Zweite Zufahrt für Baugebiet?

Rund 100 Besucher sind zu der Einwohnerversammlung in der Martin-Luther-Kirche in Ehlershausen gekommen.

In einer Einwohnerversammlung stellt die Stadt drei Varianten der Verkehrsführung für das neue Wohngebiet am Ehlershäuser Weg vor

RAMLINGEN (fh). Das geplante Baugebiet am Ortsrand von Ehlershausen könnte doch eine Zufahrt von der Ramlinger Straße aus erhalten. Einen entsprechenden Vorschlag hat die Stadt am Montagabend bei einer Einwohnerversammlung in der Martin-Luther-Kirche unterbreitet. Ursprünglich wollte die Stadt das neue Wohngebiet nur vom Ehlershäuser Weg aus anbinden. Doch daran übten die dortigen Anwohner heftige Kritik, vor allem wegen der Belastung durch zusätzlichen Autoverkehr. Daraufhin hatte der Ortsrats im Mai 2018 zwar für die Aufstellung des Bebauungsplans gestimmt, die Verwaltung aber aufgefordert, mit der Region Hannover noch einmal über eine Zufahrt von der Ramlinger Straße aus zu verhandeln. Denn als Baulastträger der Kreisstraße hat die Region in dieser Frage das letzte Wort.
Diesem Auftrag ist die Stadt nachgekommen. Die Region hat ihre Zustimmung signalisiert, stellt dabei aber einige Bedingungen. So will sie beispielsweise verhindern, dass Autofahrer, die auf der Kreisstraße aus Richtung Ramlingen kommen, außerhalb der Ortsschaft nach links in das Baugebiet abbiegen. Deshalb müsste die Stadt das Ortsschild um 50 Meter vorverlegen. Dann würde sich die Zufahrt innerhalb von Ehlershausen befinden.
Zusätzlich fordert die Region eine Linksabbiegerspur und eine Querungshilfefür Fußgänger und Radfahrer - beispielsweise durch Mittelinsel. Dafür rechnet die Stadt mit Kosten von 100.000 Euro. Außerdem müssten einige Bäume entlang der Ramlinger Straße gefällt werden, um die Fahrbahn für die Linksabbiegerspur auszuweiten. "Das würde den Alleecharakter an dieser Stelle zerstören", sagte Stadtplanerin Sabine Nagel in der Einwohnerversammlung. Sie hat deshalb noch einmal drei Möglichkeiten für die Verkehrsführung gegenüber gestellt: eine Anbindung nur über den Ehlershäuser Weg, eine Anbindung nur über die Ramlinger Straße und eine Anbindung von beiden Seiten. "Alle drei Varianten sind vertretbar", betonte Nagel.
Diese Einschätzung teilte auch Lothar Zacharias vom Verkehrsplanungsbüro Hinz, der noch einmal ein Gutachten erstellt hatte. Demnach würden zur Zeit täglich rund 235 Autofahrten auf dem Ehlershäuser Weg gezählt. Wenn es zum Neubaugebiet nur eine Zufahrt von dort aus gebe, könnten 470 hinzukommen, sodass die Zahl auf rund 700 Fahrten ansteigen würde. "Prozentual ist das eine deutliche Steigerung, absolut gesehen ist das für ein Wohngebiet aber verkraftbar und angemessen", so Zacharias. Gebe es zusätzlich eine Zufahrt von der Ramlinger Straße aus, werde der Ehlershäuser Weg seiner Prognose nach hingegen nicht mehr belastet als jetzt.
Aus Sicht der Stadt sprechen vor allem Aufwand und Kosten dafür, beim ursprünglichen Plan zu bleiben, das Baugebiet nur vom Ehlershäuser Weg aus zu erschließen. Aber auch für eine zusätzliche Zufahrt von der Ramlinger Straße aus führte Stadtplanerin Nagel Argumente an: Der Ehlershäuser Weg würde dann weniger belastet und im Falle einer Straßensperrung gebe es eine Ausweichmöglichkeit.
Die Entscheidung liegt jetzt bei dem Politikern. Zunächst wird am 14. Januar der Ortsrat darüber verhandeln und am 22. Januar dann der Bauausschuss. Beide Gremien können eine Empfehlung aussprechen. Die endgültige Entscheidung trifft dann am 29. Januar der Verwaltungsausschuss in nicht öffentlicher Sitzung.
Zur Einwohnerversammlung am Montag sind rund 100 Zuhörer gekommen, darunter aber nicht nur Anwohner des Ehlershäuser Wegs, sondern auch viele, die sich für ein Grundstück im neuen Baugebiet interessieren. Nur einzelne Besucher traten noch einmal vehement für die zweite Zufahrt ein. Ein Anwohner kritisierte außerdem, dass die Region eine Linksabbiegerspur zur Bedingung macht. "100 Meter weiter haben wir bei Imkers Gehege genau die gleiche Situation und die Anwohner biegen dort seit über 30 Jahren unfallfrei ab", sagte er. Doch Stadtverwaltung und Verkehrsplaner wiesen darauf hin, dass bei Neugenehmigungen andere Regeln gelten als beim Bestandsschutz.