72-Jähriger misst sich im Fünfkampf

Jürgen Rudert fühlt sich bestens vorbereitet auf die Deutsche Seniorenmeisterschaft im Leichtathletik-Fünfkampf.
 
1987 sprang Jürgen Rudert im 6,45 Meter weit. (Foto: privat)

Jürgen Rudert aus Burgdorf tritt bei der Seniorenmeisterschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes an

Burgdorf (fh). Der Burgdorfer Sportler Jürgen Rudert will es noch mal wissen: Am 21. und 22. August tritt der 72-Jährige bei der Deutschen Seniorenmeisterschaft im Leichtathletik-Fünfkampf an, die im thüringischen Zella Mehlis ausgetragen wird. „Auf Bundesebene ist es für mich das erste Mal seit 30 Jahren und es soll auch das letzte Mal sein“, sagt er. Er sei aber überzeugt, dass er mit den anderen Teilnehmern mithalten könne.
Schließlich habe er seit Mitte März insgesamt etwa 35 Trainingseinheiten absolviert. „Dafür bin ich zweimal pro Woche in den Landkreis Peine gefahren, wo ich trotz der Corona-Epidemie ganz alleine auf einer offenen Anlage trainieren konnte“, so Rudert. Egal ob bei kalten 6 Grad, Regen, Wind oder jetzt bei der großen Hitze –der 72-Jährige hat sein Trainingsprogramm nach eigener Aussage diszipliniert durchgezogen.
Gegenüber seinen Ergebnissen vor zwei Jahren habe er sich dadurch deutlich gesteigert. Damals habe er die 100 Meter in 17,25 Sekunden zurückgelegt – jetzt sei er wieder bei 14,87 angekommen. „Das habe ich per Hand gestoppt. Und selbst wenn bei der elektronischen Messung noch ein bisschen was oben drauf kommt, ist das noch eine gute Zeit“, betont Rudert. Auch in den fünf Disziplinen, die er bei dem Wettkampf absolvieren muss – 200 Meter Sprint, Speerwurf, Weitsprung, Diskus und 1500 Meter Lauf – habe er sich merklich verbessert.
Dass er seine Leistungen auch mit 72 Jahren wieder steigern könne, schiebt er darauf, dass er beim Laufen, Springen und Werfen immer großen Wert auf die Technik gelegt habe. „Ich habe fast jede Disziplin von der Pike auf gelernt. Daran kann man auch nach einer Pause mit intensivem Training wieder anknüpfen“, beschreibt er. Deshalb nehme er seine Übungseinheiten oft mit Kamera und Stativ auf, um seine Fehler zu analysieren. Sein Alter werde ihm vor allem bewusst, wenn er sich die Videos von seinen Sprints anschaue. „Beim Laufen habe ich das Gefühl, super schnell zu sein. Im Film wirkt das dann aber unglaublich lahm“, beschreibt er mit einem Augenzwinkern.
Für den Wettkampf in Zella Mehlis hat er sich vor allem angemeldet, weil er sich mit dem mehrfachen Seniorenmeister Basilius Balscharlarski vom TuSpo Borken messen will. „Wir kennen uns schon seit langem und sind uns bei Wettbewerben immer wieder begegnet. Ich habe ihm versprochen, irgendwann auch mal im Fünfkampf gegen ihn anzutreten“, begründet Rudert. Das wolle er nun wahr machen, auch wenn er keine Chance habe, an ihm vorbeizukommen. „Wenn es gut läuft, werde ich Vizemeister, sonst vielleicht Vierter oder Fünfter“, sagt der Burgdorfer selbstbewusst. Dabei wird er übrigens für keinen Burgdorfer Verein antreten, sondern für den Polizeisportverein (PSV) Burg aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt, dem er sich Anfang dieses Jahres angeschlossen hat.
Gewissermaßen eine Rückkehr zu den Ursprüngen: Denn zur Leichtathletik ist Jürgen Rudert über seinen Beruf als Bundespolizist gekommen. Von 1975 an sei er mehrfach bei einem speziellen Polizei-Fünfkampf angetreten, zu dem unter anderem ein Waldlauf, Schießen und Schwimmen gehörten. Dafür sei er zeitweise sogar an die damalige Sportschule des Bundesgrenzsschutzes abgeordnete worden, um sich intensiv auf die Wettkämpfe vorbereiten zu können. „Diese Sportlerkarriere war 1989 schlagartig beendet, als ich nach dem Mauerfall für die Registrierung der Flüchtlinge aus der DDR eingeteilt wurde“, blickt er zurück. Der Schichtdienst habe kein intensives Training mehr zugelassen.
Schon vorher habe er aber begonnen Leichtathletik auch im Verein zu betreiben, unter anderem bei der TSV Burgdorf. Das habe er fortgeführt. Während er sich am Fünfkampf in den zurückliegenden Jahrzehnten vor allem auf Landes- und Bezirksebene beteiligte, trat er im Stabhochsprung auch auf Bundesebene an und wurde 14 Mal Deutscher Meister in seiner jeweiligen Altersklasse, zuletzt 2018.