Zu Fuß zweimal um die Welt

In einem dicken Ordner hat Peter Strohwald alle seine Laufstrecken der zurückliegenden 35 Jahre dokumentiert.

Peter Strohwald ist schon über 80.000 Kilometer gelaufen / Jetzt sucht der 76-jährige Burgdorfer einen Wandergefährten für den Jakobsweg

Burgdorf (fh). Für Peter Strohwald war es ein Zieleinlauf der ganz besonderen Art: Am 21. Juli hat der 76-jährige Burgdorfer seine zweite Erdumrundung abgeschlossen. Das belegt ein dicker Ordner, in dem er seit 35 Jahren fein säuberlich alle seine Laufstrecken dokumentiert. Auf eng beschriebenen DinA4-Seiten sind handschriftlich jeweils Ort und Kilometerzahl vermerkt, teilweise auch die Durchschnittsgeschwindigkeit und manchmal sogar Hinweise zum Wetter und besonderen Vorkommnissen. Über all die Jahre ist so die stolze Summe von 80.150 Kilometern zusammengekommen, also der doppelte Erdumfang.
Natürlich ist Strohwald nicht buchstäblich am Äquator entlang um die Welt gelaufen – aber weit herumgekommen ist er schon. „Wenn ich mit meiner Frau im Urlaub war, habe ich meistens gleich nach der Ankunft meine Laufschuhe geschnürt, noch bevor wir die Koffer ausgepackt haben“, erinnert er sich. Und auch bei Dienstreisen verzichtete er nicht auf sein Hobby. „Während meine Kollegen abends in der Hotelbar saßen, bin ich gejoggt und habe dabei auch eine Menge von unserem jeweiligen Aufenthaltsort gesehen“, sagt er.
Begonnen hat alles im September 1985, als er sich den Berlin-Marathon im Fernsehen anschaute. „Ich hatte damals gerade mit dem Fußballspielen aufgehört und wollte sportlich wieder irgendetwas machen“, erzählt er. Und so habe er sich fürs Laufen entschieden. Von seiner Arbeit im Vertrieb her sei er es gewohnt gewesen, mit Zielzahlen zu arbeiten. „Also habe ich mir auch bei meinem Hobby, immer wieder kleine Etappenziele gesetzt und mich schnell gesteigert“, beschreibt er. Schon 1986 ist er seinen ersten Marathon gelaufen – einige Jahre später absolvierte er sogar einen 100-Kilometer-Lauf in Unna.
Nach neun Marathons habe er dann einen Gang zurückgeschaltet, weil ihm aufgrund eines beruflichen Wechsels nicht mehr so viel Zeit geblieben sei. „Ich bin aber trotzdem weiterhin jeden Abend gelaufen und habe an vielen City-Läufen teilgenommen“, schildert Strohwald. Auch so habe ihn das Hobby stets in Anspruch genommen. „Wenn man jeden Abend zwei bis zweieinhalb Stunden läuft, hinterher duschen, die Schuhe sauber machen und die Kleidung waschen muss, geht dafür schon einige Zeit drauf“, macht der deutlich.
Vor etwas über zehn Jahren musste er sich dann umorientieren. „Ich wurde beim längeren Laufen zusehends kurzatmig und mein Arzt riet mir, aufzuhören“, sagt er. Doch ganz auf sein Hobby zu verzichten, sei für ihn nicht nicht in Frage gekommen. Deshalb stieg er aufs Walken um – „aber ohne Stöcke“, wie er betont. Anfangs sei ihm das ziemlich schwergefallen. „Es ist ungewohnt, wenn man sonst immer gerannt ist“, gibt er zu. Doch er blieb am Ball und so sind auch weiterhin Jahr für Jahr über 4000 Kilometer hinzugekommen.
Mittlerweile ist er dazu übergegangen, sich nur noch Ort und Kilometerzahl seiner Walking­runden zu notieren – die Zeiten beziehungsweise Durchschnittsgeschwindigkeiten lässt er weg. „Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, verliert das den Reiz. Denn von Jahr zu Jahr lässt man ein bisschen nach“, begründet er. Dabei sei es ihm auch früher nicht so sehr darum gegangen, sich mit anderen zu messen, sondern das Beste aus sich herauszuholen. „Das war beim Sport grundsätzlich so, egal was ich gemacht habe. Ich war nie besonders gut. Aber ich habe es immer gern gemacht“, betont Strohwald.
Das Laufen ist übrigens nicht seine einzige sportliche Leidenschaft. Angespornt durch den überraschenden Wimbledon-Sieg von Boris Becker 1985 begann er wenig später auch, Tennis zu spielen. Und auch dabei ist er bis heute geblieben und noch immer im TC Grün-Gelb aktiv. „Für die kurzen Sprints bei einem Doppel reicht meine Puste noch“, sagt er.
Nachdem er jetzt insgesamt mehr als 80.000 Kilometer zurückgelegt hat, könne er sich durchaus vorstellen, beim Walken etwas kürzer zu treten. Aber so ganz will ihm das noch nicht gelingen. „Eigentlich wollte ich mir zumindest eine Woche Pause gönnen“, sagt er. Er habe dann aber doch nur zwei Tage ausgesetzt und sich am dritten Tag dann schon wieder auf den Weg gemacht. Nach all den Jahren gehöre das für ihn einfach dazu – ganz egal wie das Wetter ist. Dabei könne er gut nachdenken, andererseits aber auch den Kopf freibekommen. Das habe ihm schon oft bei wichtigen Entscheidungen geholfen. Und auch als seine Frau vor vier Jahren gestorben ist, habe ihm sein Hobby Halt gegeben.
Viele seiner Laufziele hat Strohwald schon erreicht, zuletzt nun seine zweite Erdumrundung. Doch ein Wunsch bleibt noch offen. „Ich träume schon seit langem davon, den Jakobsweg zu gehen“, sagt er. Natürlich die komplette Strecke vom französischen St. Jean Pied de Port bis ins berühmte Santiago de Compostela – und dann noch weiter bis zum Kap Finisterre. Für diese 920 Kilometer sucht er noch einen Reisegefährten oder eine Reisegefährtin. „Ich musste meinem Sohn versprechen, dass ich das nicht alleine mache“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dabei wolle er es durchaus nicht übertreiben. „Ich muss nicht unbedingt 20 bis 30 Kilometer pro Tag wandern. Schließlich bin ich Rentner und kann mir auch zwei Monate Zeit für den Weg nehmen“, sagt er. Wer sich vorstellen könnte, mitzugehen, kann Peter Strohwald per E-Mail kontaktieren, an p.strohwald@t-online.de.