„Kein Blabla, sondern Inhalte“

Will nicht auf das Prinzip Hoffnung setzen: Hannover-96-Geschäftsführer Martin Kind. (Foto: Oliver Krebs)

96-Geschäftsführer Martin Kind setzt auf "Realismus und Vernunft"

REGION (ok). Der Abstieg war ein teurer Spaß für Hannover 96: In zwei Jahren sei ein Verlust von 34 Millionen Euro eingefahren worden, sagte der 96-Geschäftsführer beim Neujahrs-Medienempfang des Zweitligisten. Werden die Spielerverkäufe gegengerechnet, betrage das Defizit immer noch 13 Millionen Euro, so der 96-Geschäftsführer. Zwei Zahlen zum Vergleich: In der Bundesliga betrage der Umsatz 90 Millionen Euro, in der zweiten Liga lediglich 42 Millionen Euro. Darüber hinaus könne das Kostenmanagement nicht innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden. Was den Zuschauerschnitt angeht: Die angestrebten 37.000 würden wohl nicht erreicht, Kind rechnet mit 34.000. Die Rückrunde müsse "mit Realismus und Vernunft" angegangen werden, Trainer Kenan Kocak müsse die Mannschaft weiter wie bisher stabilisieren, sodass zumindest ein sicherer Mittelfeldplatz erreicht werde. Martin Kind: „Es darf kein Blabla geben, sondern wir müssen Inhalte liefern.“ Und weiter: „Wir dürfen nicht weiter auf das Prinzip Hoffnung im Wunschkonzert des Lebens setzen.“ Wenngleich eine Überraschung natürlich immer möglich sei. Aber: Entscheidend sei auch, dass 70 bis 80 Prozent der Transferentscheidungen richtig seien, um Erfolg zu haben.
Die nationale Wahrnehmung von Hannover 96 sei oft besser als die lokale, dabei spiele der Verein im Stadtmarketing eine große Rolle. Die Infrastruktur mit dem Nachwuchsleistungszentrum sei erstligatauglich; alle Jugendmannschaften in den höchsten Spielklassen vertreten und mit dem bald 16-jährigen Marian Kirsch habe 96 sogar einen Nationaltorwart. Auch der Breitensport entwickle sich vielversprechend. Kontinuität sei das Gebot der Stunde, glücklicherweise seien die Sponsoren bei der Stange geblieben.
Ein anderes Thema, das Kind in seiner Ansprach angeschnitten hat, ist die Übernahme der Kosten für Fehlverhalten der Fans in Sachen Pyrotechnik. DFB und DFL sind laut Martin Kind „legale Kartellle“; es können nicht sein, dass der Verein die Kosten übernehmen müsse. Im Fall des Ligakonkurrenten HSV seien es gerade 500.000 Euro gewesen. Martin Kind: „Hier muss wie fast überall im Leben in der Rechtssprechung das Verursacherprinzip gelten.“
Kind hatte nach Meinung Hans-Joachim Zwingmanns, Präsident des Verbandes Niedersächsischer Sportjournalisten, in der jüngsten Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen. Ob er, wie Zwingmann prognostizierte, noch einmal die Schatulle in Großburgwedel öffnen werde, ließ der Geschäftsführer von Hannover 96 dahingestellt.