Wohnhäuser im Zeitplan

Der Inhaber der Zimmerei Manfred Pinke (6. von links) rezitiert den traditionellen Richtspruch und trinkt auf das Wohl des Hauses.
 
Im Rohbau begrüßt der KSG-Geschäftsführer Karl Heinz Range die Gäste zum Richtfest.

Die KSG baut im Neubaugebiet "An den Hecken" zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 Sozialwohnungen und hat jetzt Richtfest gefeiert

BURGDORF (fh). Im Vergleich zu anderen Bauvorhaben der Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) nimmt sich dasjenige im Burgdorfer Neubaugebiet "An den Hecken" eher bescheiden aus: Zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 Mietwohnungen und sieben Reihenhäuser sollen dort bis zum Frühjahr 2021 entstehen. Für das kommunale Unternehmen habe dieses kleine Projekt trotzdem eine besondere Bedeutung, betonte der Geschäftsführer Karl Heinz Range am Mittwoch beim Richtfest.
Denn zum ersten Mal seit Jahrzehnten schaffe die KSG dort wieder öffentlich-geförderten Wohnraum. "Das ist ein erster kleiner Schritt in eine neue Entwicklung", betont Range. Insgesamt plane die KSG für die nächsten Jahre rund 1000 neue Wohnungen in den 21 Regionskommunen, viele davon öffentlich gefördert. "Wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum", sagte er. Viel zu lange sei das politisch versäumt worden.
Die beiden Mehrfamilienhäuser am Weimarer Bogen in Burgdorf sollen jeweils acht Zwei-Zimmer-Wohnungen beherbergen, jeweils mit Balkon, Terrasse oder Dachterrasse. Die Größen variieren zwischen 40 und 60 Quadratmetern und die Kaltmiete wird gemäß der Förderrichtlinie bei 5,80 Euro pro Quadratmeter liegen. Zwei der Wohnungen sollen rollstuhlgerecht sein, alle anderen zumindest barrierearm; eines der beiden Häuser wird außerdem mit einem Aufzug ausgestattet.
Anfang 2019 hatte die KSG das Projekt zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Alfred Baxmann vorgestellt. Und seitdem sei alles gut über die Bühne gegangen. "Aufgrund der milden Witterung konnten wir den ganzen Winter durchbauen. Wir sind voll im Zeitplan", freut sich Projektleiterin Julia Schütter. Und auch wenn die Wohnungen erst im Frühjahr 2021 bezugsfertig sein werden, hätten sich schon viele Interessenten gemeldet. "Darunter gerade auch ältere Burgdorfer, die sich verkleinern wollen", sagt Schütter.
Die beiden Mehrfamilienhäuser mit den Sozialwohnungen befinden sich mitten im Baugebiet "An den Hecken", das ansonsten 70 Einfamilienhäuser umfasst. Außerdem errichtet die KSG selbst in direkter Nachbarschaft noch sieben Reihenhäuser zum Verkauf, die auch für junge Familien attraktiv und bezahlbar sein sollen. "Wir sind stolz, dass wir damit zu einer sehr guten sozialen Durchmischung in diesem Neubaugebiet beitragen", betont Range. Sowohl für Eigentümer als auch für Mieter mit unterschiedlichem Geldbeutel sei etwas dabei.
Das hob auch Bürgermeister Armin Pollehn in seiner kurzen Rede beim Richtfest hervor. "Das macht eine Stadt aus, dass auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen schöne Wohnungen finden", betonte er. Viele Jahre habe man sich dabei zu sehr auf den Markt verlassen. "Aber jetzt merken wir, dass das alleine nicht funktioniert", so Pollehn. Es brauche auch wieder verstärkt öffentlich geförderten Wohnungsbau. "Dieses Bauprojekt macht Burgdorf deshalb noch lebens- und liebenswerter", so der Bürgermeister.
Weil die KSG mit Bauvorhaben in Burgdorf gewissermaßen ihre Initiative für mehr bezahlbaren Wohnraum gestartet habe, liege ihm das Richtfest auch besonders am Herzen, betonte Range. Aber auch noch aus einem anderen Grund sei es etwas Besonderes: "Wir haben endlich mal wieder ein Steildach gebaut", freute er sich. Zuletzt seien meist Flachdächer geplant worden, bei denen auf die Zimmerleute verzichtet werden konnte. "Dann wusste man gar nicht so genau, wann man eigentlich Richtfest feiern soll und wer den Richtspruch sagen soll", so Range.
Darüber musste diesmal nicht lange diskutiert werden: Die Aufgabe übernahm der Inhaber der Zimmerei Manfred Pinke, der zur Verstärkung eine ganze Schar Angestellter mitgebracht hatte - alle in der traditionellen Zunftkleidung.