Zwischen Anpassung und Moral

In dem Stück "Jugend ohne Gott" werden dem Lehrer (vorne, Mitte) seine Schüler zusehends fremd. (Foto: TfN)

Am 24. Januar 2020 gastiert das Schauspiel „Jugend ohne Gott“ im Theater am Berliner Ring

BURGDORF (r/fh). Unter Verleugnung seiner humanistischen Ideale erzieht ein Lehrer im nationalsozialistischen Deutschland die Jugend zum Krieg und sieht sich bald vor eine existenzielle Entscheidung gestellt: Am Freitag, 24. Januar, wird im Theater am Berliner Ring das Schauspiel "Jugend ohne Gott" aufgeführt. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman, den der deutsch-ungarische Autor Ödön von Horvath 1937 veröffentlichte. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums, Berliner Ring 27. Vorher findet ab 19.30 Uhr kostenlose Einführung in die Bühnenhandlung statt.

Teilnahmslose Mitläufer

„Jugend ohne Gott“ gilt heute als eines der Hauptwerke der deutschen antifaschistischen Literatur. Im Mittelpunkt steht ein namenloser Lehrer, der im nationalsozialistischen Deutschland Mitte der 1930er Jahre Geschichte und Geografie an einem Gymnasium unterrichtet. Unter Verleugnung seiner humanistischen Ideale, die als „Humanitätsduselei“ verspottet werden, muss er die Jugend „moralisch zum Krieg“ erziehen. Seine Schüler werden ihm fremd, da sie sich scheinbar problemlos mit dem neuen entmenschlichten System des „Dritten Reiches“ arrangiert haben und dabei zu teilnahmslosen Mitläufern degeneriert sind, denen jede Vorstellung von moralischen Werten abhanden gekommen ist. Als in einem vormilitärischen Ausbildungslager ein Schüler gewaltsam ums Leben kommt, muss der Lehrer eine existentielle Entscheidung treffen: Den Weg der Anpassung und des Schweigens weitergehen, oder aber die Wahrheit sagen und damit sein Leben gefährden?

Eine verlorene Jugend

In seinem 1937 abgeschlossenen dritten Roman entspinnt der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth eine packende Kriminalgeschichte und zeichnet gleichzeitig ein scharfes und erschütterndes Bild seiner Zeit: Er schildert die Kälte, die Verlogenheit und den Populismus der Gesellschaft, in der eine verlorene Jugend heranwächst. Die Fragen des Lehrers nach Verantwortung, Moral und der Notwendigkeit eigenen Handelns stellen sich heute genauso drängend wie damals. Durch die Verfilmung mit Fahri Yardim und Iris Berben aus dem Jahr 2017 war der Roman wieder in aller Munde.
Die Bühnenfassung stammt von Alice Asper, die auch für die Inszenierung verantwortlich ist. In dem Gastspiel des Theaters für Niedersachsen (TfN) sind zu sehen: Dennis Habermehl (Der Lehrer), Jonas Kling (Zachi), Jonas Nowack (Timi), Emma Henrici (Olli), Karla Hennersdorf (Eva), Martin Schwartengräber (Caesar/ Feldwebel 3/ Moderator), Michaela Allendorf (Lehrerin/ Feldwebel 1/ Präsidentin/ Mutter von Timi) und Simone Mende (Direktorin/ Feldwebel 2/ Mutter von Nicki/ Mutter von Zachi).