"Wir wollen tiefen Krisen vorbeugen"

Die neue Beraterin der Außenstelle Burgdorf Ute Gerken (von links) im Gespräch mit der Superintendentin des Kirchenkreises Burgdorf Sabine Preuschoff, dem Leiter der Lebensberatungsstelle Langenhagen Hans-Günter Schoppa und dem Superintendenten des Kirchenkreises Burgwedel-Langehagen Holger Grünjes.
 
Sie freuen sich über das fünfjährige Bestehen der Außenstelle Burgdorf und die Neubesetzung der Teilzeitstelle: der Leiter der Lebensberatungsstelle Langenhagen Hans-Günter Schoppa (von links), die neue Beraterin Ute Gerken, die Superintendentin des Kirchenkreises Burgdorf Sabine Preuschoff und der Superintendent des Kirchenkreises Burgwedel-Langehagen Holger Grünjes.

Kirchliche Lebensberatung in Burgdorf feiert fünfjähriges Bestehen / Ute Gerken ist neue Beraterin

BURGDORF/ALTKREIS (fh). Wer ein Burn-Out hat, benötigt ärztliche und psychologische Betreuung. Gerade wenn der erste Arbeitstag nach langer Krankheitsphase näher rückt, geht es aber auch um ganz praktische Fragen und Strategien für den Alltag. "Genau an diesem Punkt kann ich ansetzen", erläutert Ute Gerken. Seit dem 1. Februar arbeitet sie für die kirchliche Lebensberatung im Haus der Diakonie, Schillerslager Straße 9, in Burgdorf.
Es handelt sich dabei um eine Außenstelle der Lebensberatung in Langenhagen. Personal und Know-How kommt vom Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, für die Finanzierung sorgt der Kirchenkreis Burgdorf. Er stellt 25.000 Euro pro Jahr für eine Teilzeitstelle mit 13 Wochenstunden zur Verfügung. Das Angebot richtet sich nicht nur an die Burgdorfer, sondern an die Bewohner aus dem gesamten Kirchenkreis Burgdorf, zu dem auch Lehrte und Sehnde gehören.
Für die Außenstelle gibt es jetzt gleich einen doppelten Grund zur Freude: Sie konnte nicht nur nach mehrmonatiger Vakanz wieder eine Beraterin einstellen, sondern feiert in diesem Jahr auch ihr fünfjähriges Bestehen. Seit der Gründung nutzen pro Jahr etwa 40 Einzelpersonen und Paare das Angebot. Sie kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen: beispielsweise nach einer Trennung oder Scheidung, bei familiären Konflikten, bei beruflichen Schwierigkeiten, nach dem Tod eines geliebten Menschen oder weil sie unter Ängsten leiden.
"Ich kann keine Therapie anbieten", stellt Gerken klar. Es gehe vielmehr darum, zu überlegen, ob sich bestimmte Verhaltensmuster ändern ließen. So wie bei ihrem Klienten, der sich nach einem Burn-Out wieder auf den ersten Arbeitsalltag vorbereiteten wollte. Gerken hat zusammen mit ihm Strategien entwickelt, wie er reagieren kann, wenn wieder einmal alle Kollegen irgendetwas von ihm wollten und er sich überfordert fühle. "Hinterher hat er mir gesagt, dass er ohne diese Hilfe wahrscheinlich schnell wieder unter die Räder gekommen wäre", so Gerken.
Als weiteres Beispiel nennt sie ein Paar, das sich auch nach vielen Jahren noch sehr liebte, sich aber bei bestimmten Themen immer wieder in die Wolle kriegten. "Schon mit kleinen Verhaltensänderungen konnten sie den Streit reduzieren und ihre Beziehung wieder verbessern", sagt Gerken.
Die Lebensberatung könne in einigen Fällen auch die Zeit bis zum Therapiebeginn überbrücken, weil die Wartezeiten dort oft sehr lang seien. Vor allem aber sei sie für diejenigen sinnvoll, die zwar keine Therapie benötigen, sich in einer schwierigen Lebenssituation aber trotzdem Unterstützung wünschen. "Unser Ziel ist es, tiefe Krisen schon im Vorfeld abzufangen", erläutert Gerken. Niemand brauche eine Schwelle zu haben, sich an die Beratungsstelle zu wenden. "Viele denken, dass es einem schon richtig dreckig gehen muss, wenn man so ein Angebot wahrnimmt. Aber viel besser ist es, an uns zu wenden", so Gerken.
Sie hat Soziologie und Psychologie studiert. Lange Zeit war sie dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität tätig. "Ich habe mich dort viel mit Prävention und Gesundheitsvorsorge beschäftigt. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich nicht nur in der Theorie damit befassen, sondern Menschen konkret helfen will", sagt sie. Deshalb habe sie dann eine Weiterbildung zur systemischen Beratung gemacht und unter anderem ein Jahr lang bei der evangelischen Beratungsstelle an der Oskar-Winter-Straße in Hannover gearbeitet.
Auch wenn sie für die Beratung in Burgdorf alleine zuständig ist, ist sie in das Langenhagener Team eingebunden. "Einmal pro Woche treffen wir uns, beispielsweise um Beratungsfälle zu besprechen", erläutert Hans-Günter Schoppa, der Leiter der Lebensberatungsstelle in Langenhagen. Insgesamt sind dort acht Berater, zwei Verwaltungskräfte und Praktikanten tätig.
Wer Interesse an einer Beratung hat, meldet sich im Büro der Lebensberatung in Langenhagen unter der Telefonnummer (0511) 723804. Die Mitarbeiter dort vermitteln dann kurzfristig einen Termin für ein Erstgespräch mit Ute Gerken in Burgdorf, oft schon innerhalb weniger Tage. Es wird pro Beratung eine Kostenbeteiligung von 25 Euro für Einzelgespräche und 50 Euro bei Paaren erhoben. Wer diesen Betrag nicht aufbringen kann, kann eine Ermäßigung erhalten. "Keine Beratung soll aus finanziellen Gründen unterbleiben. Wir finden immer eine Lösung", betont Superintendentin Sabine Preuschoff.