Das Leben lieben und den Frieden suchen

Superintendentin Sabine Preuschoff hielt die Volkstrauertagsansprache 2018 am Ehrenmal im Burgdorfer Stadtpark. Foto: Georg Bosse

Gegen Nationalismus und Rassismus – für Freiheit und Demokratie

BURGDORF (gb). Der Volkstrauertag 2018 war ein besonderer Gedenktag. 370 Jahre nach dem Westfälischen Frieden, der den 30jährigen Krieg (1618-1648) beendete, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs und 80 Jahre nach der Reichspogromnacht. Die Besonderheit gerade in diesem Jahr zeigte sich darin, dass die Bundesregierung und der veranstaltende Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur zentralen Gedenkfeier im Deutschen Bundestag den französischen Präsidenten Emmanuel Macron nach Berlin eingeladen hatte. Für seine bewegende und versöhnende Rede, die an das Leid und die unzähligen Opfer der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts (1914-1918) erinnerte sowie für seinen Blick in eine gemeinsame und friedliche Zukunft in Europa, erhielt Emmanuel Macron von den anwesenden Festgästen langanhaltende stehende Ovationen.
In Burgdorf hielt Superintendentin Sabine Preuschoff die Gedenkansprache am Ehrenmal im Stadtpark unter der Überschrift „Das Leben lieben und den Frieden suchen“. Flankiert vom Feuerwehrmusikzug Burgdorf/Hänigsen und von Abordnungen der Freiwilligen Kernstadtwehr, der Burgdorfer Schützengesellschaft sowie von Mitgliedern der Marine- und Reservistenkameradschaft, sagte Sabine Preuschoff: „Die Geschichte hat uns gezeigt, dass wir Menschen wohl nicht in der Lage sind, aus unendlichem Leid und Schuld zu lernen.“ „Liebet den Frieden“ - auch das steht auf dem Ehrenmal. In Deutschland leben die Menschen heute in Frieden. Aber braunes Gedankengut wird wieder gesellschaftsfähig. Dazu sagte die Superintendentin: „Die Erfahrungen der Gegenwart in aller Welt und auch in unserem Land zeigen uns, dass wir trotz unsäglicher Geschichte nicht gefeit sind. Nur Verblendete können beim Nationalsozialismus von einem „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte sprechen. Wir müssen wach sein, wenn Menschen von „Umvolkung“ reden oder rufen „Wir holen uns unser Land zurück“. Und wenn Pegida-Vertreter hetzen und Menschen aufwiegeln.“
Demokratie entspricht nach christlichem Verständnis der durch Gottes Schöpfung verliehenen Würde, Freiheit und Gleichheit aller Menschen. In einer so aufgewühlten Zeit wie heute bleibt es eine fortwährende Aufgabe, sich gegen Nationalismus und Rassismus, daneben aber für Demokratie und ein friedliches Zusammenleben in einem gemeinsamen Europa einzusetzen. „So stehen wir hier zum Gedenken und Mahnen. Liebet den Frieden!“, betonte Sabine Preuschoff und schloss ihre Ansprache mit der Jahreslosung für das kommende Jahr, die für Christen und Menschen anderer Weltanschauung ein gemeinsames Ziel formuliert: „ Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der...suche Frieden und jage ihm nach.“ (1. Petrus Kapitel 3, Vers 10f)