Wo ist Platz für Gewerbe?

 
Beim letzten Punkt sind sich die neun Mitglieder des Bauausschusses einig: Die Stadt soll für die erforderlichen Gutachten Fördermittel bei der Region beantragen. Die Vertreter aus den Ortschaften und die Mitarbeiter der Verwaltung (im Vordergrund) haben kein Stimmrecht.
 
Der Bauausschuss hat mehrheitlich empfohlen, die Fläche jenseits der B188 nördlich des Gewerbegebiets Nord-West untersuchen zu lassen.

Stadt Burgdorf will mögliche Standorte untersuchen lassen / Bauausschuss billigt die Vorlage der Stadt mit zwei wesentlichen Änderungen

BURGDORF (fh). Die Stadt Burgdorf will sich auf die Suche nach neuen Gewerbeflächen machen. Gleich zum Auftakt nach der kommunalpolitischen Sommerpause hat sie deshalb zu einer gemeinsamen Sitzung des Bauausschusses mit allen Ortsräten und Ortsvorstehern eingeladen. "Es hat einige vielleicht gewundert oder auch etwas misstrauisch gemacht, dass wir da jetzt so ein Tempo vorlegen", sagte Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann zur Begrüßung, um anschließend gleich eine Erklärung für das eilige Vorgehen nachzuschieben. "Die Region Hannover hat ein neues Förderprogramm aufgelegt, um Kommunen dabei zu unterstützen, Gewerbeflächen zu finden und zu entwickeln", erläutert er.
Bis zu 100.000 Euro könne die Stadt erhalten, um Gutachten in Auftrag zu geben, beispielsweise zum Artenschutz, zum Verkehr und zur Lärmbelastung im jeweiligen Gebiet. Auf dieser Grundlage ließe sich dann zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wo die Ansiedlung von Betrieben und Unternehmen tatsächlich möglich und sinnvoll sei. Wer zu lange zögere, gehe bei der Fördermittelvergabe am Ende vielleicht leer aus.
Die Burgdorfer Ratspolitiker entscheiden jetzt darüber, welche Gebiete überhaupt überprüft werden sollen. Dafür hat die Stadt ihnen den Entwurf eines Gewerbeflächenentwicklungskonzept vorgelegt, in dem mehrere Flächen vorgestellt und verglichen werden. Drei Standorte haben es aus Sicht der Verwaltungsfachleute in die engere Wahl geschafft: Als Sonderstandort biete sich insbesondere ein Bereich an der Bundesstraße 3 bei Ehlershausen an. Dort könnten sich nach Einschätzung der Stadt überregional tätige Unternehmen ansiedeln wie beispielsweise Logistik- oder Lagerbetriebe. Für sie sei ein guter Anschluss an das überregionale Verkehrsnetz wichtiger als die Anbindung an die Kernstadt.
Für einen Gewerbepark mit lokaler und regionaler Ausrichtung komme es zwar auch auf eine gute Erreichbarkeit an, darüber hinaus spiele aber auch die Integration in die städtische Siedlungs- und Infrastruktur eine Rolle. Deshalb seien dafür Flächen entlang der B188 prädestiniert. Zwei Gebiete stuft die Verwaltung in dieser Hinsicht als besonders aussichtsreich ein: das eine liegt nördlich des Gewerbeparks Nord-West jenseits der B188 in Richtung Schillerslage, das andere befindet sich zwischen Kernstadt und Sorgensen.
Dagegen regt sich in den betroffenen Ortschaften Widerstand. "Schon die B188 befindet sich auf Schillerslager Grund. Nun auch noch Gewerbe jenseits dieser Grenze in Richtung unseres Dorfes anzusiedeln lehnen wir ab", sagte Ortsvorsteher Cord Reißer. Zudem würde dort eine weitere Naherholungsfläche bebaut. "Wir müssen es schaffen neue Gewerbegebiete zu entwickeln, ohne die Dörfer kaputt zu machen", so sein Appell.
Ähnlich äußerte sich Dirk Schwerdtfeger, der Ortsvorsteher von Sorgensen, bezüglich des zweiten möglichen Standorts. Die Verkehrsbelastung sei dort bereits jetzt hoch "Falls die von K&S beantragte Kalihaldenabdeckung genehmigt wird, kommen noch viele LKWs hinzu", warnt er. Deshalb sei zusätzlicher Verkehr durch neu angesiedelte Unternehmen nicht akzeptabel. "Wir können uns dort eine Wohnbebauung vorstellen, aber kein Gewerbe", so sein Fazit.
Dieser Einschätzung schloss sich SPD-Ratsfrau Christa Weilert-Penk an. "Die Flächen bei Sorgensen fügen sich in den innerstädtischen Bereich ein und sind von der Kernstadt aus gut zu erreichen - auch mit dem Fahrrad", betonte sie. Deshalb seien sie am ehesten für eine Wohnbebauung geeignet. Den Einwänden von Cord Reißer bezüglich der Fläche im Nord-Westen Burgdorfs folgte die Mehrheitsgruppe hingegen nicht. "Dieser Gewerbestandort hat sich sehr gut bewährt. Es ist richtig, das Gebiet weiterzuentwickeln", sagte Weilert-Penk.
Als Sonderstandort soll, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, die Fläche direkt an der B3 nahe des Bahnhofs Ehlershausen geprüft werden. Das war der einzige Punkt, in dem sich alle anwesenden Politiker einig waren. Und zwar nicht nur die Mitglieder des Bauausschusses, sondern auch aller Ortsräte. Selbst die Vertreter aus Ramlingen/Ehlershausen plädierten dafür. "Auch wenn das kompliziert werden könnte, finde ich es spannend, diesen Standort einzubeziehen", sagte Thomas Dreeskornfeld von der FDP.
Zusätzlich brachten die Kommunalpolitiker noch einen weiteren möglichen Sonderstandort ins Spiel - und zwar bei Beinhorn, ebenfalls an der B3/A37. Zum Verdruss von Ortsvorsteher Klaus Köneke. "Im Sinne des Klimaschutzes und möglichst kurzer Arbeitswege kann man eigentlich gar nicht auf die Idee kommen, Gewerbe bei einer so kleinen Ortschaft anzusiedeln", kritisierte er.
Und so stimmte der Bauausschuss ab: Die Untersuchung des Sonderstandortes bei Ehlershausen haben die Mitglieder einstimmig empfohlen. Mit den Stimmen von SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern sprach sich die Mehrheit außerdem dafür aus, die Fläche nahe des bestehenden Gewerbegebiets Nord-West und den Sonderstandort bei Beinhorn zu überprüfen. CDU und FDP stimmten dagegen. Alle Mitglieder sprachen sich wiederum geschlossen dafür aus, für die erforderlichen Gutachten Fördermittel von der Region zu beantragen.
Am nächsten Donnerstag, 22. August, ab 17 Uhr steht das Thema nun noch einmal auf der Tagesordnung des Verkehrsausschusses; die endgültige Entscheidung fällt dann der Verwaltungsausschuss am 10. September in nicht-öffentlicher Sitzung. Der ehemalige Schulleiter der IGS Burgdorf, der auch Abgeordneter in der Regionsversammlung ist, ergriff in der anschließenden Bürgersprechstunde das Wort und beglückwünschte die Stadt und den Ausschuss dazu, den Beschluss schon jetzt in die Wege zu leiten. "Sie waren sehr flott. Bisher sind Ihnen noch nicht so viele andere Kommunen zuvorgekommen, es ist also noch viel Geld da", sagt er.
Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann betonte, dass es sinnvoll sei, so früh wie möglich, in die Diskussion einzusteigen und sich mit den Gutachten erste Entscheidungshilfen an die Hand zu holen. "Wenn wir auch weiterhin Gewerbeflächen vergeben wollen, müssen wir jetzt handeln", betonte er. Denn die Nachfrage nach entsprechenden Grundstücken sei anhaltend hoch; im Gewerbepark Nord-West habe sie die Erwartungen und Prognosen sogar übertroffen. "Der zweite Entwicklungsabschnitt ist nahezu vollständig veräußert und der dritte Abschnitt befindet sich bereits in Planung", heißt es dazu in einem Entwurfspapier, das die Verwaltung jetzt vorgelegt hat. Darüber hinaus stünden in Burgdorf dann nur noch unzureichende Flächenreserven für eine Gewerbenutzung zur Verfügung.