Zukunft eines Wahrzeichens

Das Architekturbüro Höhlich und Schmotz hat eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des Rathauses I erstellt.
 
Architekt Dirk Höhlich stellt bei der Ausschusssitzung die Machbarkeitsstudie vor.

Architekturbüro Höhlich und Schmotz stellt Machbarkeitsstudie zur Sanierung des Rathauses I vor

BURGDORF (fh). Wenn Gebäude in die Jahre kommen, ist es keine Seltenheit, dass es am Brandschutz hapert, die Fassade bröckelt oder Heizung und Elektrik erneuert werden müssen. Auf all diese Punkte kam Architekt Dirk Höhlich auch bei einer gemeinsamen Sitzung von Bau-, Verkehrs- und Finanzausschuss am Donnerstagabend zu sprechen: Doch diesmal ging es nicht um irgendeinen Funktionsbau aus den sechziger oder siebziger Jahren, sondern um das Rathaus I. Im Jahr 1818 errichtet , prägt es mit seiner markanten Fassade jetzt seit rund 200 Jahren das Bild an der Marktstraße.
Im Auftrag der Stadt hat das Burgdorfer Architekturbüro Höhlich und Schmotz eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des denkmalgeschützten Baus erarbeitet. Er sei ein Wahrzeichen der Stadt und mit seinem Trauzimmer für viele Burgdorfer auch ganz persönlich ein Identifikationsprojekt, betonte Höhlich bei seiner Präsentation vor den Politikern - doch im Moment befinde es sich in schlechtem Zustand. "Es muss irgendetwas gemacht werden, das steht fest", sagte der Architekt.
Zumindest der Brandschutz müsse ertüchtigt, Heizung und Technik erneuert und die Oberflächen saniert werden. Es liege aber bei Politik und Stadt, wie tief sie dafür in die Tasche greifen und wie weit sie über die erforderlichen Sanierungsarbeiten hinaus gehen wollen: Soll es nur repräsentativen Charakter haben oder auch als Büro- und Verwaltungsgebäude genutzt werden? Eine grobe Richtung hat die Stadt den Architekten mit ihrer Wunschliste schon vorgegeben. Demnach sollen im Rathaus I wieder 24 Arbeitsplätze geschaffen werden sowie unter anderem ein Besprechungsraum, Kopierräume und ein Stuhllager.
Auf dieser Grundlage hat Höhlich den Politikern nun zwei Varianten für die Sanierung vorgestellt. Die entscheidende Frage dabei: Soll im Rathaus I ein zweites Treppenhaus und ein Fahrstuhl eingebaut werden? Die Vorteile liegen auf der Hand: Das gesamte Gebäude wäre dann barrierefrei erreichbar - sowohl für Mitarbeiter als auch für Bürger. Beim dem historischen Bau ist das eine besondere Herausforderung: Denn der Aufzug müsste nicht nur die Stockwerke verbinden, sondern auch Höhendifferenzen innerhalb der Etagen überwinden.
Laut Höhlich ist das auch eine wichtige Voraussetzung, um den alten Ratssaal im Obergeschoss wieder häufiger für öffentliche Sitzungen und andere Veranstaltungen zu nutzen. Außerdem gäbe es mit dem zusätzlichen Treppenhaus ausreichend Fluchtwege. Somit könnten erstens auch das Dachgeschoss genutzt werden und zweitens die Metalltreppe an der hinteren Fassade entfernt werden.
Und was spricht gegen diese Variante? Vor allem wohl die Kosten. Mit Aufzug und zusätzlichem Treppenhaus veranschlagt die Machbarkeitsstudie 3,1 Millionen Euro - sonst sind es 2,1 Millionen. Und auch die Bauzeit würde sich von rund zwei Jahren auf mehr als zweieinhalb Jahre verlängern. Eine Entscheidung haben die Politiker am Donnerstag noch nicht getroffen; voraussichtlich im Januar werden sie weiter darüber diskutieren. Zugleich kündigte Stadtplaner Andreas Fischer an, dass die Verwaltung beim Architekturbüro Höhlich und Schmotz auch Machbarkeitsstudien für die Sanierung von Rathaus II und Rathaus III in Auftrag gegeben hat. "Idealerweise könnten wir dann alle im Verbund betrachten", so Fischer.


Die Historie


1805 Bau in klassizistischer Bauweise errichtet
1809 Beim Stadtbrand bis auf das Kellergewölbe niedergebrannt
1818 Wiederaufbau als verputztes Fachwerkgebäude mit Walmdach
bis 1868 Stadtverwaltung nutzt nur die Rats- und Polizeistube; die übrigen Röume mit dem Festsaal im Obergeschoss sind als Gaststätte und Hotel eingerichtet und als "Ratskeller" verpachtet
1868 Stadtverwaltung verkauft das Haus, bleibt bis 1909 aber Mieter
1920 Rückkauf durch die Stadt; von da an Nutzung unter anderem durch Finanzamt, Kreisberufsschule, Volksbücherei und Arbeitsamt
1950 Umbauten: Vergrößerung des Gebäudes, Satteldach und Erker mit Holzschnitzwerk im 1. Obergeschoss
1951 Einzug der Stadtverwaltung
1994-97 Umbau und Sanierungsmaßnahmen: unter anderem Grundrissänderungen, äußere Fluchttreppe und Glockenspiel
2013-16 Fenstersanierung