Wildblumen rund ums Wasserwerk

Mitarbeiter der Stadtwerke Burgdorf und Ehrenamtliche von der Nabu-Ortsgruppe harken die Rasenfläche am Wasserwerk aus. (Foto: privat)
 
Bei dem samstäglichen Arbeitseinsatz entfernt die Gruppe den Rasenschnitt, der vom Mähen liegen geblieben ist. So bekommen die Wildblumensamen mehr Licht und Luft. (Foto: privat)

Die Stadtwerke Burgdorf gestalten das Gelände zusammen mit dem Nabu naturnah um

Burgdorf (fh). Heimische Wildblumen, Steinhaufen und ein Insektenhotel – die Stadtwerke Burg­dorf wollen auf dem Gelände des Wasserwerks neuen Lebensraum für Insekten, Vögel, Eidechsen, Igel und viele weitere Tiere schaffen. Dafür soll das Areal am Sorgenser Grundweg hinter dem Feuerwehrhaus nach und nach naturnah umgestaltet werden.
Anfang November haben sich nun 15 Mitarbeiter der Stadtwerke zusammen mit neun Ehrenamtlichen von der Nabu-Ortsgruppe an einem Samstagvormittag zum Arbeitseinsatz getroffen. „Alle waren begeistert bei der Sache und freuen sich, einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten“, sagt Unternehmenssprecher Michael Reinhardt, der auch selbst zur Harke griff.
Im ersten Schritt wurde die Rasenfläche vom Grasschnitt befreit, der vom Mähen liegen geblieben war. „Das ist wichtig, damit mehr Luft und Licht an die Wildblumensamen kommt, die sich schon im Boden befinden. Nur so haben sie eine ­Chance, sich gegen das stärkere Gras durchzusetzen“, erläutert Bernd Rose vom Nabu. Wenn der Rasenschnitt liegen bleibe, wirke er außerdem als Dünger, was den Wildkräutern wiederum schade, da sie größtenteils auf nährstoffarme Böden spezialisiert seien.
Nun soll die Fläche weitgehend sich selbst überlassen werden. „Wir setzen darauf, dass sich die Pflanzen ohne unser Zutun vermehren und Wind und Vögel weitere Samen herantragen“, erläutert Rose. Um ein klein wenig nachzuhelfen, seien beim Arbeitseinsatz ein paar Hände voll Samen ausgestreut worden.
Unterm Stricht falle künftig sogar weniger Arbeit an. Bisher wurde die Fläche im Sommer alle zwei bis vier Wochen gemäht. Künftig soll das bestenfalls nur noch einmal im Jahr nach der Blühphase geschehen. „Wir behalten die Entwicklung aber im Blick. Wenn das Gras wieder Oberhand gewinnt oder sich unerwünschte Pflanzen breit machen, steuern wir gegen“, erläutert der Naturschützer. Auch auf die Bewässerung könne in ein paar Jahren fast vollständig verzichtet werden weil die meisten Wildblumen auf Trockenheit eingestellt seien.
Im nächsten Schritt soll nun ein Steinrondell umgestaltet werden, das bisher vor allem mit Bambus bewachsen war. Nachdem eine Gartenbaufirma ihn mit einem Kleinbagger entfernt hat, solle dort nun eine Sandfläche geschaffen werden. „Viele Wildbienenarten legen ihre Eier in sandigen Böden ab. Sie sind im besiedelten Raum aber immer seltener zu finden“, begründet Rose. Außerdem könnten sich dort heimische Kräuter ansiedeln, die nährstoffarme, trockene Böden lieben.
Um auch vielen weiteren Wildbienen- und Schmetterlingsarten Nistplätze zu bieten, soll später noch ein großes Insektenhotel aufgestellt werden, das Hans-Jürgen Sessner vom Nabu von Hand anfertigen wird. Zudem seien Steinhaufen und Tot­holz vorgesehen, um möglichst vielen Tierarten Unterschlupf zu bieten. Bis zum Frühjahr soll die Umgestaltung abgeschlossen sein. „Dann warten wir ab, wie es sich entwickelt und bessern bei Bedarf nach“, so Rose.
Vor dem Arbeitseinsatz hatten sich die Stadtwerke sowohl von der Nabu-Ortsgruppe als auch vom Umweltzentrum Hannover beraten lassen. Diese Einrichtung hat sich das Gelände vor Ort angeschaut und macht in einem ausführlichen Bericht viele Vorschläge, wie sich die unterschiedlichen Teilbereiche umgestalten lassen, ohne dass für den Betrieb des Wasserwerks Nachteile entstehen.
Ehrenamtliche von der Nabu-Ortsgruppe haben bereits im Sommer die ersten Maßnahmen umgesetzt. „Wir haben bemerkt, dass dort regelmäßig Turmfalken übernachten. Deshalb haben wir spezielle Nistkästen aufgestellt, um ihnen auch das Brüten zu ermöglichen“, erläutert Rose. Zudem seien künstliche Nester für Schwalben und andere Vögel sowie Fledermauskästen angebracht worden.
Darüber hinaus gab es noch eine ungewöhnliche Rettungsaktion. Denn weiter hinten auf dem Grundstück gibt es kleine Teiche mit Schilf, in denen Wasserfrösche leben. In lauen Sommernächten seien sie gewandert und dann zum Teil in ein großes Becken des Wasserwerks gefallen. „Weil sie von alleine nicht mehr herauskamen, haben wir versucht, sie herauszufischen, was aber leider nicht immer gelungen ist“, erläutert Rose. Damit künftig keine Tiere mehr in dem Becken ertrinken, sei es mit engmaschigen Metallzäunen eingefasst worden.
Wenn auch die weiteren Maßnahmen erfolgreich sind, könnte sich das Gelände des Wasserwerks in den nächsten Jahren zu einem kleinen Naturparadies entwickeln.

Das Wasserwerk Burgdorf

Das Wasserwerk Burgdorf am Sorgenser Grundweg ist im Jahr 2000 in Betrieb gegangen. Heute versorgt es rund 5800 Haushalte und Betriebe in der Kernstadt sowie in Heeßel und Hülptingsen mit jährlich insgesamt 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser.