"Wir wollen Flagge zeigen gegen Rechts"

Dieter Rohles plant eine Kundgebung für eine offene und freie Gesellschaft.
 
Dieter Rohles plant eine Kundgebung für eine offene und freie Gesellschaft.

Dieter Rohles plant eine Kundgebung oder Demonstration unter dem Titel "Burgdorf steht auf" und hat dafür schon viele Verbündete gefunden

BURGDORF (fh). Dieter Rohles will für eine freie und offene Gesellschaft auf die Straße gehen, ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus setzen. Und das nicht in Berlin, München oder Hannover, sondern dort, wo er lebt – in Burgdorf. „Es ist an der Zeit, auch einmal auf dem Lande Flagge“, sagt der 72-Jährige.
Nun will der Rentner, der als Mitbegründer des Mehrgenerationenhauses, Schiedsmann der Stadt und Schöffe am Landgericht Hildesheim gut vernetzt ist, möglichst viele Burgdorfer Vereine, Gruppen und Bürger von seiner Idee überzeugen. Einen Termin hat er für die Demonstration oder Kundgebung unter dem Arbeitstitel „Burgdorf steht auf“ noch nicht festgelegt. Er strebe das späte Frühjahr an, es könne aber auch Juni werden. „Die Planung nimmt mehr Zeit in Anspruch, als wir ursprünglich geglaubt haben“, so Rohles.
Das liegt auch an der Größenordnung, die er für die Veranstaltung ins Auge fasst. Er hoffe, dass sich einige hundert Menschen beteiligen werden. „Das lässt sich aber schwer prognostizieren. Denn bisher gibt es aus anderen Kleinstädten oder ländlichen Regionen kaum Erfahrungswerte“, schränkt er ein.
Allein in den vergangenen Wochen habe er zum Teil zehn Stunden am Tag mit den Vorbereitungen zugebracht. Im ersten Schritt sei es erst einmal darum gegangen, Kontakt zu möglichen Unterstützern aufzunehmen. „Ich habe E-Mails verschickt, telefoniert, aber auch viele persönliche Gespräche geführt“, so Rohles. Er habe unter anderem alle Schulen angesprochen, das Mehrgenerationenhaus, den Nachbarschaftstreff Ostlandring, das DRK, den Seniorenrat, die Kirchengemeinden, den Stadtmarketingverein, und die Burgdorfer Parteien, „bis auf die AfD“, wie Rohles erklärt. „Mein Vorschlag hat viel Zustimmung erfahren und ich habe bisher noch keine einzige Absage erhalten“, resümiert er zufrieden.
Die Motivation für sein Engagement fasst er kurz und knapp zusammen: „Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft nach rechts rückt. Ein Indiz dafür ist auch das Erstarken der AfD“, sagt Rohles. Das wolle er nicht hinnehmen. Und er zeigt sich überzeugt davon, dass er mit dieser Meinung nicht alleine sei. „Ein überwiegender Teil der Bevölkerung sieht die rechten Tendenzen sehr kritisch. Genau das müssen wir aber auch in der Öffentlichkeit deutlich machen“, so Rohles.
Darin habe ihn die sogenannte Unteilbar-Demo am 13. Oktober in Berlin bestärkt, bei der rund 250.000 Menschen gegen Rassismus und Rechtsextremismus protestierten. „Das war ein deutliches Signal, dass diejenigen in der Mehrheit sind, die sich eine offene Gesellschaft wünschen“, so Rohles. Von da an habe sich bei ihm der Gedanke gefestigt, dass solche Demos nicht auf die Megastädte wie Berlin, München und Hamburg begrenzt bleiben dürften, sondern auch in die Breite getragen werden sollten.
Nachdem er nun schon viele Akteure in Burgdorf angesprochen hat und die meisten ihre Unterstützung bereits zugesagt haben, sei der erste Teil der Planung so gut wie abgeschlossen. Nach einer längeren Pause durch Weihnachten und Urlaub gehe es im nächsten Schritt um die Details. „Wir müssen einen Termin festlegen, den Ort für die Kundgebung und gegebenenfalls auch eine Route für die Demonstration mit Polizei und Behörden abstimmen, die Redner auswählen, das Rahmenprogramm festzurren und dann natürlich Infomaterial und Flyer in den Druck geben“, sagt Rohles. Eine Menge Arbeit liegt also noch vor ihm. Doch Rohles lässt keinen Zweifel daran, ihm das die Sache wert ist.