Formidable Femmage an die "witzigste Feministin Deutschlands"

Nikola Müller, Isabel Rohner und Gerd Buurmann (v.li.) stellten in Burgdorf das Leben und Werk von Hedwig Dohm kurzweilig und quicklebendig vor. Foto: Georg Bosse
 
Die Moderation des Abends oblag Gerd Buurmann, der sich hin und wieder unter die amüsierten Zuschauer/innen mischte. Foto: Georg Bosse

"Hedwig Dohm-Trio" brillierte im Burgdorfer Schloss mit "Mehr Mut, ihr Frauen!"

BURGDORF (gb). Hedwig Dohm (*1831) war eine frühe Vordenkerin des Feminismus. Bereits in der ersten Hälfte der 1870er Jahre erschienen ihre ersten vier Bücher, in denen sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Männern und Frauen forderte. Im Jahr ihres Todes (1919) wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt.
Querdenkerin Hedwig Dohm lieferte sich mit dem klassischen Philologen und Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900) wahre Wortgefechte. Ihre wunderbar witzigen und ironischen Texte haben bis heute nichts an Aktualität und Frische verloren - wie gemacht für das "Hedwig Dohm-Trio", das am jüngsten Weltfrauentag (8. März) unter der Aufmunterung "Mehr Mut, ihr Frauen!" ein unterhaltsames Gastspiel im Ratssaal des Burgdorfer Schlosses am Spittaplatz ablieferte.
Für die Hommage - Pardon, Femmage - an die scharfsinnige und brillante Autorin hatte sich die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Burgdorf, Gastgeberin Petra Pape, erstmals männliche Unterstützung vom SCENA-Vorsitzenden Matthias Schorr an die Seite geholt.
Die von Dohm mit spitzer Feder verfassten literarischen Texte und ihre geistreichen Gedanken wurden von der schweizerisch-deutschen Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Isabel Rohner, von Historikerin Nikola Müller sowie von Schauspieler Gerd Buurmann vor dem überwiegend weiblichen Publikum kurzweilig und quicklebendig in Szene gesetzt.
Hedwig Dohm, die sich schon vor über 100 Jahren über Männlichkeitswahn und Aussagen von Antifeministen/innen scharfsinnig und humorvoll lustig gemacht hatte, wurde von der Frankfurter Rundschau als "witzigste Feministin Deutschlands" beschrieben.
Gerd Buurmann zitierte beispielsweise Friedrich Nietzsche: "Ihr erster und letzter Beruf soll sein, Kinder zu gebären" und weiter: "Ein Mann, der Tiefe hat, kann über das Weib nur orientalisch denken, ... er muss das Weib als Besitz, als verschließbares Eigentum, als etwas zur Dienstbarkeit Vorherbestimmtes auffassen." Nietzsche plädierte für den Harem. Das konterte Hedwig Dohm: "Die Männer möchten auch nicht gern Eunuchen sein und doch gehört zum Harem - wahrscheinlich infolge der ungeheuren Vernunft Asiens - auch der Eunuche. Es gibt auch bei uns viele Frauen, die eingeschlossener Besitz nicht für einen, sondern für alle Männer sind. Den Namen für diesen Harem unterdrücke ich." Zum Jubiläum "100 Jahre Frauenwahlrecht" gilt immer noch, was die deutsche Pionierin des Feminismus zu ihrer Zeit formulierte: "Es gibt keine Freiheit der Männer, wenn es nicht eine Freiheit der Frauen gibt. Wenn eine Frau ihren Willen nicht zur Geltung bringen darf, warum soll es der Mann dürfen?" So hätten die szenischen Darbietungen des "Hedwig Dohm-Trios" auch mit "Mehr Mut, ihr Männer!" überschrieben sein können.


100 Jahre Frauenwahlrecht und Internationaler Frauentag
Zum ersten Mal forderten am 19. März 1911 mehr als eine Million Menschen in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweiz, dass Frauen Ämter bekleiden und wählen dürfen. Außer in Finnland waren zu diesem Zeitpunkt nirgends in Europa Frauen zur Wahl zugelassen. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden. Es fanden allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung statt.
Am 8. März feiert die Welt den Internationalen Frauentag. Die Idee zum Internationalen Frauentag stammt von Clara Zetkin (1858- 1933), einer Ikone der proletarischen Frauenbewegung. Die deutsche Sozialistin schlug auf der Zweiten Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines solchen Tages vor. Seit 1921 wird der Tag am 8. März begangen.
Als erstes und bislang einziges Bundesland hat Berlin den Internationalen Frauentag am 8. März zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss im Januar 2019 mehrheitlich eine entsprechende Gesetzesnovelle.