"Weil Burgdorf meine Heimat ist"

Judith Rohde stellte im Benefizz-ErzählCafé das Buch "Das ist das Ende!" vor

BURGDORF (gb). Am vergangenen Mittwochabend hat Dr. Judith Rohde, Sprecherin und Vorsitzende des "Arbeitskreises Gedenkweg 9. November", das weit über Burgdorfs Stadtgrenzen hinausweisende, lokalhistorische Nachschlagewerk "Das ist das Ende!" vorgestellt. Den Rahmen dafür bildete das ErzählCafé im ökumenischen Benefizz-Laden in der Hannoverschen Neustadt, dessen "schöne Tradition", so Gastgeberin Marita Könecke, damit fortgesetzt wurde.
"Das ist das Ende!" ist ein Buch, das auf den langjährigen Recherchen des verstorbenen Pastors Rudolf Bembenneck zu Biographien und Schicksalen von jüdischen Mitbürgern in Burgdorf während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beruht. Die Fülle an Fotografien, Akten- und Archivmaterial wurden nach dem Tod Bembennecks im Januar 2018 von Judith Rohde gesammelt und gesichtet, chronologisch geordnet und für die vorliegende Publikation zusammengestellt. In Sisyphusarbeit hat Judith Rohde die zeitliche Abfolge kleiner Geschichten in Burgdorf und den Gang der großen Geschichte (1933-1945) miteinander verknüpft. So ist ein bewegender Wegweiser zu den Lebensläufen der Jüdinnen und Juden in Burgdorf entstanden, die auf dramatische Art und Weise von Ausgrenzungen und Arisierungen ("Entjudung") bis hin zu Deportationen überschattet waren. Enteignung und Entjudung bedeuteten die Verdrängung von Juden und "jüdischen Mischlingen" aus Handel und Gewerbe, aus Häusern, Wohnungen und Wissenschaft - ganz so wie es die "Nürnberger Gesetze" vom September 1935 vorsahen.
"Das ist das Ende!", war der vorausahnende Ausruf von Schlachtermeister Hermann Cohn, als er am 31. Januar 1933 aus dem Burgdorfer Kreisblatt von Hitlers Machtergreifung erfuhr, und der nun dem Buch den Titel ab. Die Nachricht war der Beginn einer schrecklichen Leidenszeit von insgesamt 104 jüdischen Menschen, die mit Burgdorf verbunden waren, weil sie hier aufgewachsen und gelebt haben oder Angehörige und Freunde von Burgdorfer/innen waren. "Weil Burgdorf meine Heimat ist", lautete häufig die Antwort auf die Frage, warum sie die Stadt und das Land nicht verlassen wollten. Im Januar 1934 waren 37 Einwohner als Menschen "mosaischer Religion" gemeldet - 1943 waren es nur noch zwei. Julie und Johanne Simon wurden drei Monate später deportiert...
"Ich habe lange Zeit über das Konzept gebrütet. Ausgangspunkt war schließlich mein vorletztes Gespräch mit Rudolf Bembenneck, den Einzelnen in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen ihre Geschichte und Würde zurückzugeben", erklärte Rohde den gut 60 Besuchern. Darunter St. Pankratiuspastor i.R. Michael Schulze und der ehemalige Leiter der Burgdorfer IGS, Rudolf Alker, die seit Kurzem Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule heißt.