Platzverweis für Populismus und Polarisierung

Zeigen gemeinsam Haltung und klare Kante gegen Rechts: Die RSE A-Jugendfußballer mit Maren Scharlemann, Andreas Lindner (v.li.) und Kurt Becker (re.) sowie mit Jürgen Stern in ihrer Mitte. Foto: Georg Bosse

RSE-Chef zeigt Rassismus und Rechtspopulismus die Rote Karte

RAMLINGEN (gb). „In der Politik darf man keine Vorliebe für ein Volk und keine Abneigung gegen ein anderes haben“, ist im Politischen Testament des großen Preußenkönigs Friedrich II (1712-1786) nachzulesen. Jürgen Stern, engagierter und langjähriger Vorsitzender des Burgdorfer Fußball-Landesligisten SV Ramlingen/Ehlershausen (RSE) zitierte den römischen Dichter Ovid (43 v. Chr. - 18 n. Chr.), als er am vergangenen Montagabend im Vereinsheim in Ramlingen von seiner aktuellen Aktion berichtet: „Wehret den Anfängen!“
Aber vielleicht sind Gewalt und Rassismus in Deutschland schon weit über die Anfänge hinaus, gegen die Stern sowie die sportliche Leitung um Kurt Becker und Andreas Lindner (Jugend) nicht erst seit gestern Haltung zeigen. Seit vielen Jahren ruft eine bedruckte Spielplatzbegrenzung „Gegen Gewalt und Rassismus“ auf. Und das Motto „Seid fair zu den Schiris“ mahnt beim großen Fußballturnier um den PORTA-Pokal alle Aktiven und Fans zum respektvollen Miteinander mit den Schiedsrichtern an.
Der 75. Geburtstag von Jürgen Stern wurde vor wenigen Tagen mit rund 80 Freunden im Hotel & Gasthaus Bähre in Ehlershausen gefeiert. „Statt mich zu beschenken, habe ich um ein Spende zur Förderung unserer RSE-Jugendabteilung gebeten. Dabei ist ein mittlerer, vierstelliger Betrag zusammengekommen“, erzählt Stern. Weil es der Vereinsführung und den Sportlern am Herzen liegt, gegen Gewalt, Rassismus und Rechtspopulismus deutlich und sichtbar Stellung zu beziehen, wurden die A-Jugendlichen mit einem neuen Trikotsatz, auf dem der Brustaufdruck „Gegen Gewalt und Rassismus“ nicht zu übersehen ist, ausgestattet. „Dafür hat unser Sponsor, Deutsche R + S Dienstleistungen, dankenswert auf seine Beflockung verzichtet“, betont der Vereinschef. Darüber hinaus ziert die ebenfalls neuen Ausgehanzüge die eigentlich selbstverständliche Aufforderung „Seid fair zu den Schiris“.
„Ich mache mir große Sorgen. Wir dürfen keine ungarischen Verhältnisse bekommen, die Pressefreiheit und Menschenrechte massiv einschränken. Gewalt, Rassismus und Rechtspopulismus sind längst nicht mehr nur Probleme auf Fußballplätzen und in Sportstadien, sondern eine Gefahr für alle gesellschaftlichen Bereiche. Flüchtlinge sind kein Ballast, sondern Menschen. Die zunehmende Polarisierung legt die Axt an die Wurzeln unserer noch jungen Demokratie an, der wir jetzt mit Mut zur Auseinandersetzung entgegentreten müssen“, bekräftigt Jürgen Stern.