Zwei Wochen voller Premieren

Almut Stoppe (links) übt mit den Kindern erste Melodien auf der Blockflöte.
 
Mit voller Konzentration und viel Spaß trainieren die Kinder beim Trommeln ihr Rhythmusgefühl.

In der Burgdorfer Sommerschule probieren 150 Kinder viel Neues aus

Burgdorf (fh). Es ist mucksmäus­chenstill in der Turnhalle der Astrid-Lindgren-Grundschule. Die Kinder haben in der Mitte einen Kreis gebildet und warten auf das Signal von Musiklehrerin Almut Stoppe. Dann setzen alle ihre Blockflöten an den Mund und spielen: C – D – C. Mit voller Konzentration üben sie immer wieder die gleiche Tonfolge. „Die Blockflöten-Kurse haben sich dieses Jahr bei der Sommerschule überraschend zum Renner entwickelt“, sagt Ursula Wieker, die Leiterin des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses (BMGH) und lächelt zufrieden.
Sie hat das Ferienangebot zusammen mit dem Stadtjugendpfleger Horst Gohla und dem JohnnyB. sowie in enger Kooperation mit der Astrid-Lindgren-Grundschule und dem Gymnasium Burg­dorf organisiert. In den zwei Wochen vom 16. bis zum 27. August gab es montags bis freitags jeweils von 9 bis 16 Uhr ein abwechslungsreiches Programm. 150 Kinder von der ersten bis zur achten Klasse haben daran teilgenommen, etwa zu gleichen Teilen Jungen und Mädchen.
Um bei der großen Teilnehmerzahl trotzdem auf die individuellen Bedürfnisse eingehen zu können, wurden Kleingruppen gebildet. Jeweils vier Kinder waren einem Nachhilfe-Dozenten des BMGH zugeordnet, der die zwei Wochen über ihr fester Ansprechpartner war. Das Programm umfasste Unterrichtsinhalte, Ausflüge und eine Fülle von Kultur- und Freizeitangeboten. Geleitet wurden sie von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen des JohnnyB. sowie von einigen Lehrern des Gymnasiums. Und auch dem sozialen Miteinander und dem gemeinsamen Spielen sei nach der langen Zeit mit Home-Schooling und Kontaktbeschränkungen dieses Jahr ein besonderer Stellenwert zugekommen
Ihre sprachlichen Fertigkeiten und Deutschkenntnisse haben die Kinder dabei oft ganz nebenbei spielerisch trainiert. „Schon allein dadurch, dass sie sich untereinander, aber auch mit ihren Dozenten über ihre Erlebnisse ausgetauscht haben“, sagt Wieker. Außerdem haben alle Teilnehmer einen kleinen Bericht über einen Ausflug und einen kurzen Aufsatz über Bienen geschrieben. „Selbst wenn es zum Teil nur drei Sätze waren, ist das eine gute Übung“, zeigt sich Wieker überzeugt. Mathematische Grundlagen wurden unter anderem in den Workshops zum Thema Einkaufen an Beispielen aus dem Alltag eingeübt.
Bei der Anmeldung konnten die Kinder sich drei Angebote wünschen, an denen sie gern teilnehmen würden. „Da haben sich nur drei für Blockflöte entschieden. Aber als sie erst mal hier waren, haben sich immer mehr dafür interessiert. Bald waren jeden Tag etwa 20 Kinder dabei“, so Wieker. Das sei eine der Besonderheiten der Sommerschule: Die Teilnehmer müssten nicht schon vorher genau wissen, wofür sie sich interessieren und was ihnen Spaß macht.
Davon erzählt auch der neunjährige Deniz. „In der Sommerschule lernen wir ganz viel. Am besten haben mir Trommeln und Flötespielen gefallen“, sagt er. Beides habe er bei dem Ferienangebot zum ersten Mal versucht. So wie für Deniz waren es auch für viele andere Kinder zwei Wochen voller Premieren: Fast jeden Tag ließen sie sich auf etwas Neues ein, das sie nie zuvor gemacht hatten. „Sie bekommen durch unser vielfältiges Angebot Anregungen, können sich ausprobieren und entdecken dabei vielleicht neue Interessen und Talente“, sagt Wieker.
Genau das hat auch Almut Stoppe in den zurückliegenden zwei Wochen erlebt. Sie unterrichtet am Gymnasium Burgdorf Musik und Französisch und in den Ferien hat sie bei der Sommerschule Blockflötenkurse gegeben. „Die Kinder waren mit großer Begeisterung bei der Sache und das obwohl es ja gerade am Anfang nicht immer nur Spaß macht, ein neues Instrument zu lernen. Manchmal ist es auch ganz schön anstrengend. Wir haben zum Teil anderthalb Stunden fast ohne Pause Töne geübt und trotzdem haben sie nicht die Lust verloren“, zeigt sie sich beeindruckt.
Bei einem zwölfjährigen Mädchen aus der Gruppe habe sie ein ganz besonderes Talent entdeckt. „Sie ist extrem musikalisch. Obwohl sie vorher noch kein Instrument gelernt hat, habe ich ihr zum Teil Sachen beigebracht, die Kinder sonst in zwei Jahren lernen“, sagt Stoppe. Für Ursula Wieker zeigt sich an diesem Beispiel der Mehrwert der Sommerschule. „Wahrscheinlich hätte dieses Mädchen ebenso wie die meisten anderen Teilnehmer sonst ihren Lebtag keine Blockflöte in die Hand genommen“, sagt die Leiterin des Mehrgenerationenhauses.
Solche Erfolgserlebnisse während des zweiwöchigen Ferienangebots stärkten das Selbstbewusstsein der Kinder. „Und natürlich wollen wir versuchen, die Interessen und Talente auch darüber hinaus weiter zu fördern“, betont Stadtjugendpfleger Horst Gohla. Dafür solle im Anschluss mit Lehrern und Eltern gesprochen werden, um auszuloten, ob die Schule vielleicht eine passende Arbeitsgemeinschaft anbiete oder eine Anmeldung an der Musikschule in Frage komme.
Zum Teil gebe es auch ganz niederschwellige Möglichkeiten, um die Angebote aus der Sommerschule fortzusetzen. „Wer Spaß am Trommeln gefunden hat, kann nach den Ferien an dem regelmäßigen Kursus im JohnnyB. teilnehmen“, nennt Gohla ein Beispiel und fügt hinzu: „Unser Ziel ist es, dass die Sommerschule auch nachhaltig wirkt!“