Premierensaison in der Handball-Bundesliga übertraf alle Erwartungen

Er suchte auch gegen zwei Gegenspieler immer nach einer Lücke und war von der Rechtsaußenposition und vom 7m-Strich erfolgreich: Lars Lehnhoff. (Foto: Holger Staab)

TSV Hannover-Burgdorf überraschte viele Experten und landete auf dem 14. Platz

BURGDORF (hs). Die Stadt Burgdorf wurde spätestens am 6. Juni 2009 durch ein Tor in allerletzter Sekunde auch in der Sportwelt des Handballs bekannt. Jacek Bedzikowski sorgte im Aufstiegsspiel gegen TSG Friesenheim dafür, dass die TSV Hannover-Burgdorf in die TOYOTA-Handball-Bundesliga aufstieg. Das war der Anfang einer erstaunlichen Entwicklung, die erst kürzlich mit dem Klassenerhalt in der stärksten Handballliga der Welt seinen Höhepunkt erreichte und die TSV weiter im Fokus aller Sportinteressierten verbleiben lässt.
Die Entwicklung von einem Bezirksklassenverein bis zu einer Bundesligamannschaft beinhaltet sicherlich genug Stoff für ein ganzes Buch, aber auch die Entwicklung einer Mannschaft vom Zweitligisten zu einem etablierten Team in der 1. Liga, das die TSV auch erst werden möchte, ist nicht in einem Artikel abzuhandeln. Der MARKTSPIEGEL möchte deshalb in zwei Folgen auf die Premierensaison der TSV zurückblicken.
Dabei war die Vorbereitungszeit auf die Spielzeit 2009/2010 durch den überraschenden Aufstieg alles andere als lang. Nicht nur die Mannschaft um den Aufstiegstrainer Frank Carstens musste ihr Gesicht verändern, verstärkt werden und zu einer Einheit wachsen, auch das Umfeld musste professionalisiert werden, denn ansonsten konnte gegen Mannschaften wie THW Kiel, HSV Hamburg, Rhein-Neckar-Löwen, aber auch HSG Wetzlar oder TBV Lemgo, kein echter Konkurrenzkampf entstehen.
Die TSV wurde am Anfang der Serie als ein potenzieller Absteiger angesehen, obwohl das mit einem Viertel des Etats der Spitzenteams auch nicht anders zu erwarten ist. Carstens Schützlinge beschlossen, dagegenzuhalten und gleich zu Anfang der Spielzeit ein Ausrufezeichen zu setzen. Die erste Begegnung gegen HBW Balingen-Weilstetten konnte knapp mit 28:27-Toren gewonnen werden, der Grundstein war gelegt, es war für alle Teammitglieder ein wichtiger Schritt. Immerhin mussten sechs Neuzugänge in die Mannschaft integriert werden. Mit Daniel Brack, Jendrik Meyer, Jan-Fiete Buschmann, Aivis Jurdsz, Gustav Rydergard und Piotr Przybecki hatte sich Hannover-Burgdorf gezielt verstärkt.
Aber Abgänge der Stammspieler Tomasz Tluczynski, Heidmar Felixson, Stefan Schmidt und Daniel Deutsch mussten auch weggesteckt werden.
Dass eine Handballmannschaft sich erst einspielen muss, zeigte sich in den nächsten Partien. Nach dem guten Start hagelte es sieben Niederlagen in Folge. Dabei waren gegen TV Großwallstadt (26:28) und MT Melsungen (26:30) durchaus Erfolge möglich. Die Carstens-Truppe musste aber immer wieder ersatzgeschwächt antreten oder machte zu viele Fehler im Spielaufbau. Auch die starken Abwehrleistungen, die das Team im Spiel halten sollten, konnten nur selten erbracht werden. Nach dem 8. Spieltag rutschte die TSV auf den letzten Tabellenplatz ab. Da war mehr als überlebenswichtig, dass Andrius Stelmokas und seine Mitspieler weiterhin eine Einheit bildeten und ein entscheidender 28:26-Erfolg gegen TSV Dormagen gelang. Auch eine 21:29-Niederlage im anschließenden Spiel gegen HSG Wetzlar schockte das Carstens-Team nicht. Im Gegenteil, der erste Auswärtspunkt beim 24:24-Unentschieden bei TuS Nettelstedt-Lübbecke zeigte, welches Potenzial in der Mannschaft steckte, denn schon in Lübbecke war ein weiterer doppelter Punktgewinn in greifbarer Nähe.
Der sollte beim 25:24-Sieg gegen Mitabstiegskandidat GWD Minden gleich eine Woche später folgen. Die TSV wurde jetzt von den hannoverschen Zuschauern nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ unterstützt und brachte die Handballstimmung in Hannovers AWD-Hall so richtig in Schwung. Nach dem 13. Spieltag konnten mit dem 14. Platz die Abstiegsplätze verlassen werden. Die letzten Spiele der Hinrunde, ausnahmslos gegen Spitzenteams der TOYOTA-Handball-Bundesliga, versprachen aber wenig Positives. Mittlerweile hatte sich mit Lars Friedrich ein weiterer Akteur Hannover-Burgdorf angeschlossen. Mit Jan-Fiete Buschmann musste die TSV seinen rechten Rückraumspieler verletzt ersetzen und zudem rüsteten die Burgdorfer auf der Torwartposition auf, Nenad Puljecevic sollte die Sicherheit in der Abwehr erhöhen.
Nach einer deklassierenden Niederlage beim späteren Champions-League-Sieger THW Kiel schaffte die TSV dann aber das erste Husarenstück gegen TBV Lemgo kurz vor Weihnachten. In einem dramatischen Spiel und vor toller Kulisse sorgten Piotr Przybecki und Co mit einem 26:25-Erfolg für eine große Überraschung in der Bundesliga. Ein Sieg, der im Nachhinein betrachtet nicht nur bei den hannoverschen Zuschauern, für Euphorie sorgte, sondern auch die TSV in eine gute Ausgangsposition für das Ziel Klassenerhalt katapultierte.
Da konnten auch die anschließenden Niederlagen gegen HSV Hamburg (25:31) vor erstmals ausverkaufter AWD-Hall, bei SG Flensburg-Handewitt (24:31) und bei HBW Balingen-Weilstetten (23:29) die positive Grundstimmung nicht vermiesen. Allerdings schockte die Carstens-Schützlinge die nächste Verletzung von Marc Hohenberg, der mit Kreuzbandriss bis zum Saisonende ausfiel. Er wurde durch Torge Johannsen von der SG Flensburg-Handewitt allerdings schnell ersetzt. Hier hatte der sportliche Leiter Stefan Wyss wieder die richtige Entscheidung getroffen, denn Johannsen brachte Schwung ins Team.
Die TSV Hannover-Burgdorf fand sich nach dem 18. Spieltag mit 9:27-Punkten auf Kurs. Der 15. Platz war sicherlich kein Ruhekissen, aber die angestrebten 20 Pluspunkte als Saisonziel keinesfalls unerreichbar. Nach der EM-Pause im Januar gingen die TSVer erst im Februar wieder ins Rennen um die begehrten Punkte und es sollten noch viele Punkte folgen.
Den zweiten Teil der Bundesliga-Zusammenfassung lesen sie in der kommenden Woche.