Integration auf dem Fußballplatz

Die jungen Kicker und Trainer der JSG-E-Junioren waren begeistert von der Übungsstunde mit Jimmy Hartwig (Mitte). NFV-Präsident Günter Distelrath (3. von rechts) hatte den Anstoß für den Besuch gegeben. (Foto: Oliver Krebs)
 
Jimmy Hartwig (3. von links) diskutierte mit Klaus Mengers, dem zweiten Vorsitzenden der TSV Burgdorf (von links), dem Vorsitzenden der TSV-Fußballabteilung Dirk Bierkamp und Jugendkoordinator Rolf Tameling. (Foto: Oliver Krebs)

Ex-Profi Jimmy Hartwig besucht als Fair-Play-Botschafter des DFB die Aue-Kicker

Burgdorf (ok). Er hat schon als Profi auf dem Fußballplatz Klartext gesprochen und macht das in seiner Funktion beim Deutschen Fußballbund (DFB) heute auch. Seit 2013 ist Jimmy Hartwig als Botschafter für den DFB unterwegs, bis Ende 2019 als Integrationsbotschafter und seitdem als Botschafter für Fair Play. Bei der TSV Burgdorf machte er am Dienstag Station, um über die Themen Integration, Prävention und auch Wertevermittlung zu sprechen. An dem Gespräch beteiligten sich Vertreter der Jugendspielgemeinschaft (JSG) Aue Kicker, des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) und des DFB sowie Mitarbeiterinnen des benachbarten Jugend- und Kulturzentrums JohnnyB..
Jimmy Hartwig, der als Berufsfußballer mit dem Hamburger SV drei deutsche Meistertitel und einmal den Europapokal der Landesmeister holte, bescheinigte den Burgdorfern, mit der JSG Aue-Kicker auf dem richtigen Weg zu sein. Im Sommer 2020 haben die TSV Burgdorf, der FC Burgdorf und der SV Sorgensen die Jugendspielgemeinschaft gegründet, um ihre Energie bei der Nachwuchsarbeit zu bündeln. „Wege kann man nur gemeinsam“, betonte Hartwig in diesem Zusammenhang.
Prävention hat bei der JSG einen hohen Stellenwert, nicht zuletzt nach körperlichen Attacken auf dem Spielfeld vor etwa zweieinhalb Jahren bei den C-Junioren der TSV und auch nach Vandalismus auf der Anlage. Rolf Tameling, Jugendkoordinator der JSG, hob die gute Zusammenarbeit mit dem JohnnyB. hervor und die Jugendhaus-Mitarbeiterin Jasmin Pszolla betont ihrerseits die Bedeutung des Soccercourts, der in Zusammenarbeit mit der TSV entstanden sei und rege genutzt werde.
Jimmy Hartwig würdigte das Engagement der Beteiligten. Der Fußball könne verbinden und Menschen unterschiedlicher Nationalität und Herkunft zusammenbringen. In Burgdorf leben Menschen aus mehr als 100 Herkunftsländern und viele seien auch Mitglied in den hiesigen Sportvereinen. Die Regeln auf dem Platz seien klar, sodass für das Spiel nicht viel Kommunikation nötig sei. Der gemeinsame Sport funktioniere auch über Sprachbarrieren hinweg. Doch die Integrationsangebote der Vereine stießen mitunter auch an Grenzen. Sie könnten nur erfolgreich sein, wenn sie angenommen würden. „Ich kann niemandem etwas aufzwingen", machte Jimmy Hartwig deutlich.
NFV-Präsident Günter Distelrath ging in diesem Zusammenhang auf ein neues DFB-Pilotprojekt ein, ein so genanntes Leadership-Programm, bei dem Frauen und Männer mit Migrationshintergrund Führungspositionen und Verantwortung übernehmen sollen. Eine Initiative, die nach dessen eigener Aussage bislang aber noch nicht zu Dirk Bierkamp, dem Vorsitzenden der TSV-Fußballabteilung, durchgedrungen sei.
Und NFV-Vizepräsident August-Wilhelm „Auwi“ Winsmann resümierte, dass es keine Konzeptionslücke, wohl aber eine Umsetzungslücke für die oftmals guten Ideen gebe. „Uns fehlt es beispielsweise oft an Manpower“, sagt er. Manpower, die sicher auch bei der Unterstützung der „Hakis“, der Kicker mit Handicap notwendig ist. Sie seien jeden Sonnabend im Stadion an der Sorgenser Straße, gehörten auch zur großen Fußballfamilie und dürften nicht vergessen werden, sagt Jugendtrainer Stefan Butter.
Er ist den umgekehrten Weg der Integration gegangen. Vor einer Südafrika-Reise mit der Familie hatte er von der Aktion „Platz im Koffer“ gehört, die für Sachspenden im Freigepäck wirbt. Aber nicht nur Kinderspielzeug und Kinderklamotten packte Familie Butter ein, sondern auch Trikots, die dann den Weg nach Südafrika fanden. Dort organisiert der Deutsche Dario Urbanski, der auch eine Straußenfarm betreibt, Trainings, Turniere und Testspiele. Er benötigt auch immer Fußballschuhe für Sieben- bis 14-Jährige. Familie Butter und die JSG wollen ihm auch dabei helfen und sammeln gebrauchte Fußballschuhe, die bei den JSG-Trainern abgegeben werden können. Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie verbindend und integrativ der Fußball auf der ganzen Welt wirkt.