Vom Reck in den Rollstuhl?

Nicht nur Ältere sind von Pflegebedürftigkeit betroffen. Ein schwerer Sportunfall kann die Lebensplanung jüngerer Menschen völlig verändern. (Foto: Birgit Malchow/be.p)

Die Pflegeversicherung zahlt rückwirkend

REGION. (be.p) Niemand ist darauf vorbereitet, plötzlich pflegebedürftig zu werden. Schon ein schwerer Sportunfall kann die ganze Lebensplanung auf den Kopf stellen. Sobald sich abzeichnet, dass der Betroffene künftig Pflege brauchen wird, müssen die organisatorischen Vorbereitungen für die Zeit nach dem Krankenhaus beginnen. Meist ist das Sache der Angehörigen. Auch für sie ist das eine dramatische Situation und das System der Pflegeversicherung schwer zu durchschauen. Wo fängt man an?
Unverzüglich sollte ein Antrag auf eine Pflegestufe bei der zuständigen gesetzlichen oder privaten Pflegeversicherung gestellt werden. Denn auch, wenn der Gutachter erst nach Wochen kommt und die Pflegestufe noch später festgestellt wird: Gezahlt wird ab dem Tag der Antragstellung. Das heißt, die bis zur Feststellung der Pflegestufe angefallenen Ausgaben werden rückwirkend erstattet. Wurde beispielsweise für den Betroffenen nach der Klinikentlassung ein ambulanter Pflegedienst engagiert und aus eigener Tasche bezahlt, werden nach der Zuerkennung der Pflegestufe I bis zu 440 Euro monatlich zurück überwiesen.
Sobald der Betroffene zu Hause ist, sollten er und seine Angehörigen unbedingt die kostenfreie neutrale Pflegeberatung nutzen. Jeder hat Anspruch darauf. Manche gesetzlichen Kassen haben eigene Berater, man kann sich aber auch an die Pflegestützpunkte wenden. Für privat Versicherte gibt es einheitlich die Compass-Pflegeberatung, die telefonisch unter 0800-1018800 erreichbar ist. Bei dem Gespräch können die Pflegeberater auch beurteilen, welche baulichen Veränderungen eventuell nötig sind. Sie helfen beim Beantragen der Zuschüsse, haben den Überblick über ambulante Dienste und andere Hilfsangebote in der Region. Sie kennen auch die Möglichkeiten, neben den Leistungen der Pflegeversicherung andere Finanzquellen, wie etwa das Sozialamt oder die Unfallkasse, zu nutzen. Zudem haben die Pflegeberater auch die Informationen zu den möglichen Hilfsmitteln - das können ein spezielles Bett mit Anti-Dekubitusauflage, ein mobiler Badewannenlift oder ein Rollstuhl sein. (be.p)
Uwe Strachovsky