Recken überwintern auf zweitem Platz

Starke Defensive der Recken: Mait Patrail und Evgeni Pevnov haben Kreisläufer Sebastian Firnhaber vom HC Erlangen im Griff. (Foto: Holger Staab)
 
Rechtsaußen Timo Kastening ist augenblicklich mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Einsatz. (Foto: Holger Staab)

Die TSV Hannover-Burgdorf hat in der Handball-Bundesliga alle Erwartungen übertroffen und hofft auch im Final4 des DHB-Pokals auf den ersten Titelgewinn

BURGDORF (st). Was wurde vor der Saison 2019/2020 nicht alles über die TSV Hannover-Burgdorf gesagt und geschrieben? Nach dem Weggang von Topspieler Kai Häfner und den Integrationsfiguren Martin Ziemer, Lars Lehnhoff und Torge Johannsen sowie Pavel Atman und Domagoj Srsen sprachen Handballexperten von einer Mannschaft „Jugend forsch(t)“, die erst entwickelt werden soll. Die Realität nach zwanzig Spieltagen sieht ganz anders aus und überrascht die Handballfans in ganz Deutschland.
In der Tabelle der Liqui Moly Handball-Bundesliga verbringen die Recken die Winterpause auf dem zweiten Platz - einen Punkt hinter dem Rekordmeister THW Kiel. Hannover-Burgdorf hat bisher 31:9-Punkte eingespielt, erst drei Niederlagen kassiert und diverse Topteams bezwungen. Nicht zuletzt erreichten Trainer Carlos Ortega und seine Spieler zum dritten Mal in Folge das Final4 des DHB-Pokals und werden am 4. und 5. April in Hamburg in der Barclay-Card-Arena um ihren ersten Titel kämpfen. Dabei hatten sie keine leichte Auslosung und bezwangen mit der SG Flensburg-Handewitt (26:20) und den Rhein-Neckar Löwen (31:30) zwei Favoriten auswärts in deren Heimspielstätten. Die Burgdorfer Handballfans sind bereits in heller Aufregung und 1200 Anhänger wollen die Recken zu diesem Event begleiten.
Trotz aller Unkenrufe startete die TSV Hannover-Burgdorf furios in die Spielzeit. Dabei kam dem Team ein relativ leichtes Startprogramm zugute. Dennoch beeindruckten die ersten sechs Siege in Folge: Mit 12:0-Punkten eroberte sich Burgdorf den Spitzenplatz in der Eliteliga des Handballs. Die Experten verwiesen auf die nächsten schweren Herausforderungen mit den Topteams der Liga, Flensburg, MT Melsungen, SC Magdeburg, Rhein-Neckar Löwen und THW Kiel, die alle noch folgen sollten. Der 23:22-Sieg gegen Flensburg ließ nun aber auch letzte Kritiker aufhorchen und der Pokalsieg gegen die SG auswärts folgte nur eine Woche später.
Auch den ersten Rückschlag mit der 25:31-Niederlage beim MT Melsungen steckten Evgeni Pevnov und seine Mitspieler weg und sammelten gegen Magdeburg (31:28) und gegen die Löwen (29:29) weitere wichtige Punkte. Erst Ende November und Anfang Dezember 2019 mussten die Ortega-Schützlinge in drei Auswärtsspielen hintereinander bei der HSG Wetzlar (25:25), beim THW Kiel (23:32) und beim SC DHfK Leipzig (27:30) mit 1:5-Punkten eine Negativserie verkraften. Der fabelhafte 31:30-Pokalsieg bei den Rhein-Neckar Löwen war dann aber wieder der Anfang einer Erfolgsserie im Dezember.
Vom 8. bis 29. Dezember absolvierten Timo Kastening und Co dann sechs Spiele und holten zum Abschluss des Jahres 11:1-Punkte. Nur im abschließenden Match bei GWD Minden (32:32) gab es eine Punkteteilung. Der Lohn für eine furiose Hinrunde und nach den ersten drei Partien der Rückrunde steht der zweite Tabellenplatz mit jetzt 31:9-Punkten und 586:537-Toren. Rekord nach 20 Spieltagen für die TSV Hannover-Burgdorf in der elften Saison seit dem Bundesligaaufstieg 2009.
Die Recken machen augenblicklich vieles richtig: Die Mischung aus erfahrenen Spielern, wie Nationalspieler Fabian Böhm oder Weltmeister Morten Olsen und jungen Talenten wie Vincent Büchner, Joshua Thiele oder Hannes Feise scheint zu stimmen. Rückstände werden mit kämpferischem Einsatz neutralisiert und mit Coach Ortega und Co-Trainer Iker Romero steht ein Top-Duo an der Seitenlinie, das immer wieder die richtigen Stellschrauben findet, wenn es mal nicht so läuft. Die Ausgangsposition ist ausgezeichnet, jetzt werden die nächsten Partien ab Februar zeigen, ob das Team das Leistungsniveau halten kann. Dabei muss die TSV in den kommenden Wochen leider auf Neuzugang Ivan Martinovic verzichten, der sich Anfang Januar eine Fußverletzung zugezogen hat.
Das nächste Spiel wird etwas ganz Besonderes sein und das Topspiel schlechthin. Am 1. Februar gastiert ab 20.45 Uhr Rekordmeister THW Kiel in der TUI-Arena in Hannover und ganz Deutschland wird nach Hannover schauen um den Tabellenersten gegen den Tabellenzweiten zu sehen. Voraussichtlich werden wieder 9800 Zuschauer in einer ausverkauften Arena hautnah dabei sein, denn auch das Interesse an den Spielen der TSV hat enorm zugenommen, weil die Besucher Spannung pur, fairen und ereignisreichen Sport erleben können.