Pflegezusatz rechtzeitig abschließen

Oftmals ist es für den Vertragsabschluss zu spät

REGION. (be.p) Alle Bundesbürger sind pflegepflichtversichert - entweder gesetzlich oder privat. Im Unterschied zur Krankenversicherung sind die Leistungen hier identisch. Damit trifft die finanzielle Belastung im Pflegefall alle Versicherten gleichermaßen. Denn die gesetzlich vorgegebenen Versicherungsleistungen reichen in der Regel nicht aus, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Das gilt nicht nur für die oft zitierte Betreuung in einem Pflegeheim. Wird beispielsweise ein Pflegebedürftiger mit Stufe III in seiner Wohnung von einem ambulanten Dienst versorgt, kann das ohne weiteres rund 2.700 Euro kosten. Dabei schlägt allein die Position „dreimal täglich Nahrungsaufnahme“ mit etwa 1.000 Euro zu Buche, die tägliche „große Körperpflege“ mit rund 550 Euro. Die Pflege-Pflichtversicherung überweist bei Stufe III insgesamt 1.510 Euro an den ambulanten Pflegedienst, knapp 1.200 Euro muss der Pflegebedürftige selbst zahlen. Hinzu kommen noch die Miete und mindestens die Kosten für Lebensmittel. Die Wenigsten haben eine solch hohe Rente. Sie müssen also an ihre Ersparnisse heran. Sind die aufgebraucht, springt zunächst das Sozialamt ein. Es prüft aber dann bei den Kindern des Pflegebedürftigen, ob sie an den Kosten beteiligt werden können.
Entgehen kann man den enormen Belastungen im Pflegefall, indem man rechtzeitig vorsorgt. Langfristiges, zielgerichtetes Sparen ist eine Möglichkeit. Die andere ist eine Pflege-Zusatzversicherung. Bisher wird davon aber relativ wenig Gebrauch gemacht: Gerade einmal 1,9 Millionen Verträge werden registriert. Das kann zwei Gründe haben: In jungen Jahren beschäftigt man sich naturgemäß kaum mit dem Thema „Pflegebedürftigkeit“. Erst, wenn in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis jemand zu pflegen ist, wird man sensibilisiert. Dann aber - und das ist möglicherweise der zweite Grund - ist es oft zu spät. Denn für eine private Pflegezusatzversicherung ist eine Gesundheitsprüfung obligatorisch. Bei Vorerkrankungen kann der Antrag also abgelehnt oder mit Risikozuschlägen belegt werden. Außerdem ist der Beitrag umso teurer, je älter man bei Vertragsabschluss ist.. (be.p)
Uwe Strachovsky