TSV Burgdorf trauert um Günther Staab

Günther Staab war Handballer durch und durch. (Foto: privat)

Ehemaliger Handball-Nationalspieler ist im Alter von 94 Jahren gestorben

BURGDORF (ch). Die Handballer der TSV Burgdorf trauern um einen früheren Nationalspieler, um ein Urgestein ihres Vereins. Günther Staab ist am 3. April im Alter von 94 Jahren verstorben. 83 Jahre lang war er Mitglied in unterschiedlichen Abteilungen der TSV, von 1972 bis 1980 leitete er die Geschicke der Handballer.
Geboren am 14. August 1925 in Frankfurt-Schwanheim zog die Familie ein Jahr später erst nach Rinteln und schließlich nach Burgdorf. 1947 begann Staab bei der TSV Handball zu spielen – ein Sport, der damals noch auf dem Rasen ausgeübt wurde. Wiederum ein Jahr später begann er in Krefeld eine Lehre zum Industriekaufmann, und auch seine sportliche Karriere nahm Fahrt auf. Erst bei Fortuna Düsseldorf – inzwischen arbeitete Staab im Außendienst für die Firma Henkel – und ab 1953 bei der BSV Solingen 98. Mit den Fortunen wurde Staab 1951 westdeutscher Hallenmeister, mit dem BSV 98 1957 Niederrheinmeister auf dem Feld. Und im Jahr 1951 gehörte Staab zu den Mitbegründern der „Deutschen Olympischen Gesellschaft“.
Zwischen 1951 und 1954 trug Staab siebenmal das Nationaltrikot. Zu seinen Teamkollegen gehörten Größen wie Hein Dahlinger, Bernhard Kempa, Hotti Käsler, Werner Vick und Otto Maychrzak. Bei der Entstehung des berühmten Kempa-Tricks gehörte Staab 1952 bei einem Lehrgang vor der WM zu den Protagonisten, die mit Kempa den Trick einstudierten. An das 32:16 im Länderspiel 1953 gegen Österreich erinnerte er sich: „Wir haben wie in Trance gespielt. Es war eines der besten Spiele der Nationalmannschaft.“ Über ein Länderspiel vor 30000 Zuschauern in Wuppertal sagte er: „Dann wird die Nationalhymne gespielt und wir stehen wie kleine Würstchen da. Das sind Momente, die ich nie vergessen werde.“
1956 zog es Staab mit Ehefrau Elisabeth und Tochter Gabriele zurück nach Burgdorf, wo er den Großhandel seines Schwiegervaters übernahm. Zehn Jahre lang war er Schulelternratsvorsitzender des Gymnasiums – Staab war nie jemand, der sich mit der Menge treiben ließ, sondern selbst mit anpackte. Für die TSV war er nicht nur als Handballer unterwegs, sondern auch in den Abteilungen Fußball, Leichtathletik – seine Bestzeit über 100 Meter lag bei 11,1 Sekunden – und Tennis, das er bis ins hohe Alter beim TC TSV spielte. Für den Verein Ruhige Kugel Burgdorf kegelte er, bei der Burgdorfer Schützengesellschaft brachte er sich ebenfalls ein. Seine beiden Söhne Hanno und Holger sind heute noch für die TSV Hannover-Burgdorf in verantwortlicher Position tätig. „Günther, Hanno und Holger sind drei Urgesteine, die die TSV prägen und geprägt haben. Er und seine Familie gehören fest zur Vereinsgeschichte“, sagt Abteilungsleiter Heidmar Felixson.