Recken konnten nur in Pokalwettbewerben überzeugen

Gesprächsbedarf zwischen Co-Trainer Iker Romero und Rückraumspieler Fabian Böhm. (Foto: Holger Staab)
 
Spielmacher Morten Olsen konnte in der zurückliegenden Saison nicht immer seine Qualität zeigen, ist aber ein wichtiger Faktor im Spielaufbau der Recken. (Foto: Holger Staab)

Hannover-Burgdorf muss nach schwacher Saison nach vorn schauen

BURGDORF (st). Was war das für eine Handballsaison für die TSV Hannover-Burgdorf? Die Spielzeit 2018/2019 in der DKB Handball-Bundesliga war gefüllt mit negativen Eindrücken, kleinen Lichtblicken, aber auch phasenweise starken Auftritten der Mannschaft. In den Pokalwettbewerben gab es ebenfalls Licht und Schatten, da überwogen aber die positiven Eindrücke, denn mit dem Erreichen des FinalFour im DHB-Pokal und des Viertelfinales im EHF-Cup wurden die Saisonziele erreicht. In der Punktrunde kann mit dem 13. Platz aber niemand zufrieden sein. Zuletzt kamen auch noch Differenzen um ausstehende finanzielle Zahlungen des Hallenbetreibers der TUI-Arena, Günter Papenburg, dazu.
Die TSV Hannover-Burgdorf hat mittlerweile andere Ansprüche und will sich dauerhaft unter den Top10 der stärksten Handballliga der Welt behaupten. So lautete das vorrangige Ziel von Trainer Carlos Ortega und den Verantwortlichen der Recken für die Jubiläumssaison im zehnten Jahr in der Handball-Bundesliga. In dieser Serie sollten sich mit Sportchef Sven-Sören Christophersen und Geschäftsführer Eike Korsen zwei Neue an der Spitze der Profimannschaft beweisen. Leider mussten beide mit ansehen, wie sich der Kader bereits zu Beginn der Saison personell durch verletzte Spieler reduzierte und damit schwächte. Verletzungen prägten dann über die gesamte Serie das Bild und in keiner Begegnung konnte Ortega auf seinen kompletten Kader zurückgreifen.
Das schwächte die Mannschaft nachhaltig und sorgte für noch höhere Belastungen für die gesunden Akteure. In drei Wettbewerben, dem DHB-Pokal, dem EHF-Cup aktiv und auch noch erfolgreich zu sein, wird wohl in der deutschen Handballszene zunächst nur den zahlungskräftigen Vereinen, wie THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt, MT Melsungen oder den Rhein-Neckar Löwen vorbehalten bleiben. Sie können mit einem ausgeglichenen Kader von 16 bis 18 Spielern Ausfälle kompensieren und weiter leistungsfähig bleiben.
Für die Handballer des Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf ist am 9. Juni eine durchwachsene Saison zu Ende gegangen. Am Ende steht mit 26:42-Punkten, 935:960-Toren und dem 13. Tabellenplatz in der DKB Handball-Bundesliga eine Platzierung, die nicht zufriedenstellend ist.
Die Recken starteten recht gut in die Spielzeit und konnten nach sechs Spieltagen und dem ungefährdeten 33:28-Erfolg gegen die Eulen Ludwigshafen 8:4-Punkte und einen guten 6.Platz erzielen. In der Folgezeit mussten sie Rückschläge hinnehmen, denn in eigener Halle mit 26:27-Toren gegen den Abstiegskandidat SG Bietigheim zu verlieren, ist nicht das, was erwartet wurde. Die anschließenden Pleiten gegen THW Kiel (25:32), bei HSG Wetzlar (28:29) und bei den Rhein-Neckar Löwen (23:29) waren nicht schön, konnten aber passieren.
Zum Ende des Jahres ging den Recken aber die Puste aus. Nach der Hinrunde stand nur noch der 14. Platz mit 12:22-Punkten zu Buche. Für Frust sorgten dann noch die letzten beiden Spiele des Jahres 2018. Die Burgdorfer verloren mit 29:30-Toren gegen FrischAuf! Göppingen und mit 22:25-Treffern beim Bergischen HC. Die bittere Serie von sieben Niederlagen in Folge brachten Weltmeister Morten Olsen und seine Mitspieler in Abstiegsgefahr. Mit Mait Patrail, Lars Lehnhoff und Pavel Atman hatten die Recken aber einige Langzeitverletzte Spieler zu beklagen und mussten den Kader immer wieder durch Ergänzungs- und Jugendspieler auffüllen. Auch andere Spieler wie Kai Häfner, Torge Johannsen, Fabian Böhm oder Morten Olsen waren in dieser Zeit angeschlagen und nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. In einigen Spielen konnte Ortega nur noch eine Rumpfmannschaft aufstellen, die mit jungen Akteuren aufgefüllt wurde. Diese Partien bleiben aber in Erinnerung, denn die dezimierten Recken schlugen sich hier meist bravourös. Es wurde deutlich, dass die TSV Burgdorf mit ihrer tollen Jugendarbeit Früchte ernten kann und Talente ins Feld brachte, die eine gute Ausbildung in Burgdorf erhalten und jederzeit für Einsätze in der Bundesliga tauglich sind.
Im EHF-Cup und im DHB-Pokal hatte die TSV bereits einige Hürden genommen und konnte im Verlauf der nächsten Wochen die Teilnahme am FinalFour des DHB-Pokals in Hamburg sichern, wo das Team nach vorbildlichem Kampf nur mit einem Treffer gegen SC Magdeburg am Einzug in das Finale scheiterte. Timo Kastening und Co hatten den Finaleinzug verdient, aber ihnen fehlte ein wenig das Glück zum Showdown gegen den THW Kiel.
Mit zwei ganz starken Auftritten im EHF-Cup bei HC Eurofarm Rabotnik (29:17) und gegen RK Nexe (32:22) sicherte sich die TSV etwas glücklich den Einzug in das Viertelfinale auf europäischem Boden. Dort erstmals in ihrer Vereinsgeschichten angekommen gab es aber gegen die Füchse Berlin wieder nur schwache Vorstellungen und bei den beiden Niederlagen mit 28:30 und 26:34 nur Magerkost. Der Einzug ins FinalFour um den EHF-Cup blieb nur ein Traum.
Zum Glück besannen sich Evgeni Pevnov und seine Mitspieler nach der WM-Spielpause im Januar aber wieder auf ihre Qualitäten in der Punktrunde und gewannen das erste Match nach der Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark mit 33:22-Toren gegen TVB Stuttgart. Gleich im Anschluss folgten weitere Punktgewinne bei den Eulen Ludwigshafen (27:25), gegen die Füchse Berlin (26:25) und bei GWD Minden (32:29). Die Recken hatten sich auf den 10. Platz vorgeschoben, aber dann schien die Kraft auch durch die Dreifachbelastung und den bitteren Niederlagen in DHB-Pokal und EHF-Cup wieder zu schwinden. Bis zum 31. Spieltag gelangen nur noch zwei Unentschieden, das Ortega-Team fiel in der Tabelle wieder zurück und der angestrebten 10. Platz schwand dahin. Die Fans wurden letztlich mit den beiden Erfolgen gegen den VfL Gummersbach (30:24) und gegen DHfK Leipzig (30:28) noch versöhnt, aber die abschließende 26:30-Niederlage beim THW Kiel zeigte wieder deutlich, dass die Qualität der Recken in der abgelaufenen Saison nicht für mehr als den 13. Platz ausreichte. Mit Lars Lehnhoff, Torge Johannsen, Kai Häfner und Martin Ziemer wurden am letzten Spieltag in eigener Halle vier langjährige Stammspieler verabschiedet. Zudem verlässt auch Domagoj Srsen den Verein. Hierfür müssen die Verantwortlichen um den sportlichen Leiter Sven-Sören Christophersen jetzt Nachfolger finden. Mit Domenico Ebner von der SG Bietigheim wurde Ersatz für Torwart Ziemer gefunden. Die aus der eigenen Jugend stammenden Talente Joshua Thiele, Hannes Feise und Vincent Büchner erhielten Profiverträge und mit Alfred Jönsson wechselt ein talentierter 20-jähriger Spielmacher vom schwedischen Erstligisten Lugi Lund zu den Recken. Ein oder zwei weitere Spieler, die der Mannschaft helfen können, sollten folgen, um in der nächsten Saison nicht in Abstiegsgefahr zu geraten.