Wertstoffhof in der Findungsphase

Kunde Hans-Jürgen Kummetz (2. von links) im Gespräch mit dem stellvertretenden Deponieleiter René Richter (von links), Deponieleiter Henry Beck und Dunja Veenker, die bei Aha für alle Deponien zuständig ist.
 
Ernst Hildebrandt entsorgt regelmäßig sein Grüngut auf dem Wertstoffhof in Burgdorf und ist mit dem Umbau zufrieden.

Nutzerzahl hat sich seit der Wiedereröffnung verdoppelt / Fahrbahnmarkierungen in etwa einem Jahr geplant

BURGDORF/LEHRTE (fh). Zu schmale Spuren, fehlende Markierungen, schlecht sichtbare Schilder - Marktspiegel-Leser Hans-Jürgen Kummetz aus Lehrte hat am Umbau des Burgdorfer Wertstoffhofes einiges auszusetzen. Der Marktspiegel hat sich mit ihm und mehreren Mitarbeitern des Abfallentsorgers Aha getroffen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Längst nicht alle Unzulänglichkeiten lassen sich laut Aha einfach ausräumen, aber in einigen Fällen will das Unternehmen nachbessern. "Der Wertstoffhof ist nach dem Umbau noch in der Findungsphase. Auch wenn es im Großen und Ganzen gut läuft, sind wir für Verbesserungsvorschläge immer dankbar", betont Aha-Pressesprecher Stefan Altmeyer.
Das lässt Kummetz sich nicht zweimal sagen. Gleich am Eingang, noch bevor die Gruppe den eigentlichen Wertstoffhof betreten hat, bringt er seinen ersten Kritikpunkt an: "Durch den Umbau sollte der Rückstau auf der Kreisstraße verringert werden. Dieses Ziel wurde verfehlt. Die Schlange ist jetzt oft sogar länger." Diese Beobachtung bestätigt Aha-Bauplaner Markus Müller. Das sei aber kein Planungsfehler, sondern spreche vielmehr für den Erfolg des Umbaus. "Die Nutzerzahlen haben sich seit der Wiedereröffnung nahezu verdoppelt", betont er. Vorher seien es durchschnittlich 800 bis 1000 PKWs pro Tag gewesen, jetzt seien es 1700 bis 1900. "Mit einer solchen Steigerung haben wir einfach nicht gerechnet", so Müller.
Pro Stunde können etwa 380 Anlieferungen abgefertigt werden. Außerdem kann die neue Warteschleife auf dem Wertstoffhof gleichzeitig bis zu 40 PKW aufnehmen, die sonst vor dem Gelände warten mussten. Trotzdem mache sich der starke Anstieg der Nutzerzahlen aber auch auf der Kreisstraße bemerkbar. Lange Wartezeiten gebe es vor allem am Samstag. "Und auch am Montag ist es sehr voll, weil dann die meisten Grüngutannahmestellen geschlossen sind", so Müller.
Schon beim Einbiegen auf den Wertstoffhof sieht Kummetz ein weiteres Problem: Die Fahrbahn sei für zwei Spuren sehr eng. Doch da lassen sich die Planer von Aha auf keine Diskussion ein. "Die Breite entspricht den vorgegeben Normen für den Straßenbau und liegt sogar über dem Mindestmaß", unterstreicht Dunja Veenker, die bei Aha für die Deponien zuständig ist. Die Planer hätten sich aber bewusst dagegen entschieden, die Spuren deutlich breiter als nötig zu machen. "Ziel war es ja vor allem, mehr Platz für die Container zu schaffen", begründet Veenker. Erstmals sei es jetzt möglich, überhaupt Autos mit und ohne Anhänger zu trennen.
Doch genau daran hapere es noch, meint Kummetz. Für die Kunden sei diese vorgesehene Trennung bisher schwer ersichtlich. Kummetz vermisst vor allem Fahrbahnmarkierungen und Schilder, die beispielsweise deutlich machen, wo sich PKW mit an Anhängern einordnen und wie sie an den Containern parken sollen. "Das wird kommen", verspricht Veenker. Allerdings müssen sich die Nutzer des Werkstoffhofs da voraussichtlich noch einige Monate gedulden. "Erfahrungen von anderen Wertstoffhöfen zeigen, dass wir etwa ein Jahr lang ausprobieren und noch mal etwas verändern", so Veenker. Es koste zu viel Geld, Markierungen probehalber aufzubringen und sie später dann gegebenenfalls wieder abzufräsen. Erst wenn sicher sei, dass alles so bleiben soll, seien deshalb auch die Fahrbahnmarkierungen an der Reihe. Bis dahin sollten die Mitarbeiter des Wertstoffhofs die Kunden einweisen und sie ansprechen, wenn sie falsch fahren oder parken.
Aber warum dauert die Testphase ein ganzes Jahr? "Wir wollen jede Saison einmal durchspielen", erläutert Veenker. Denn im Laufe des Jahres wolle Aha die Container-Anzahl den jeweiligen Bedürfnissen anpassen und daraus könnten sich dann noch mal neue Erfordernisse an Abläufe und Verkehrsführung ergeben. "Im Frühling geht die Gartenarbeit wieder los. Dann werden viele Grünabfälle angeliefert. Im Sommer ist es eher Bauschutt, weil dann viele anfangen, zu werkeln. Und im Winter wird ausgemistet und es werden neue Möbel angeschafft. Da fallen viele Sperrabfälle an", erläutert Veenker. Weil vor dem Umbau nur Platz für die Mindestanzahl an Containern gewesen sei, seien solche Anpassungen bisher nicht möglich gewesen.
Einen weiteren Kritikpunk von Kummetz hatte Aha bis ato noch nicht auf der Agenda: Es sei teilweise schwierig, einen Container für eine bestimmte Abfallart zu finden. Das Probelm: Die Hinweisschilder stehen auf dem Boden. Wenn ein Auto davor parkt, sind sie verdeckt. "Wir werden prüfen, ob wir Schilder konstruieren können die sich an den Containern selbst befestigen lassen und dadurch besser sichtbar sind", kündigt Henry Beck, der Leiter der Burgdorfer Deponie, an. Wichtig sei dabei, dass die Schilder abnehmbar seien, weil Container nicht immer für dieselben Abfälle verwendet würden. Auch die Beschilderung an der Ein- und Ausfahrt will Aha noch mal überprüfen.
Ansonsten setzt der Abfallentsorger auf den Eingewöhnungseffekt. "20 Jahre lang hat sich auf dem Wertstoffhof fast nichts geändert und die meisten regelmäßigen Nutzer haben sich im Schlaf zurechtgefunden. Es ist nicht verwunderlich, dass sie manches jetzt erst wieder einspielen muss", ist Veenker überzeugt.