Ein Abenteuer mit schlechtem Ausgang

Auch gegen Eintracht Hildesheim bekamen Roxana Löw und ihre Mitspielerinnen selten eine freie Bahn. (Foto: Holger Staab)

3. Liga war für die Frauen der TSV Burgdorf eine Nummer zu groß

BURGDORF (hs). Vor der Saison waren die Verantwortlichen der Frauenmannschaft der TSV Burgdorf noch zuversichtlich, obwohl die 3. Liga ein Abenteuer werden würde, das wussten alle Beteiligten. Der Aufstieg als Tabellenzweiter aus der Oberliga Niedersachsen wurde dennoch realisiert und Trainer Thomas Löw formte ein Team aus vielen jungen Talenten und wollte versuchen, den Klassenerhalt zu schaffen und mit der TSV im Frauenbereich einmal in der 3.Liga spielen.
Leider traten einige erfahrene Spielerinnen, wie Lucienne Schwarz oder Astrid Borchert, zurück und konnten das TSV-Team nicht unterstützen. Neuzugang Bogna Dybul, polnische Nationalspielerin, setzte zwar Akzente, konnte aber nicht jeden Wurf an sich reißen. Die Mannschaft ging mit einem Durchschnittsalter von knapp 20 Jahren an den Start und auch viele A-Jugendliche kamen zum Einsatz. Das war letztlich in der harten Drittklassigkeit wohl das entscheidende Manko der Mannschaft.
Schon in den ersten Spielen der Saison 2011/2012 merkten die Löw-Schützlinge ihre Unerfahrenheit, denn es gab hohe Niederlagen. Gegen den Thüringer HC II (33:45), bei HSG Union 92 Halle (26:39) oder bei der HSG Osterode Harz (17:39) mussten die TSV viel Lehrgeld bezahlen. Erst im zehnten Spiel konnte die junge Truppe gegen SHV Oschatz beim 37:37-Unentschieden den ersten Punktgewinn verbuchen. Kurz vor Abschluss der Hinrunde schafften Torfrau Lisa Klanz und ihre Mitspielerinnen dann den ersten Erfolg. Beim 33:28-Sieg gegen SpG Bandits Magdeburg/Barleben konnte die TSV eine gute Leistung abrufen und sich drittligatauglich präsentieren.
Es sollte aber der letzte Punktgewinn in dieser Spielzeit sein. Leider wurden die Burgdorferinnen durch Verletzungen und den Weggang von Natasha Ahrens zum Bundesligisten SV Garßen Celle dezimiert und verloren dadurch an spielerischer Qualität. „Meine Mannschaft besteht aus sehr jungen Spielerinnen. Ihnen fehlt in vielen Situationen die nötige Erfahrung und Abgeklärtheit und ganz sicher auch noch die nötige körperliche Härte“, meinte Coach Löw schon zur Hälfte der Spielzeit.
Der letzte Tabellenplatz zur Saisonhälfte war die logische Folge, aber die TSV wollte jetzt von Spiel zu Spiel denken und sich spielerisch verbessern und einfach dazulernen. In einigen Spielen bewiesen die jungen Talente dann auch ihre Stärken und konnten ihre erfahrenen Gegnerinnen an den Rand einer Niederlage bringen. So in den Heimspielen gegen SG Knetterheide/Schötmar (28:29) oder gegen HC Sachsen Neustadt-Sebnitz (26:27). Immer wieder sorgten aber technische Fehler, überhastete Würfe oder schwach vorgetragene Angriffe für Ballverluste, die dann von den Gegnern mit Gegentoren bestraft wurden. Auch hohe Führungen nach starken Leistungen konnten die TSV-Spielerinnen nicht bis zum Spielende halten und mussten weiter einem weiteren Punktgewinn hinterherlaufen.
Bis zum Saisonende konnte kein weiterer Pluspunkt mehr erreicht werden. Bei den 14 Niederlagen in Folge waren zudem deklassierende Pleiten, wie beim 20:42 bei SV Germania Fritzlar oder 20:39 gegen HSG Osterode/Harz dabei. Letztlich blieb mit 3:49-Punkten und 659:910-Toren nur der letzte Tabellenplatz.
Der Abstieg ist für die TSV Burgdorf kein Beinbruch, die gute Arbeit, die Thomas Löw im Frauenbereich und auch bei der weiblichen Jugend geleistet hat, tragen weiterhin Früchte und die TSV wird auch weiterhin junge Talente für höhere Aufgaben ausbilden können. Zunächst wird es aber einen Umbruch geben. Löw stellt sein Traineramt zur Verfügung und macht Platz für den neuen Coach Maxi Busch. Er muss ein neues Team formen, denn die meisten Spielerinnen werden nicht mehr bei der TSV spielen. Für den neuen Trainer ist damit sehr viel Arbeit verbunden, aber in der höchsten Spielklasse in Niedersachsen soll das neue Team seine Heimat finden, um talentierten Jugendlichen aus der weiblichen B- und A-Jugend einen Anreiz zu schaffen, weiter in Burgdorf zu spielen.
Die 3.Liga war ein Abenteuer, das wurde von vornherein so gesagt. Das Scheitern war somit einkalkuliert, aber es wirft die TSV nicht um, im Gegenteil sie wird gestärkt aus dem Abstieg herausgehen und sich jetzt neu formieren können. Mit der Teilnahme an der 3.Liga hat sie dennoch Geschichte geschrieben, denn es war das erste Mal, dass eine Frauenmannschaft der TSV Burgdorf in dieser Spielklasse an den Start gehen durfte.