"Wir wollen endlich loslegen"

Die Kabel im Serverraum des Gymnasiums Burgdorf sind für Schulleiter Michael Loske ein Ärgernis, weil nicht dokumentiert sei, wo sie hinführten.

Der Schulleiter des Gymnasiums Burgdorf Michael Loske fordert von der Stadt, die Mittel aus dem Digitalpakt sofort zu beantragen

BURGDORF (fh). Ans Glasfasernetz ist das Gymnasium Burgdorf laut Schulleiter Michael Loske bereits angeschlossen - doch von der schnellen Internetverbindung profitierten Schüler und Lehrer bisher trotzdem nicht. "Denn im Gebäude selbst haben wir noch Kupferleitungen", begründet er. Und selbst für die gebe es keine Dokumentation. "Wenn wir beispielsweise einen Kabelbruch haben, ist es deshalb sehr aufwendig und teuer, die defekte Stelle zu finden", so der Schulleiter. Weitere Punkte auf seiner Mängelliste sind Unterrichtsräume ganz ohne Internetanschluss oder ohne Wlan-Verbindung. "All das muss sich dringend verbessern", fordert Loske.
Deshalb will er das Geld aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern möglichst sofort abrufen. Und genau daran entzündet sich jetzt ein Streit: Denn die Stadt hat in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses angekündigt, dass sie einen Großteil der Fördermittel frühestens nächstes Jahr beantragen werde. Darauf reagierte Loske mit Unverständnis. "Ich bin etwas erschrocken: Die Umsetzung erscheint träge", bemängelte er.
Zum Hintergrund: Den Burgdorfer Schulen stehen aus dem Digitalpakt insgesamt rund 1,4 Millionen Euro zu: Jede Schule erhält einen Sockelbetrag von 30.000 Euro und eine Pro-Kopf-Pauschale in Abhängigkeit von der Schülerzahl. Von den 524.000 Euro, die dem Gymnasium zustehen, würden nach Loskes Aussage allein etwa 200.000 bis 300.000 Euro für die Verbesserung der technischen Infrastruktur benötigt, damit es beispielsweise in allen Gebäudeteilen schnelles Internet gibt. Doch dieses Geld landet nicht automatisch auf dem Konto der Schule, sondern erst, wenn die Stadt als Schulträger einen entsprechenden Antrag stellt.
Und wie begründet die Stadt vor diesem Hintergrund ihr Zögern? "Es muss gewährleistet sein, dass wir uns im rechtssicheren Rahmen bewegen", betonte der Erste Stadtrat Michael Kugel. Sonst bestehe das Risiko, dass die Förderanträge abgelehnt würden und die Stadt auf ihren Kosten sitzen bleibe. Sie sei beispielsweise verpflichtet, ein gemeinsames Medienentwicklungskonzept für all ihre Schulen zu erstellen, um die geplanten Maßnahmen zu begründen. "Aktuell sind wir deshalb zusammen mit den Schulen dabei, zu erfassen, was vor Ort an Ausstattung da ist und was benötigt wird", erläuterte der Leiter der Schulabteilung Henry Barm.
Außerdem müsse die Kommune die Projekte vorfinanzieren; die Auszahlung der Fördergelder erfolge erst nach Abschluss der jeweiligen Maßnahme. "In größerem Rahmen können wir die erforderlichen Mittel dafür frühestens über den Nachtragshaushalt im April bereit stellen", so Barm. Sobald der vom Rat genehmigt sei, sollen die Mittel für das Gymnasium nach Aussage der Stadt zeitnah beantragt werden. Und der Erste Stadtrat Kugel sicherte zu: „Alles, was zur Beschleunigung beiträgt, wollen wir nutzen.“
Selbst wenn andere Kommunen schneller sein sollten, riskiert Burgdorf zumindest nicht, am Ende leer auszugehen. Denn beim Digitalpakt geht es nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Jede Stadt, die bis 2023 einen Förderantrag stellt, erhält die Mittel, die ihr zustehen. Loske äußert aber eine andere Sorge: Er befürchtet er, in einem Jahr weniger für das Geld zu bekommen als jetzt. "Durch den Digitalpakt werden sich die Auftragsbücher der IT-Unternehmen füllen. Es wird dann schwieriger einen Anbieter zu finden und es wird alles teurer", so Loske. 
Das Gymnasium arbeite schon seit über einem Jahr darauf hin und seit einem dreiviertel
Jahr gebe es Gespräche mit der Stadt. "Jetzt wollen wir endlich loslegen", fordert er. Er sehe auch keinen Grund, noch länger abzuwarten.
"Die Landesschulbehörde und das Kultusministerium signalisieren, dass sie händeringend auf Anträge warten, weil sie jetzt noch die Ressourcen haben, um sie schnell zu bearbeiten", betont der Schulleiter und fügt hinzu: "Sie wissen auch, dass Schulen und Schulträger noch im Prozess sind und erwarten nicht, dass alles bis ins letzte Detail schon vorliegt. Und das Gymnasium Burgdorf habe sogar einen Vorsprung gegenüber anderen Schulen. "Wir haben bereits ein 20-seitiges Medienbildungs- und ein Methodenkonzept. Damit können wir genau begründen, was wir brauchen", sagt Loske.