Aue Kicker lernen von den Profis

Zum Auftakt der neuen Kooperation bietet der VfL Wolfsburg ein Fußball-Feriencamp im Burgdorfer Stadion an. Die jungen Aue Kicker sind mit Begeisterung dabei.
 
Jonas Garzke vom VfL Wolfsburg (von links), Jens Berkhan und Jana Heinemann vom SV Sorgensen sowie Ashley Berblinger, Julien Tameling, Dirk Bierkamp und Rolf Tameling von der TSV Burgdorf freuen sich über die Kooperation zwischen der JSG Aue Kicker und dem Bundeligisten.

Burgdorfer Jugendspielgemeinschaft geht Kooperation mit dem VfL Wolfsburg ein

Burgdorf (fh). Der zehnjährige Maximilian Müller wirkt Freitagmittag glücklich, aber auch ein bisschen erschöpft. In der ersten Herbstferienwoche hat er am Fußballcamp teilgenommen, das die neu gegründete Jugendspielgemeinschaft (JSG) Aue Kicker zusammen mit dem VfL Wolfsburg angeboten hat. Fünf Tage lang übten 43 Jungen und zwei Mädchen im Stadion an der Sorgenser Straße passen und dribbeln und trugen etliche kleine Spiele aus. „Das war viel anstrengender als das normale Training, aber auch sehr cool“, resümiert Maximilian.
Um die Kinder intensiv betreuen zu können, ist der VfL mit insgesamt sechs Trainern nach Burg­dorf angereist, darunter auch Uwe Erkenbrecher. Der 66-Jährige hat selbst einst in der 1. und 2. Bundesliga gespielt und war bis vor kurzem als Trainer im Profibereich tätig. Seit Juli ist er jetzt für die VfL-Fußballschule im Einsatz. „Wir haben die Kinder ganz schön gefordert. Am Ende der Woche sind sie mental kaputt, aber sie waren von Montag bis Freitag mit viel Spaß bei der Sache“, so Erkenbrecher.
Das Fußballcamp war der offizielle Auftakt für eine langfristige Kooperation zwischen der JSG Aue Kicker und dem VfL Wolfsburg. „Es gibt immer mehr Kinder, die lieber zu Hause an der Spielekonsole Fifa zocken, als selbst draußen zu spielen“, beschreibt der Jugendwart der TSV Burgdorf Rolf Tameling. Die Corona-Epidemie habe diese Tendenz sogar noch verstärkt. „Um sie wieder zu uns auf den Platz zu locken, brauchen wir ein starkes Zugpferd“, begründet Tameling. Und da setze man auch auf den klangvollen Namen des VfL Wolfsburg.
Die Kooperation solle aber nicht nur ein werbewirksames Aushängeschild sein, versichert er. Es gehe vor allem auch darum, das Jugendtraining noch attraktiver und besser zu machen. „Wir Trainer denken ja oft, dass wir schon alles wissen, aber wir können noch viel dazulernen“, zeigt er sich überzeugt. Das habe bereits ein Lehrgang gezeigt, den der VfL Wolfsburg kürzlich für die Übungsleiter der JSG angeboten habe.
Und auch das VfL-Fußballcamp in den Herbstferien lebte von neuen Konzepten und Trainingsmethoden, die bei den Kindern gut ankamen. „Wir setzen auf den sogenannten Spielintelligenz-Ansatz. Das heißt, wir rufen nicht vom Spielfeldrand rein, was sie machen sollen. Sondern die jungen Spieler lernen, die Situationen selbst wahrzunehmen, zu verstehen und zu entscheiden“, erläutert Jonas Garzke vom VfL.
Gespielt wurde im neuen Modus „Funino“. Dabei kicken die Kinder in kleinen Gruppen verteilt auf mehrere Feldern mit jeweils vier Mini-Toren. „Das Konzept lebt von vielen Zweikämpfen und Dribbling. Häufige Spielerwechsel sorgen dafür, dass niemand lange auf der Bank sitzen muss“, erläutert Dirk Bierkamp, Vorsitzender der Fußballabteilung der TSV Burgdorf. In einigen Bundesländern werde dieses Konzept bereits angewandt und auch in Niedersachsen solle es demnächst eingeführt werden. Und so stand der ein oder andere Übungsleiter der JSG Aue Kicker während der fünf Tage öfter mal am Spielfeldrand, um sich schon einmal ein bisschen was für den regulären Trainingsbetrieb abzuschauen.
Der Kontakt zwischen der JSG Aue Kicker und dem VfL Wolfsburg ist über Marko Kresic zustande gekommen, der selbst einst bei der TSV Burgdorf gespielt hat. Jetzt leitet er die VfL-Erlebniswelten und ist damit auch für die Fußballschule des Vereins zuständig. Insgesamt pflegt der VfL rund 120 solcher Vereins­partnerschaften und setzt dabei nach eigenem Bekunden auf eine nachhaltige Wirkung. „Wir wollen nicht nur für ein einwöchiges Fußballcamp nach Burgdorf kommen, hier unser Programm abspulen und dann wieder für ein Jahr verschwinden“, betont Garzke. Stattdessen wolle man die JSG langfristig unterstützen.
Und auch die ein oder andere Fahrt nach Wolfsburg dürfte für die Burgdorfer Nachwuchsspieler künftig auf dem Programm stehen: Denn sie bekommen jedes Jahr 80 Freikarten für Heimspiele des Bundesligisten. „Und im November wollen wir mit unserer A-Jugend erstmals an einer Arena-Führung in Wolfsburg teilnehmen, die wir ebenfalls kostenlos erhalten“, kündigt TSV-Jugendwart Rolf Tameling an.
Und was hat der VfL von alledem? „Es geht uns vor allem darum, dem Breitensport etwas zurückzugeben“, betont Garzke. Denn ohne das ehrenamtliche Engagement der zahlreichen Amateurvereine im Kinder- und Jugendbereich sei auch der Profi-Fußball nicht denkbar,

Die Aue Kicker

Die Fußballer der TSV Burgdorf, FC Burgdorf und SV Sorgensen haben die JSG Aue Kicker im Juli gegründet. Gemeinsam trainieren sie jetzt rund 250 Kinder und Jugendliche und könnenin allen Altersklassen Mannschaften für den Punktspielbetrieb anmelden.