Auch im Alter noch "Fit im Auto" sein

Das Auto sorgt (gerade) auch im Alter für Lebensqualität. Deshalb gab Polizeioberkommissarin Stefanie Eckler wichtige Hinweise zum aktuellen Verkehrsgeschehen, zum Mitführen von vorgeschriebenen Verbandskästen und Warnwesten sowie zu Ursachen für möglicherweise eingeschränkte Wahrnehmung. Foto: Georg Bosse
 
Wolfgang Schüttler (li.) aus Burgdorf war einer der Teilnehmer bei "Fit im Auto", der sich sein Wissen und Können von PI-Verkehrssicherheitsberatin Stefanie Eckler und Fahrsicherheitstrainer Claus Kunath (v.re.) auffrischen ließ: Foto: Georg Bosse

Stressfreies Training für Senioren festigt sicheres Autofahren

BURGDORF/ALTKREIS (gb). Ein großer Wunsch älterer Menschen ist es, im hohen Alter selbstbestimmt am Alltag teilzunehmen. Dazu gehört für sie auch mobil zu sein und sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können. Ein auffrischendes Fahrtraining, "Fit im Auto", das von der Landesverkehrswacht Niedersachsen e.V. seit 2015 erfolgreich umgesetzt wird, bietet allen Senioren/innen ab 65 Jahren die Möglichkeit, das eigene Können hinter dem Lenkrad praktisch zu testen und gemeinsam mit Experten auf Herz und Nieren zu prüfen. Mit Gleichgesinnten und ganz ohne (Prüfungs-)Stress.
Unter diesen Vorzeichen waren am Montagvormittag vor dem Osterfest ein Dutzend Teilnehmer/innen aus Sehnde, Lehrte und Isernhagen sowie aus Burgdorf und Uetze dem Angebot der Landesverkehrswacht gefolgt und hatten sich bei Claus und Helga Kunath (Ronnenberg) in den Räumlichkeiten des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Burgdorf "Vor dem Hannoverschen Tor" eingefunden. 
Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden ASB-Kreisverbandsvorsitzenden Werner Guder (Gehrden), begann Polizeioberkommissarin und Verkehrssicherheitsberaterin Stefanie Eckler von der Polizeiinspektion (PI) Burgdorf mit dem Theorieteil dieses sinnvollen Seminars und wartete gleich mit beeindruckenden Zahlen auf: "Von 1950 bis 2019 hat sich die Anzahl von Kraftfahrzeugen auf Deutschlands Verkehrswegen von 2,7 auf 64,7 Millionen enorm erhöht. Das zeigt, wie komplex das Verkehrsgeschehen auf und neben den Straßen heute geworden ist." Gutes Sehvermögen und gutes Gehör sind die "Schlüsselsinne" zur deutlichen Wahrnehmung dessen, was alles um uns herum passiert. "Etwa 30 Prozent der über 65-Jährigen hören nur noch eingeschränkt. Deshalb wäre im fortgeschrittenen Alter eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung ratsam", empfahl die Verkehrssicherheitsberaterin.
Im Alter treten allerdings auch zunehmend körperliche "Wehwehchen" auf, die beim Führen eines Kraftfahrzeugs den Schulterblick beim Spurwechsel und das Rückwärtsfahren erschweren können. Darüber hinaus kann bei Senioren/innen die Einnahme notwendiger Medikamente, die längere Reaktionszeiten bewirken, eine Unfallursache sein. "Das Weglassen oder mögliche Wechselwirkungen, auch mit Alkohol, können die Fahrtauglichkeit ebenfalls stark beeinträchtigen", sagte Stefanie Eckler.
Immerhin: Der 55. Verkehrsgerichtstag in Goslar hatte im Januar 2017 Forderungen nach Pflichtuntersuchungen für über 75-Jährige abgelehnt. „Für die Einführung genereller, obligatorischer und periodischer Fahreignungsprüfungen gibt es derzeit keine Grundlage. Allerdings solle man „Instrumente zur besseren Einschätzung der eigenen Fahrkompetenz“ entwickeln“, hieß es in dem Beschluss des Expertengremiums. Das war ein Appell an die eigene Verantwortung, die die 12 Teilnehmer/innen an "Fit im Auto" anerkennenswert übernommen hätten, lobte die Polizeibeamtin.
Nach der Theorie verteilten sich sechs Teilnehmer/innen auf zwei Fahrschulwagen, um sich in den Realverkehr zu begeben. Die anderen Sechs machten mit Fahrsicherheitstrainer Claus Kunath im Burgdorfer Gewerbegebiet "Nordwest" Fahrübungen mit dem eigenen Wagen. Zur Abschlussbesprechung mit letzten Tipps bekamen die "aufgefrischten" Senioren/innen jeweils eine Teilnahmebestätigung mit auf die Heimfahrt.
Das Projekt „Fit im Auto“ ist ein guter Weg, sich im Alter weiter selbstbestimmt und sicher im Straßenverkehr bewegen zu können. Interessierte, die an einem der kommenden "Fit im Auto"-Termine in der Region teilnehmen möchten, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer: (05109) 513 947 oder per Email: kunath.ronnenberg@t-online.de anzumelden. Die Teilnahmegebühr für das rund fünfstündige "Fit im Auto" beträgt 60 Euro p.P. Die Hälfte davon, 30 Euro, übernimmt die Region Hannover.