Wohnanlage für Senioren

Ein Teil der Wohnungen im Neubau Vor dem Celler Tor ist bereits belegt.
 
Der Bereichsleiter des DRK-Pflegedienstes Matthias Thäle bereitet den Umzug der Sozialstation in den Neubau vor.

Neubau Vor dem Celler Tor beherbergt 24 barrierefreie Wohnungen / Im Erdgeschoss zieht DRK-Sozialstation ein

BURGDORF (fh). Während im Erdgeschoss noch die Handwerker ein- und ausgehen, sind die ersten Mieter in den oberen Stockwerten bereits eingezogen: Vor dem Celler Tor gegenüber vom Stadion hat die Projektschmiede Nord aus Hamburg in den vergangenen zwei Jahren eine seniorengerechte Wohnanlage gebaut. Sie beherbergt nicht nur 24 barrierefreie Wohnungen, sondern soll auch eine zentrale Anlaufstelle für den Pflegedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Burgdorf werden.
Im Erdgeschoss wird das DRK zum 1. Oktober eine Tagespflege mit 18 Plätzen eröffnen; außerdem soll die Sozialstation dort einziehen. "Unsere bisherigen Räume an der Wilhelmstraße sind recht dunkel und nach außen nicht so sichtbar. Deshalb haben wir schon seit längerem einen neuen Standort gesucht", begründet Matthias Thäle, der Bereichsleiter des DRK-Pflegedienstes. Der Gebäudekomplex Vor dem Celler Tor sei repräsentativer und besser erreichbar. "Das ist wichtig, weil wir zusätzlich zur häuslichen Pflege auch Beratung und Schulungen für pflegende Angehörige anbieten", so Thäle. Der DRK-Ortsverband ist von dem Umzug nicht betroffen und bleibt mit seinem Aktiv-Treff auch weiterhin an der Wilhelmstraße.
Die 24 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen in der Anlage Vor dem Celler Tor sind alle barrierefrei und mit einem Balkon oder einer Terrasse ausgestattet. Einige sind speziell für Rollstuhlfahrer ausgelegt. Die Kaltmiete liegt bei rund 13 Euro pro Quadratmeter, wobei die Wohnungsgrößen zwischen 60 und 100 Quadratmetern variieren. Betreuungsleistungen sind daran nicht gekoppelt: Für Körperpflege, medizinische Versorgung und andere Unterstützung muss separat ein Ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen werden.
"Wer die Dienste der Sozialstation nutzen möchte, hat dabei aber den Vorteil, dass die Ansprechpartner direkt vor Ort sind", betont Thäle. Zu den Bürozeiten sei stets eine Pflegefachkraft anwesend. Darüber hinaus gebe es weitere Betreuungs- und Hilfsangebote wie beispielsweise Einkaufen, die Reinigung der Wohnung, eine Begleitung zum Arzt oder Gruppentreffen.
Bereits Ende 2014 hatte der Investor den Bauantrag bei der Stadt Burgdorf eingereicht und das Projekt damals noch mit der Diakoniestation Burgdorf als Partner vorgestellt. Der Zeitplan war ehrgeizig: Die Bauarbeiten, so hieß es, sollten im Frühjahr 2015 beginnen und etwa ein Jahr später fertiggestellt sein. Statt im Frühjahr 2016 sind die ersten Mieter nun Anfang 2019 eingezogen. "Die Verzögerungen sind dadurch zustande gekommen, dass wir uns nicht im Bebauungsplan der Stadt Burgdorf befanden und deshalb für alles Einzelgenehmigungen brauchten und auch noch mal umplanen mussten", begründet Christian von Sturmfeder.
Die Diakoniestation zog im vergangenen Jahr endgültig die Reißleine. "Der zeitliche Verzug hat uns große Probleme gemacht. Wir hatten schon mit der Personalakquise begonnen und waren auch schon mit Pflegebedürftigen im Gespräch", erläutert Simone Weber von der Diakoniestation. Um die Interessenten nicht immer weiter zu vertrösten, sei dann die Entscheidung für den Standort Rubensplatz gefallen, wo die Diakoniestation jetzt seit etwa eineinhalb Jahren die Tagespflege "Café Klönschnack" betreibt.
Sturmfeder reagiert auf diese Begründung mit Unverständnis. "Die Diakoniestation war die ganze Zeit über in die Planung eingebunden und über sämtliche Verfahren informiert", sagt er. Sie habe sich erst nach dem Richtfest aus dem Projekt ausgeklinkt. "Seit dem Baubeginn Ende 2017 ist es aber zu keinen weiteren Verzögerungen mehr gekommen", betont Sturmfeder und beklagt seinerseits, dass der Rückzieher der Diakoniestation zusätzliche Zeit gekostet habe.
Als neuen Partner hat die Projektschmiede das DRK gewonnen und baut die Räume nun entsprechend des neuen Konzepts aus. Die oberen Stockwerke sind bezugsfertig und etwa die Hälfte der Wohnungen ist bereits belegt. Heidemarie Parow ist zusammen mit ihrem Mann im März eingezogen. "Da war der Putz noch ganz frisch und es war noch eine halbe Baustelle hier", erinnert sie sich. Doch sie habe lange genug darauf gewartet. "Als ich 2014 den ersten Artikel darüber in der Zeitung gelesen habe, dachte ich gleich, dass das etwas für uns sein könnte", so Parow. Sie hat ihren Mann, der an Demenz erkrankt ist, nun bereits für die Tagespflege angemeldet.
Ihre Nachbarin Monika Viehbahn braucht gegenwärtig noch keine Unterstützung. "Aber ich denke schon weiter. Wenn ich mir mal ein Bein breche, brauche ich ganz plötzlich auch Hilfe", sagt die 65-Jährige. Wichtig war ihr aber vor allem, in eine barrierefreie Wohnung zu ziehen - und das in möglichst zentraler Lage. "Da besteht in Burgdorf noch ein großer Mangel. Die neue Wohnanlage war das einzige, das ich gefunden habe", sagt sie.