Gelingt der TSV Hannover-Burgdorf zum Saisonstart eine Überraschung?

Die Bundesliga-Mannschaft der TSV Hannover-Burgdorf für die kommende Saison 2011/2012. (Foto: Holger Staab)
 
Piotr Przybecki will sich gegen die Füchse Berlin engagiert einsetzen und mit seinem Team eine Überraschung schaffen. (Foto: Holger Staab)

Handball-Bundesligist startet mit Heimspiel gegen Füchse Berlin in die Saison

BURGDORF (hs). In den letzten Tagen vor dem Saisonstart in der TOYOTA Handball-Bundesliga herrscht bei der TSV Hannover-Burgdorf die „Ruhe vor dem Sturm“ vor. Die Mannschaft hat sich nach dem Testspiel gegen Atletico Madrid in die Trainingshallen in der AWD-Hall in Hannover und in der Gudrun-Pausewang-Schule in Burgdorf zurückgezogen, um eine aktive Vorbereitung zu absolvieren. Trainer Christopher Nordmeyer und sein Team sind jetzt heiß auf den ersten Gegner der neuen Spielzeit – die Füchse Berlin.
Die Begegnung wird am Sonnabend, 3. September, ab 19 Uhr in der AWD-Hall angepfiffen. Die hannoverschen Zuschauer wollen ihre Mannschaft im ersten Pflichtspiel sehen, der Vorverkauf ist gut angelaufen. Kein Wunder, kommt mit Berlin doch ein Champions-League-Teilnehmer nach Hannover. Bis Sonnabend werden voraussichtlich noch genug Karten zur Verfügung stehen, aber die TSV-Fans sollten sich in den bekannten Vorverkaufsstellen und auch in der Geschäftsstelle des MARKTSPIEGEL mit Tickets eindecken. Die Ergebnisse von Hannover-Burgdorf in der Vorbereitung und der erstklassige Gegner machen neugierig auf die Eliteliga im Handball.
Die Handballfans werden eine neue TSV-Mannschaft sehen. Obwohl mit Csaba Szücs, Torwart Adam Weiner und Mario Clößner nur drei Neuzugänge zu vermelden wurden, hat Nordmeyer in den letzten Wochen doch seine Richtung vorgegeben und viele Varianten in der Abwehr und im Angriff getestet. Besonders mit aggressiven und offensiven Abwehrformationen soll die Mannschaft auch gegen körperlich starke Teams bestehen. In der Offensive ist viel mehr Schnelligkeit ins Aufbauspiel eingezogen und so können möglicherweise auch kompakte Defensivreihen der Gegner zu Fehlern und damit zu Lücken gezwungen werden. Auch diese neuen Alternativen machen neugierig auf die TSV.
Die Füchse Berlin haben nach dem Aufstieg aus der 2. Bundesliga 2007 in vier Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Geschäftsführer Bob Hanning hat viel Finanzmittel zusammen gesammelt und konnte damit eine hochkarätige Mannschaft aufstellen. Dennoch war die starke vergangene Saison eine Überraschung. Die Berliner landeten auf dem 3. Platz und sicherten sich damit einen Champions-League-Platz. Mit dem Spanier Iker Romero vom FC Barcelona für die linke Rückraumposition haben sie zudem eine erstklassige Verpflichtung vorgenommen. Zudem kamen Jonathan Stenbäcken vom IK Sävehof, Jewgeni Pewnow von der TSG Friesenheim und Ramon Tauabo aus der eigenen Jugend ins Team um Trainer Dagur Sigurdsson. Konrad Wilczinski (Westwien-Österreich), Stian Vatne (Karriereende), Martin Murawski (SV Post Schwerin) und Michal Kubiztal (Wisla Plock-Polen) verließen den Verein.
„Letzte Saison haben sie mehr als das Optimale rausgeholt. Die Verstärkungen sind nicht schlecht, auch wenn Romero ein Marketing-Deal ist. Sportlich werden sie wegen der Champions-League-Belastung Platz 3 nicht noch einmal erreichen.“ Das ist die ernüchternde Einschätzung von Handballexperte Stefan Kretzschmar zu den Füchsen in der SportBild. Jugendbundestrainer Christian Schwarzer spricht dagegen in der Sonderausgabe der Handballwoche von einer sehr hohen Motivation, die die Berliner haben, aber auch von gestiegenen Ansprüchen. „Das Potenzial für das Spitzenfeld der Bundesliga ist in der Hauptstadt vorhanden“, schätzt er ein.
In jedem Fall haben die TSV-Gäste um den international erfahrenen Topspieler Romero eine Klassemannschaft zusammen. Mit Silvio Heinevetter im Tor, den Rückraumspielern Sven-Sören Christophersen und Alexander Petersson, Kreisspieler Torsten Laen und den Außenspielern Markus Richwien und Ivan Nincevic steht schon eine tolle Stammformation auf dem Spielfeld.
In der vergangenen Saison hieß die Begegnung des ersten Spieltages ebenfalls TSV Hannover-Burgdorf gegen Füchse Berlin. Da konnten sich die Hauptstädter sicher mit 18:26-Toren durchsetzen. So einfach werden es die Spieler um Berlins Trainer Dagur Sigurdsson am Sonnabend nicht haben, auch wenn die Füchse als klarer Favorit ins Spiel gehen. Leider muss die TSV neben ihrem Langzeitverletzten Torwart Nikolas Katsigianns auch auf Neuzugang Clößner verzichten, der am vergangenen Donnerstag am Knie operiert wurde und vermutlich vier bis sechs Wochen pausieren wird.
Nenad Puljezevic und seine Mitspieler wollen gleich im ersten Spiel zeigen, dass sie in dieser Saison nicht zu den Abstiegskandidaten zählen. Die Voraussetzungen sind gut, denn die Mannschaft ist hoch motiviert, gut vorbereitet und hat viel dazugelernt. Wenn das engagierte hannoversche Publikum seinen Beitrag leistet und das Nordmeyer-Team über sich hinauswachsen kann, dann ist vielleicht die erste Überraschung der neuen Saison möglich.