Wie war Ihr erstes Jahr im Amt?

Im Interview mit dem Marktspiegel blickt Bürgermeister Armin Pollehn auf sein erstes Jahr im Amt zurück. (Foto: Archiv/Franka Haak)

Bürgermeister Armin Pollehn spricht über seinen Arbeitsalltag unter Corona-Bedingungen, seine ersten Erfolge und die Zukunft der Bauhöfe

Burgdorf (fh). Armin Pollehn (CDU) ist seit einem Jahr Bürgermeister in Burgdorf. Wegen der Corona-Epidemie ist in den vergangenen Monaten vieles anders verlaufen, als er es sich bei seinem Amtsantritt am 1. November 2019 vorgestellt hat. Gerade in der Anfangsphase der Epidemie ab Mitte März sei er vor allem Krisenmanager gewesen, sagt er. Der Marktspiegel wollte von ihm wissen, was er in seinem ersten Amtsjahr trotzdem schon auf den Weg gebracht hat und welche Vorhaben auf der Strecke geblieben sind.

Was hat sich durch die Corona-Epidemie für Sie verändert?

Eine ganze Menge, sowohl im Großen wie auch im Kleinen. Aber ich möchte hier mal etwas herausgreifen, was im ersten Moment vielleicht eher nebensächlich erscheint: das Händeschütteln. Ich erinnere mich noch gut an die Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Otze Anfang März. Das war die erste Veranstaltung, bei der wir wegen des Coronavirus darauf verzichtet haben, uns per Handschlag zu begrüßen. Da ist mir noch einmal ganz bewusst geworden, wie wichtig diese Geste in unserer Kultur ist – als Ausdruck von gegenseitiger Wertschätzung und Verbindlichkeit. Damals hat wohl kaum jemand geahnt, was in den nächsten Monaten auf uns zukommen würde. Aber auch wenn wir inzwischen noch mit ganz anderen Einschränkungen leben müssen, merke ich bis heute, dass mir das Händeschütteln fehlt. Gerade in meinem Amt als Bürgermeister würde das natürlich eigentlich dazugehören.

Sie haben es gerade schon angedeutet: In den zurückliegenden Monaten mussten wir mit so einigem fertig werden. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Als Mitte März der Lockdown begann, wurde ich quasi über Nacht vom Bürgermeister zum Krisenmanager. Wir mussten in Rekordgeschwindigkeit einen Krisenstab bilden, systemrelevante Arbeitsplätze in der Verwaltung definieren und viele Abteilungen auf Schichtbetrieb umstellen. Auch ich selbst habe zum Teil im Home-Office gearbeitet. Denn vieles musste ohnehin per E-Mail oder Telefonkonferenz geregelt werden und das ging von zuhause aus genauso gut.

Mit welchen Themen musste sich der Krisenstab beschäftigen?

Am Anfang ging es vor allem darum, wie wir unsere Mitarbeiter schützen und die Verwaltung aufrecht erhalten können. Um es ganz plastisch zu machen: Wenn das Klärwerk auch nur einen oder vielleicht zwei Tage lang ausfallen würde, weil die Mitarbeiter in Quarantäne müssten, hätten wir ein riesiges Problem. Schon nach kurzer Zeit würde das Schmutzwasser zurückdrücken und wir hätten ganz schnell eine Seuchengefahr in der Stadt. Ein solches Szenario galt es also unbedingt zu verhindern! Mir selbst hat das noch mal vor Augen geführt, was die Kommunen und ihre Mitarbeiter jeden Tag für die Bürger leisten. Um darauf aufmerksam zu machen, hat sich Burg­dorf im Juni zum ersten Mal am Tag der Daseinsvorsorge beteiligt.

Die Corona-Epidemie hat Sie in den zurückliegenden Monaten stark in Anspruch genommen. Welche Vorhaben sind dadurch auf der Strecke geblieben?

Es ist mein Ziel, mehr Bürgerbeteiligung zu ermöglichen, nicht nur bei ganz konkreten Einzelentscheidungen, sondern auch bei großen Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz und Stadtentwicklung. Dafür würde ich gern sogenannte Bürgerforen anbieten, sowohl live als auch digital. Wegen der Corona-Epidemie liegen diese Ideen leider noch in der Schublade, da wäre ich gern schon etwas weiter.

Was konnten Sie in Ihrem ersten Amtsjahr trotzdem schon auf den Weg bringen?


Gerade beim Thema Digitalisierung hat die Corona-Epidemie einiges sogar beschleunigt. So konnten wir mit Hilfe der Fördermittel aus dem Digitalpakt den Ausbau von WLAN und Serverkapazitäten an den Schulen voranbringen und für eine Grundausstattung mit Endgeräten sorgen. In der Verwaltung haben wir das ServicePortal eingerichtet, über das die Burg­dorfer jetzt online Anträge stellen können. Außerdem war es mir wichtig, auch schon einige große Themen auf die Schiene zu bringen.

Welche?


Ich bin der Politik dankbar, dass sie den umfangreichen Sanierungen der Rathäuser I und II zugestimmt hat. In der Vergangenheit hat es immer mal wieder Ansätze gegeben, stattdessen ein großes neues Rathaus zu bauen und alle Verwaltungsabteilungen an einem Standort zu bündeln. Aber das hätte aus meiner Sicht nicht zu Burgdorf gepasst. Wir leben in einer Fachwerkstatt. Die denkmalgeschützten Rathäuser I und II stiften Identität und sind eng mit der Lokalgeschichte verbunden. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass die Stadt sie aus der Hand gibt. Deshalb bin ich froh, dass wir sie als Rathäuser erhalten und zukunftsfähig machen.

Der kürzlich vorgelegte Doppelhaushalt 2021/22 zeigt, dass die Schulden der Stadt in den nächsten Jahren weiter ansteigen und Zins und Tilgung die kommenden Haushalte stark belasten werden. Wo wollen Sie sparen?


Gleich vorweg: Es ist nicht so, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Wichtig ist mir, all das zu erhalten, was wir uns in Burgdorf aufgebaut haben und was uns lieb und teuer ist, wie die Stadtbücherei, das Hallenfreibad und das eigene Jugendamt. Wenn wir diese Dinge jetzt aufgeben würden, wäre das eine Bankrotterklärung für die Stadtgesellschaft. Es bedarf in den nächsten Jahren großer gemeinsamer Anstrengungen, aber ich bin mir sicher, dass wir das mit Ach und Krach schaffen werden. Allerdings können wir uns nicht immer weitere Projekte vornehmen. Von der Politik wünsche ich mir deshalb, dass sie genau abwägt, welche Anträge sie beschließt.

Im Wahlkampf haben Sie versprochen, dass Sie als Bürgermeister über die Parteigrenzen hinweg mit allen sprechen wollen. Bei einigen wichtigen Entscheidungen im Rat wie der Grundsteuererhöhung ist der Eindruck entstanden, dass das mit der SPD geführten Mehrheitsgruppe bisher besser gelungen ist, als mit Ihrer CDU.

Diesen Eindruck teile ich. (lacht)

Warum fällt es Ihnen so schwer, Ihre Partei mitzunehmen?

Die CDU war in Burgdorf über 20 Jahre lang in der Opposition und hatte wenig Einfluss auf die Entscheidungen. Es ist für meine Partei eine große Umgewöhnung, dass sie den Bürgermeister stellt und Mitverantwortung für die Verwaltung trägt. Aber wir sind jetzt auf einem sehr guten Weg miteinander! Trotzdem gilt weiterhin, dass ich mir eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg wünsche, egal wer welche Mehrheiten hat.

Und was wünschen Sie sich sonst noch für das zweite Jahr Ihrer Amtszeit?


Wegen der Corona-Epidemie wissen wir im Moment nicht, was uns erwartet. Ich hoffe sehr, dass wir glimpflich davon kommen. Unser wichtigstes Ziel muss es sein, die Gesundheit der Bürger zu schützen und wirtschaftliche Existenzen zu sichern. Außerdem gilt es, zu verhindern, dass die Krise unsere Gesellschaft spaltet.

Welche Pläne haben Sie für die Burgdorfer Bauhöfe?

Seit Kurzem machen Gerüchte die Runde, dass Sie die Bauhöfe aus der Stadtverwaltung ausgliedern wollen. Was genau haben Sie vor?

Mit Blick auf die haushalterische Lage und um den Stellenplan zu entlasten, müssen wir auch darüber nachdenken, ob wir bestimmte Teile der Verwaltung in andere Organisationsformen überführen können. Eigentliche halte ich es für verfrüht, öffentlich bereits konkrete Einheiten zu benennen, die dafür in Frage kommen. Aber da die Gewerkschaft das bereits nach außen getragen hat, will ich dazu kurz Stellung nehmen. Aus meiner Sicht sind die Bauhöfe tatsächlich prädestiniert dafür. Denn zum einen ließen sie sich gut in die bestehenden Wirtschaftsbetriebe Burgdorf (WBB) integrieren, die auch das Hallenfreibad betreiben. Zum anderen könnte das in Verbindung mit dem geplanten Neubau am Dachtmisser Weg ein gelungener Neustart für die Bauhöfe werden. Aber entschieden ist noch nichts von alledem! Wir befinden uns in einem ganz frühen Stadium.

Bei den Mitarbeitern hat das trotzdem für Unruhe gesorgt.

Mir war es wichtig, das erst einmal intern zu erörtern, bevor ich mit den Überlegungen an die Öffentlichkeit gehe. Den Personalrat habe ich frühzeitig einbezogen. Ich bedauere, dass die Gewerkschaft wider besseren Wissens bei den Bauhofmitarbeitern Angst vor einer Privatisierung geschürt hat. Das halte ich für unseriös. Eine Privatisierung steht überhaupt nicht zur Debatte, denn die WBB sind eine hundertprozentige Tochter der Stadt Burg­dorf. Und was für mich entscheidend ist: Falls wir uns zu diesem Schritt entschließen sollten, dürfen die Mitarbeiter dadurch nicht schlechter gestellt werden.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Wir bearbeiten derzeit eine Reihe von Prüfaufträgen. Das wird sich mindestens noch bis in den Januar hineinziehen. Ich beabsichtige, im ersten Quartal 2021 einen Zeitplan für das weitere Vorgehen vorzulegen. Darüber werde ich dann natürlich auch Politik und Öffentlichkeit informieren. Außerdem ist es mir ganz wichtig, auch die Mitarbeiter mitzunehmen. Der Personalrat ist weiterhin in den Prozess eingebunden.