Zweiter Anlauf für den Neubau

Die Gudrun-Pausewang-Grundschule soll an ihrem angestammten Standort an der Grünewaldstraße einen Neubau erhalten. Das alte Gebäude wird anschließend abgerissen.
 
Die Schulleiterin der Gudrun-Pausewang-Grundschule Dorit Steenken freut sich über die Entscheidung für den Neubau.

Planungen für die Gudrun-Pausewang-Grundschule beginnen / Projekt kostet mindestens 20 Millionen Euro

Burgdorf (fh). Die Gudrun-Pausewang-Grundschule in der Südstadt soll in den nächsten Jahren einen Neubau erhalten – zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Das haben die Kommunalpolitiker bei der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses am vergangenen Dienstag beschlossen. Schulleiterin Dorit Steenken zeigt sich zufrieden: „Ich freue mich sehr, dass der Beschluss gefasst wurde und es jetzt losgehen kann. Wir hoffen, in die Planung weiter einbezogen zu werden.“
Bereits 2017 war auf dem Gelände des Gymnasiums am Berliner Ring ein neues Gebäude für die Grundschule fertiggestellt worden. Doch noch bevor sie eingezogen war, zeichnete sich ab, dass es angesichts steigender Schülerzahlen bald zu klein sein würde. Sie trat ihren Neubau deshalb an die Realschule ab, die ihr Gebäude Vor dem Celler Tor wiederum komplett der Integrierten Gesamtschule (IGS) überließ, die ebenfalls aus allen Nähten platzte. Die Realschule hat mittlerweile ihre letzten Jahrgänge entlassen, der ursprüngliche Grundschulneubau wird jetzt vom Gymnasium genutzt.
Stadt und Politik hatten Lehrern, Schülern und Eltern der Gudrun-Pausewang-Grundschule damals versprochen, bald für Ersatz zu sorgen, haben sie aufgrund der Vielzahl von Bauvorhaben seitdem aber mehrfach vertröstet. Aus rechtlichen Gründen waren vor dem Planungsbeginn außerdem eine neue Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung nötig.
Diese Analysen hat das beauftragte Planungs- und Beratungsunternehmen Sikma jetzt vorgelegt. Demnach wird das Projekt insgesamt deutlich teurer, als bisher veranschlagt: Die Gesamtkosten für den Neubau einer vierzügigen Schule mit Zwei-Feld-Sporthalle beziffern die Planer auf 20 bis 25 Millionen Euro. In ihrem aktuellen Investitionsprogramm hatte die Stadt Burgdorf noch 16 Millionen Euro angesetzt. Das 2017 fertiggestellte Gebäude, ausgelegt für drei Klassen pro Jahrgang, hatte damals 12,5 Millionen Euro gekostet.
Nach dem Beschluss des Verwaltungsausschusses will die Stadt als nächstes eine Voruntersuchung in Auftrag geben und auf dieser Basis dann die Planungsleistung ausgeschrieben. Ein Entwurf soll bis zum Sommer 2022 vorliegen und für den Haushalt 2023/24 könnten dann die Investitionen eingestellt werden. Darüber hinausgehend macht die Stadt keine konkreten Angaben zum Zeitplan. „Wir können noch keine belastbaren Aussagen zum Baubeginn und zur Fertigstellung treffen“, sagt Stadtsprecherin Ale­xandra Veith auf Nachfrage.

Sanierung der Schule wäre noch teurer

Mit ihrer Entscheidung für den Neubau der Schule folgten die Kommunalpolitiker dem Vorschlag der Verwaltung. Denn eine Sanierung des bestehenden Gebäudes wäre noch deutlich teurer. Laut der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung würde sie zwischen 24 und 29 Millionen Euro kosten. Außerdem sei über die Jahre mit höheren Folgekosten beispielsweise für Reparaturen zu rechnen. Insgesamt bietet der Neubau nach Einschätzung der Fachleute ein Einsparpotenzial von rund 15 Prozent. Deshalb haben sich die Fraktionen bei der gemeinsamen Sitzung von Schul- und Bauausschuss am Montag schnell auf diese Variante geeinigt.
Streit gab es hingegen um die zugehörige Sporthalle. Ob sie ebenfalls durch einen Neubau ersetzt oder umfangreich saniert werden soll, haben die Kommunalpolitiker deshalb noch nicht festgelegt, sondern die Entscheidung vertagt. Denn dort liegen die Kosten für eine Sanierung auf der einen und einen Neubau auf der anderen Seite laut der Analyse deutlich dichter beieinander. Wenn sie die bestehende Drei-Feld-Halle mit Tribüne durch eine neue Zwei-Feld-Halle ohne Tribüne ersetzt, würde die Stadt demnach langfristig 500.000 Euro sparen – etwa 1,5 Prozent der Gesamtsumme inklusive Folgekosten.

SPD wirbt für Lehrschwimmbecken

Die SPD-Fraktion plädierte vor diesem Hintergrund für eine Sanierung der Drei-Feld-Halle mit Tribüne, weil diese langfristig sowohl der Grundschule mit weiter wachsenden Schülerzahlen als auch den Vereinen mehr Möglichkeiten biete. „Der große Mehrwert rechtfertigt die geringen Mehrkosten“, argumentierte SPD-Ratsfrau Christiane Gersemann. Außerdem schlug sie vor, im Zuge dessen auch das Lehrschwimmbecken wieder in Betrieb zu nehmen. Die Verwaltung solle ermitteln, welche Kosten das verursachen würde. „Die stetig steigende Zahl von Nichtschwimmern ist eine reale Gefahr. Dieses Problem wird sich nicht von alleine lösen“, appellierte Gersemann. Und die Kapazitäten im Hallenfreibad reichten für die örtlichen Schulen, Vereine und Schwimmkurse nicht aus.
SPD-Ratsfrau Christa Weilert-Penk bezeichnete die Schließung des Lehrschwimmbeckens im Zuge der Haushaltskonsolidierung vor rund zehn Jahren als Fehler. „Ich fand es schon damals falsch, es wegen 67.000 Euro Betriebskosten pro Jahr stillzulegen“, betonte sie. Denn dank des schuleigenen Beckens habe damals fast jedes Kind an der Gudrun-Pausewang-Grundschule schwimmen gelernt.
Ratsherr Mirco Zschoch, der kürzlich von der CDU zu den Liberal-konservativen Reformern (LKR) gewechselt ist, kritisierte den Vorschlag. „Die Schließung des Lehrschwimmbeckens war damals der einzige substanzielle Sparvorschlag aus den Reihen der SPD. Ich bin entsetzt, dass sie das jetzt wieder rückgängig machen will“, sagte er.

Bürgermeister kritisiert SPD-Vorschlag

Auch Bürgermeister Armin Pollehn reagierte auf den Vorschlag der SPD verärgert und warf ihnen vor, damit eine Abmachung zu brechen. Im vergangenen Jahr hatten die Burgdorfer Kommunalpolitiker lange darüber diskutiert, wie groß die Sporthalle des IGS-Neubaus werden soll. Als Kompromiss schlug Pollehn damals vor, dort die große Variante mit vier Feldern und Tribüne zu wählen, um damit auch den Bedarf der TSV-Handballabteilung und anderer Vereine abzudecken.
Dafür könne die Sporthalle der Gudrun-Pausewang-Grundschule dann auf zwei Felder verkleinert werden, um einen Teil der Mehrkosten für die IGS-Halle wieder einzusparen, so die Argumentation. „Wir haben das gemeinsam miteinander vereinbart. Ich bin deshalb bitter enttäuscht, dass die SPD das jetzt wieder infrage stellt“ sagte er.
Außerdem warf er der Partei mangelnde Kooperation bei der Haushaltskonsolidierung vor. „In der Debatte um Einsparmöglichkeiten habe ich von Ihnen keine konstruktiven Vorschläge mitbekommen, nur Ausbremsereien. Ich habe den Eindruck, dass Sie Maß und Mitte für unseren Haushalt verloren haben“, sagte er in Richtung der Sozialdemokraten. Aufgrund der Baustoffknappheit sei bei allen Bauvorhaben mit Preissteigerungen und eventuell auch Verzögerungen zu rechnen. „Es ist unverantwortlich, wenn die Politik in dieser Situation immer noch etwas obendrauf legen will“, sagte er. Der Haushaltsplan der Stadt sei völlig ausgereizt. „Wenn nicht endlich Konsolidierungsvorschläge kommen, weiß ich wirklich nicht, wo all das Geld herkommen soll!“, schloss Pollehn.

Entscheidung über Sporthalle vertagt

Die CDU/FDP-Gruppe hielt sich in der aufgeheizten Diskussion auffällig zurück und ihr Sprecher Klaus Köneke machte schließlich einen Kompromissvorschlag. Er warb dafür, die Entscheidung über die Sporthalle auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen und in Ruhe zwischen Neubau und Sanierung gegebenenfalls mit Reaktivierung des Lehrschwimmbeckens abzuwägen. Darauf konnten sich letztlich alle Fraktionen einigen, sodass vorerst nur über das Schulgebäude abgestimmt wurde.
Bürgermeister Armin Pollehn kündigte an, dass die Verwaltung nun einen neuen Vorschlag zur Sporthalle ausarbeiten und die Folgekosten detailliert aufzeigen werde. „Wenn wir die Sporthalle und das Lehrschwimmbecken instandsetzen und erhalten wollen, kommen da noch ganz andere finanzielle Belastungen auf uns zu“, prognostizierte er.

Die Gudrun-Pausewang-Grundschule

Die Schule wurde 1967 gebaut, die zugehörige Sport- und Schwimmhalle entstand 1970. Beide Gebäude sind also rund 50 Jahre alt und stark sanierungs- und modernisierungsbedürftig. Der Neubau wird für vier Klassen je Jahrgangsstufe geplant. Vorgesehen sind demnach 16 Klassenräume, vier große und vier kleine Gruppenräume sowie je ein Werk-, Musik- und Computerraum, ein Schülerlabor und eine Schülerküche. Hinzu kommen Lehrerzimmer, der Verwaltungstrakt mit den Büros für die Schulleitung und dem Sekretariat sowie Lagerräume. Insgesamt ergibt sich eine Nutzfläche von rund 3400 Quadratmetern.