Ein Blick zurück und eine Vision voraus

Andrea Nehmer-Rommel (Mitte) mit ihrem tüchtigen Team der Stadtbücherei Burgdorf. Foto: Georg Bosse

Stadtbücherei Burgdorf feiert 90jähriges Jubiläum

BURGDORF (gb). Dass sich die Stadt Burgdorf bereits seit 90 Jahren diese Bildungs- und Kultureinrichtung leiste, sei schon etwas Besonderes, begrüßte Büchereileiterin Andrea Nehmer-Rommel am vergangenen Donnerstagabend die Gäste der literarisch-kulinarischen Jubiläumsfeier im Ratssaal des Schlosses am Spittaplatz. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Festprogramm, das vom Sommerhaus Events-Gründer Frank Sommer sowie von Schauspielerin Marjam Azemoun gestenreich und wortmächtig vorgetragen wurde.
Er habe schon vor 20 Jahren der Burgdorfer Stadtbücherei eine gute und lange Zukunft prophezeit, begann Bürgermeister Alfred Baxmann sein Grußwort, nicht ohne daran zu erinnern, dass in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten mancher versucht habe, die Axt an die Wurzeln der Bücherei zu legen: "Die Axt war stumpf, denn die Stadtbücherei ist unverzichtbar. Das finanzielle Gerüst in Höhe von 450.000 Euro jährlich, davon 278.000 Euro Personalkosten, ist gut angelegtes Geld, um den Kulturschatz "Bibliothek" für die Stadt zu bewahren." Und er sei sicher, dass die Stadtbücherei in zehn Jahren ihr stolzes 100jähriges Bestehen feiern könne.
Für das literarisch-geschichtliche Festprogramm zum Burgdorfer Bibliotheksjubiläum nahmen die Berliner Künstler Marjam Azemoun und Frank Sommer das Publikum auf eine unterhaltende, mit kabarettistischen Elementen gespickte Reise zu den Anfängen der Einrichtung mit.
Mit 120 Bändern wurde 1929 die Burgdorfer Volksbücherei gegründet. 1936 standen schon 1000 Bücher, überwiegend historische Romane und Kriegsliteratur, in den Regalen. Zwei Jahre später fand sie sich im Ratssaal der leerstehenden Synagoge wieder. 1945, nach Kriegsende, wurde der vorhandene Lesestoff von 700 Exemplaren "gesäubert". Nach den häufigen Standortwechseln innerhalb der Burgdorfer Stadtmauern erhielt die Bildungseinrichtung 1971 ihren bislang festen Platz an der Sorgenser Straße 3 und wurde 1976 als Stadtbücherei von der Stadt Burgdorf übernommen. 1981 war die Stadtbücherei Burgdorf die leistungsstärkste unter den Kleinstädten in Niedersachsen.
Die fortschreitende Digitalisierung erforderte 1996 eine neue EDV-Anlage, mit der die Bücher nun per Barcode erfasst werden. Ende 2006 übernahm Dipl.-Bibliothekarin Andrea Nehmer-Rommel die Büchereileitung.
Von Frank Sommer auf Visionen für die Zukunft angesprochen antwortete die Büchereileiterin, dass sie die öffentliche Bibliothek als Ort der Begegnungen weiter ausbauen wolle, und: "Ich wünsche mir, dass die baulichen Barrieren innerhalb des Gebäudes verschwinden und mehr Hinweisschilder in der Stadt."